uppenhuhn


Bittersüßes Chanson

zugeeignet
sehr vielen Frauen der Bundesrepublik Deutschland & dem weltberühmten Marquis de Sade

Meine Frau das Suppenhuhn
kocht im Topf sich selber mit
ja was soll sie andres tun
da sie noch nicht Witwe ist
Mutter nur den Mann betrauert
nimmer in die Kneipe fegt
wenn sie säubert wenn sie strickt
Kinder wirft und Karten legt

Meine Frau das Suppenhuhn
legt sich hin und läßt sichs tun
und sie nimmt auch keine Pille
dieses ist ihr Christenwille
sie hat Mitleid nicht mit sich
warum also sollte ich
(noch ein Gläschen dann aufs Klo
schöner fickt sichs anderswo
billiger bleibt es zuhaus
doch die Suppe ist ein Graus)

Meine Frau das Suppenhuhn
sitzt zuhaus und schminkt sich nun
vor dem Spiegel weiß sie nicht
ihrem Kopf fehlt das Gesicht

(wollen wir ins Kino gehn
wortlos in die Leinwand sehn
Helden Dirnen und Verräter
Muselmanen Attentäter)

Meine Frau das Suppenhuhn
weiß dann gut was andre tun
gibt sich friedlich hin dem Schmaus
weiß nichts von der grauen Laus
frißt sich aus und selber auf
ob mein armes Herz verschnauf

Meine Frau das Suppenhuhn
kocht im Topf sich selber mit
ja was soll sie andres tun
wenn er in ein Vötzchen glitt
mit dem ihres keinen Schritt
halten kann so bunt und wellig
sie hält sich für gottgefällig
und der Welt so hofft nur eines
Witwe werden und des Reimes
wegen auch entsprechend alt
ihrer Kinder Vollgewalt

  - Gerald Bisinger, nach: Dein Leib ist mein Gedicht. Deutsche erotische Lyrik aus fünf Jahrhunderten. Hg. Heinz Ludwig Arnold, Frankfurt am Main u.a. 1973  (Ullstein 2934)

Suppenhuhn (2)  »Wie sieht Miss Lois Magie aus?«

»Sie ist groß, hübsch, blond. Sehr ~ sehr reizvoll.«

»Sie meinen sexy?«

»Nun ja« - sie lief über und über rot an -, »auf eine nette, anständige Art, wenn Sie verstehen, was ich damit sagen will.«

»Ich verstehe, was Sie damit sagen wollen«, sagte ich, »aber ich habe nie viel damit anfangen können.«

»Das kann ich mir denken«, sagte sie scharf.

»Wissen Sie, wo Miss Magic wohnt?«

Sie schüttelte den Kopf, nein.

Sie faltete das große Taschentuch sehr sorgfältig und legte es in die Schreibtischschublade, in die, in der der Revolver war.

»Sie können ja ein andres klauen, wenn das da schmutzig ist«, sagte ich.

Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und legte ihre kleinen, sauberen Hände auf die Tischplatte und sah mich ungerührt an.

»An Ihrer Stelle würde ich nicht allzu sehr den harten Burschen spielen, Mr. Marlowe. Bei mir nicht, jedenfalls.«

»Nicht?«

»Nein. Und ich kann Ihnen keine weiteren Fragen mehr beantworten, ohne besondere Erlaubnis. Ich habe hier eine Vertrauensstellung.«

»Ich bin nicht hart«, sagte ich. »Nur männlich.«

Sie nahm einen Bleistift und machte eine Notiz auf einen Schreibblock. Sie lächelte leise zu mir herauf, wieder ganz gefaßt.

»Vielleicht mag ich männliche Männer nicht«, sagte sie.

»Sie sind ein Suppenhuhn«, sagte ich. »Auf Wiedersehen.«   - Raymond Chandler, Das hohe Fenster.  Zürich 1973

 

Suppe Huhn

 

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