Wie   Bitte beachten Sie, wie oft in einem Gedicht „wie" vorkommt. Wie, oder wie wenn, oder es ist, als ob, das sind Hilfskonstruktionen, meistens Leerlauf. Mein Lied rollt wie Sonnengold - Die Sonne liegt auf dem Kupferdach wie Bronzegeschmeid -Mein Lied zittert wie gebändigte Flut - Wie eine Blume in stiller Nacht - Bleich wie Seide - Die Liebe blüht wie eine Lilie -. Dies Wie ist immer ein Bruch in der Vision, es holt heran, es vergleicht, es ist keine primäre Setzung. Aber auch hier muß ich einfügen, es gibt großartige Gedichte mit WIE. Rilke war ein großer WIE-Dichter. In einem seiner schönsten Gedichte „Archaischer Torso Apollos" steht in vier Strophen dreimal WIE, und zwar sogar recht banale „Wies": wie ein Kandelaber, wie Raubtierfelle, wie ein Stern - und in seinem Gedicht „Blaue Hortensie" finden wir in vier Strophen viermal WIE: Darunter: wie in einer Kinderschürze - wie in alten blauen Briefpapieren - nun gut, Rilke konnte das, aber als Grundsatz können Sie sich daran halten, daß ein WIE immer ein Einbruch des Erzählerischen, Feuilletonistischen in die Lyrik ist, ein Nachlassen der sprachlichen Spannung, eine Schwäche der schöpferischen Transformatton.  - Gottfried Benn, Probleme der Lyrik (1951), in: G.B., Essays, Reden, Vorträge. Wiesbaden 1965
 

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