Familientragödie  Natascha hatte zwei Stücke Konfekt. Ein Stück aß sie, und so hatte sie nur noch eins. Natascha legte das Stück Konfekt vor sich auf den Tisch und begann zu weinen.

Und siehe da, plötzlich lagen wieder zwei Stücke Konfekt auf dem Tisch.

Natascha aß eins und begann wieder zu weinen.

Natascha weinte, dabei guckte sie mit einem Auge zum Tisch, ob sich nicht wieder ein zweites Stück Konfekt angefunden hatte. Doch es hatte sich kein zweites Stück Konfekt angefunden.

Natascha hörte auf zu weinen und begann zu singen. Sie sang und sang, und auf einmal starb sie.

Kam Nataschas Vater, nahm Natascha und trug sie zum Hausverwalter.

»Da«, sagte Nataschas Vater, »bitte bescheinigen Sie ihren Tod.«

Der Hausverwalter hauchte auf den Stempel und drückte ihn auf Nataschas Stirn.

»Danke«, sagte Nataschas Vater und trug Natascha zum Friedhof.

Auf dem Friedhof war der Wächter Matwej, er saß am Tor und ließ niemanden ein, daher mußten die Toten auf der Straße beerdigt werden.

Beerdigte der Vater Natascha auf der Straße, nahm die Mütze ab, legte sie an die Stelle, wo er Natascha beerdigt hatte, und ging nach Hause.

Kam der Vater nach Hause, doch Natascha saß schon zu Hause. Wie das? Na ganz einfach: Sie ist aus der Erde gekrochen und nach Hause gelaufen.

Nicht zu fassen! Der Vater war so schockiert, daß er umfiel und starb.  - (charms)

Familientragödie (2) Im Frühjahr 1869 entkam David van Veen, ein wohlhabender Architekt flämischer Herkunft, unverletzt einem Unfall, als dem Wagen, den er von Cannes nach Calais steuerte, auf vereister Straße ein Vorderreifen platzte und er in einen geparkten Möbelwagen hineinraste; seine Tochter, die neben ihm saß, wurde auf der Stelle getötet von einem Koffer, der ihr, von hinten rübersegelnd, das Genick brach. Ihr Ehemann, ein unausgeglichener, erfolgloser Maler (zehn Jahre älter als sein Schwiegervater, den er beneidete und verabscheute), erschoß sich in seinem Londoner Atelier, als ihm diese Nachricht aus einem Dorf in der Normandie, das gräßlicherweise Deuil hieß, per Kabelgramm übermittelt wurde.

Die Wucht des Unglücks büßte nichts an Geschwindigkeit ein, denn auch Eric, ein Junge von fünfzehn Jahren, entging trotz all der Fürsorge und Liebe, mit der sein Großvater ihn umgab, einem grotesken Schicksal nicht: ein Schicksal, das dem seiner Mutter seltsam ähnelte.

Nachdem man ihn von Note weg in ein kleines Internat im Kanton Vaud eingewiesen und er dann einen schwindsüchtigen Sommer in den See-Alpen verbracht hatte, wurde er nach Ex-en-Valois geschickt, dessen kristallklare Luft zu der Zeit angeblich junge Lungen stärkte; statt dessen schleuderte ein schlimmer Wirbelwind einen Dachziegel auf ihn und zerschmetterte seinen Schädel. Zwischen den Habseligkeiten des Jungen fand David van Veen eine Reihe von Gedichten und den Entwurf eines Essays mit dem Titel «Villa Venus: ein organisierter Traum». Um es grob zu sagen - der Junge hatte versucht, seine ersten sexuellen Qualen zu lindern, indem er sich ein Projekt vorstellte und ausmalte (was auf die Lektüre von zu vielen erotischen Werken zurückzuführen war, die in einem möblierten Haus aufgefunden wurden, welches sein Großvater in der Nähe von Vence von dem Grafen Tolstoj, einem Russen oder Polen, gekauft hatte): nämlich eine Kette von Luxuspuffs, die über «beide Hemisphären unseres kallipygischen Globus» zu errichten seine Erbschaft ihm gestatten würde.   - (ada)

 

Familie Tragödie

 

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