aust

Topor: Faust ind Gesicht

- (maso)

Faust (2) 

Das Haar ist wild und struppig; wie verkrochen
Im Kopf das Auge, fürchterlich der Blick;
Das Antlitz dürr und mager wie ein Knochen;
Der Bart verworren, greulich lang und dick.
Die Schöne fühlt ihr Herz vor Angst erpochen,
Da sie ihn schaut; sie flieht im Augenblick.
Laut schreit sie auf zum Himmel, bebend, bangend
Und vom Begleiter Hilf und Schutz verlangend.

Sobald der tolle Graf sie wahrgenommen,
Will er sie halten und erhebt sich jach;
So sehr war ihm das schöne Weib willkommen,
So plötzlich ward ihm die Begierde wach.
Daß er für sie von Liebe war entglommen,
Davon blieb längst ihm kein Gedächtnis nach.
Rasch folgt er ihr, und zwar auf solche Weise,
Wie wohl ein Hund verfolgt des Wildes Gleise.

Der Jüngling sieht den tollen Kerl mit Grauen,
Der die Geliebte jagt, spornt rasch sein Pferd
Und rennt ihn an, um ihn zugleich zu hauen,
Als Roland eben ihm den Rücken kehrt.
Er denkt, den Köpf vom Rumpf getrennt zu schauen;
Allein die Haut, vom Eisen unversehrt,
Läßt minder sich als Bein und Stahl durchbohren;
Denn Roland ist gefeit und fest geboren.

Als Roland sich im Rücken fühlt geschlagen,
Dreht er sich um, und schlägt, die Faust geballt,
Auf jenes Roß, das den Medor getragen,
Mit der kein Maß erkennenden Gewalt.
Er trifft das Haupt, und dieses wird zerschlagen,
Als wär's von Glas; das Pferd stirbt alsobald.
Drauf kehrt er sich, ohn' irgend zu verweilen,
Zu ihr, die sich bemüht, ihm zu enteilen.

- (rol)

Faust (3)  Der Fleischer setzte ein fatales Lächeln auf. »Ihr scheint es darauf abgesehen zu haben, mich zu schinden?« bemerkte er.

Mit einem Satz war der Hauptmann in die Höhe gefahren und hatte nach den beiden in Lotosblätter gewickelten Fleischpaketen gegriffen.

»Allerdings bin ich gekommen, um dich zu schinden!« schrie er den Fleischer funkelnden Auges an und hatte ihm im selben Augenblick die beiden schweren Pakete mitten ins Gesicht geschleudert, daß er über und über von einem wahren Regen von Fleischklümpchen überrieselt wurde. In Tschong schlug eine Lohe brandheißer Wut von den Fußsohlen bis zum Scheitel empor. Unfähig, sich länger zu beherrschen, langte er hinter der Schlachtbank ein Schlächterbeil hervor und stürzte sich auf seinen Gegner. Aber Lu Ta war rechtzeitig vor seinem Angriff ein paar Schritt vor die Tür unter die Menge zurückgewichen, die sich draußen angestaut hatte und mit ängstlichen Blicken das aufregende Schauspiel beobachtete. Niemand, auch keiner von den Fleischergesellen, wagte sich einzumischen.

In der Rechten das Beil schwingend, wollte der wütende Metzger mit der Linken seinen Widersacher packen. Aber Lu Ta kam ihm mit einem raschen Griff an den linken Handknöchel und einem kräftigen Fußtritt in den Bauch zuvor. Unter seiner Ladentür kollerte Metzger Tschong aufs Straßenpflaster. Lu Ta setzte ihm den Fuß auf die Brust, hob seine geballten Fäuste groß wie Essignäpfe hoch und schrie den am Boden Liegenden an:

»Hund, was hast du an Kin's Tochter, der armen Tsui Liän, verbrochen?«

Ein Faustschlag klatschte auf des Metzgers Nase, so daß sie sich schief legte und ein dicker Blutstrahl daraus hervorschoß.

»Ei verflucht! Das hat gesessen!« entfuhr es dem Wehrlosen. Er versuchte sich vergebens hochzurappeln, das Beil war ihm aus der Hand gerutscht.

»Was! Du Schuft von einem Ausbeuter spürst Lust, dich aucE noch mausig zu machen?« schrie Lu Ta und versetzte ihm einen zweiten Fausthieb zwischen die Augen, der die Nähte der inneren Augenwinkel platzen ließ und bewirkte, daß der Getroffene sich in ein Lager bunter Stoffe versetzt glaubte, so schwarz und rot und grün wurde es ihm vor den Augen. Ängstlich schauten die Umstehenden zu, niemand wagte, dem Gefürchteten in den Arm zu fallen. Der Metzger begann um Gnade zu winseln. Verächtlich fuhr ihn der Hauptmann an:

»Pah! Gnade! Wenn du dich tapfer, Mann gegen Mann, bis zum letzten gewehrt hättest, würde ich dir allenfalls Gnade geschenkt haben. Nun du feige um Gnade winselst, erhältst du gerade keine.«

Ein dritter Fausthieb in die Schläfengegend. Dem Getroffenen dröhnte es in den Ohren wie Waffengeklirr und Kampfgetös, er hörte gleichzeitig Glocken läuten und Schellen bimmeln und Klingsteine klingeln. Dann streckte er sich lang und muckste nicht mehr. Lu Ta betrachtete ihn näher. Sein Atem ging wohl noch aus, aber nicht mehr ein. »He, Bursche, stelle dich gefälligst nicht tot! Du willst wohl noch mehr Hiebe beziehen?« rief Lu Ta aus. Da bemerkte er, wie sich des Fleischers Antlitz allgemach verfärbte, und er dachte bei sich: ›Ich wollte ihn nur ein wenig stäupen. Wer denkt denn, daß er an drei Fausthieben gleich krepiert? Verflucht, das bringt mich vors Gericht und ins Loch. Wer wird mir Essen bringen, wenn ich brummen muß? Das beste ist, ich mache Beine und laufe so schnell wie möglich davon.‹ Und laut zu dem Toten gewendet:

»Stelle dich tot, soviel du willst! Ich werde schon noch mit dir abrechnen.«   - (raub)

Faust (4)

Schillers Faust

  - Friedrich Schiller, nach: Kurt Böttcher, Johannes Mittenzwei: Zwiegespräch. Deutschsprachige Schriftsteller als Maler und Zeichner. Leipzig 1980

Faust (5)

- Roy Lichtenstein

Faust (6)  Eines Vormittags gegen zehn erschien am Himmel über der Stadt eine ungeheure Faust, die sich langsam öffnete und dann regungslos verharrte wie ein riesiger, unheilkündender Baldachin. Sie schien aus Stein und war nicht aus Stein, sie schien aus Fleisch und war nicht aus Fleisch, sie schien eine Wolke und war keine Wolke. Es war Gott. Und der Weltuntergang.  - Dino Buzzati, Die Maschine des Aldo Christofari. Frankfurt am Main 1985

Faust (7)  

- N. N.

Hand Gesicht

 

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