Zucht, humorvolle   Sophia, robust von Geburt an, garte am mütterlichen Busen und gedieh prächtig. Früh bemerkte sie, welche ungetröstete Wut ihrer gichtigen jüngferlichen Tante jenes Zittern eingebracht hatte, sie wußte es auf eine Stunde, wann es das Herz ihres Vaters (das an einem längeren Spannseil schaukelte, als es der Belustigung der Herzen von Gentlemen dienen sollte) nach rechts gelüstete, was bedeutete, daß heute Abigail dran war, und wann nach links, was es als friedlich zu Hause bleibend ankündigte. Sophia hatte das Zeug zu einer großen Reformerin oder zu einer lärmenden Verwalterin. In jenem Haus der dünnen Wände und des tönenden Lebens hatte sie auf beiden Seiten gebrütet, und bemerkte im Hervortreten befriedigt den Augenblick, als des Vaters frische Zuneigung zu dem Neugeborenen ihn morgens um vier in flatterndem Nachthemd zum »Sprudelbecken« (oder Nachtgeschirr) trieb, denn, wie sie später an ihren Freund Tollop von der Gazette schrieb: »Es gefiel mir, an meinem Vater Bestürzung und ihre Begleiterscheinung zu sehen.« Im späteren Leben erwies sich das als Schritt auf dem Wege zur Beherrschung ihres Metiers. Als Sophia erwachsen wurde und ihren eigenen Haushalt gründete (wie die humorvolle Zucht es schon vor ihr getan hatte), zollte sie dieser Erinnerung mit etwas zugleich Gerundetem und hervorragend Verstaubarem Tribut: sie bestellte nämlich fünf feine Nachttöpfe und ließ sie anfertigen, mit leuchtender Glasur und je einer Verszeile auf der Oberfläche des Bauches (direkt unter dem Rand, in verschnörkelten Goldbuchstaben, verziert mit Sinnbildchen aus Bogen und Amoretten), die folgendes Axiom ergaben:

»Notdurft ist groß,
Erquickung zerrann;
Tu was du willst:
's ist nicht mehr als ich kann.«

Und schlug auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe (denn woraus sonst besteht der Humor?), indem sie nicht nur die Grundlage der Erleichterung, sondern auch der Beobachtung schuf, denn zwischen dem Augenblick, da ein Liebhaber mit der ausdrücklichen Absicht, wie er sagte, »sich die Hände zu waschen«, hinausging, und seiner Rückkehr, erfuhr sie etwas über seine Beobachtungsgabe, über seinen poetischen Geschmack sowie über seine Empfänglichkeit für zündende Scherze, denn die Haltung beim Eintritt war, sofern die Person nicht bar jeglicher Beobachtungsfähigkeit war, sehenswert und gab gewiß mehr als die Hälfte der Verkleidung seines Wesens preis.

Das fünfte dieser Becken war zu ihrem eigenen Gebrauch bestimmt, es gehörte ihren Bücken und keinen anderen (und zeigte, wie man augenblicklich bemerken wird, daß Sophia neben allem anderen auch eine gute Christin war), doch eines Nachts im ersten Jahr ihrer zweiten Ehe - denn Gatten genießen nach ungeschriebenem Gesetz dies Privileg - kam Alex plötzlich, und vermutlich m keiner edlen Absicht, zu ihr herein, scheuchte sie in ein verfrühtes Aufstehen und flatternden Aufruhr und sah, worauf sie sinnend gesessen hatte, das einzige Wort »Amen«, und als er in herzliches Gelächter ausbrach (denn obwohl noch Ausländer, hatte er sich prächtig entwickelt), antwortete sie etwas mürrisch: »ER merket jeglichen Sperlings Sturz.«

Da nichts ewig ist als Zerstörung, und da Schrecken oft von einer Hand verbreitet wird, die noch einen Augenblick zuvor fest geschlossen war, verschwanden diese munteren Gefäße eins nach dem anderen. So daß, was 1877 fünf lebhafte Gesellen gewesen, zehn Jahre später nur noch drei waren, die, der Reihe nach aufgestellt, lauteten:

»Notdurft ist groß«,
»Tu was du willst«,
»Amen«.

Und dann kam eines Tages Julie und beichtete: »O weh, o weh! ›Tu was du willst‹ ist hin.« Nun standen »Notdurft ist groß« und »Amen« allein da.    - (ryder)

 

Familie Humor

 

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