{?}ettlauf  Der Wettlauf zwischen Betrügern und Entlarvern war eine entscheidende Triebfeder für die Entwicklung von Sprache, Geist und Kultur. - (som)

Wettlauf (2)  «Wettrennen zwischen Nähmaschine und Schreibmaschine».

- An der Nähmaschine: Böff, Weltchampion im Ausstopfen von Zeugungs- und Bildungslöchern /

- An der Schreibmaschine: Walt Merin, Federgewicht; das ungefähr so verlief:

Böff: «Schnurre, schnurre - basselurre» [H. C. Andersen]! Walt: Tacktacktack! Bumsti! Ping, ping!

Böff: [Solo auf der Okarina] - Tülitetüt; Lüttitü! O, sole mio! Old man's river; Mississippi -Walt: ... et Rataplan, rataplanl Böff: Wille, wille - Wau, wau! Walt: [beiseite] - von Wolfgang Goethe! Böff und Walt: [unisono] : Eiapopeia! Tandaradei! Hipp, hipp Dada ... Dada-capo!»

Auf jeden Fall wurde die Matinee ein so triumphaler Skandal, daß wir sie wiederholten; unter solchem Zudrang Entrüstungslüsterner, daß die Polizei den Bürgersteig gegen die Einlaßbegehrenden absperren mußte.

Mir war die Rolle übertragen worden, etwas zu rezitieren, irgendetwas! was? das war gänzlich Dada. Denn darauf habe ich mich stets vortrefflich verstanden; schon als Gymnasiast, wenn ich zu vaterländischen Feiern in der Aula des Kgl. Wilhelmgymnasiums einen x-beliebigen Lesebuchklassiker mit einem Schwung aufsagte, daß unserem «Direx» die Augen feucht wurden. - Und hatte für die Dada-Andacht Goethes «Wanderers Sturmlied» gewählt; ohne Nennung des Verfassers - und in einer sehr eigenwilligen Skandierung, die dem Ganzen eine dadaistische Note gab, und vom Publikum mit geteilter Beurteilung aufgenommen wurde; solange, bis auf ein vereinbartes Stichwort hin, die Horde der Dadaisten aufs Podium heraufgestürzt kam und «Schluß»! brüllte. - «Schluß mit dem Quatsch!» brüllte sie; und «Walt!» knurrte Böff mit eingeklemmtem Monokel, - «Walt, du wirst doch nicht äh - - Perlen vor - äh - diese Saubande werfen!» Und «Schluß»! brüllte der Dadachor simultan: «Raus mit Euch! - Meine Damen und Herren, Sie werden höflichst ersucht, Euch zum Teufel ... Wenn Ihr Euch amüsieren wollt, geht doch in die Amorsäle - oder Hülsenbeck zu einem Momas Thann-Vortrag!» - und schritten Arm in Arm, in einer Kette vom Podium hinab, zur Attacke gegen das tobende Parkett aus.  - Walter Mehring, Berlin Dada. Zürich 1959

Wettlauf (3)

- Roland Topor

Wettlauf (4)  Der Ausgang unseres Unternehmens hing an einem Haar über dem Abgrund der Wasser, die ihre Toten nicht vor dem Jüngsten Tage herausgeben. Es war ein Wettrennen, das zwei Schiffsboote mit dem Tod um den Preis von neun Menschenleben austrugen, und der Tod hatte einen großen Vorsprung. Wir sahen von weitem die Mannschaft der Brigg an den Pumpen arbeiten - sie pumpte noch auf diesem Wrack, das schon so weit abgesackt war, daß die sanfte Dünung, über die unsere Boote, ohne Fahrt zu verlieren, leicht hinwegglitten, fast schon Relingshöhe erreicht hatte und nach den Enden des gebrochenen Vorgeschirrs griff, das in Fetzen unter dem kahlen Bugspriet hin und her schwang. Wir hätten uns wahrhaftig keinen besseren Tag für unsere Wettfahrt aussuchen können, selbst wenn wir freie Wahl unter allen Tagen gehabt hätten, die je über einsame, mit dem Tode ringende Schiffe heraufgedämmert sind, seitdem die Wikinger zum erstenmal gegen den Ansturm der Atlantikseen westwärts steuerten. Es war ein sehr gutes Rennen. Im Endkampf lagen die beiden Boote keine Riemenlänge auseinander, und der Tod kam, wenn nicht aller Anschein trog, als guter Dritter auf der nächsten Dünungswelle ein. Die Speigatten der Brigg gurgelten leise im Chor, wenn das Wasser an den Bordwänden hochleckte und träge mit leisem Rauschen wieder ablief, als umspielte es einen unbeweglichen Felsen. Das Schanzkleid war der Länge nach weggeschlagen, wir konnten das kahle Deck so niedrig wie ein Floß über dem Wasser daliegen sehen, vollkommen leergefegt von seinen Booten, Spieren, seinen Deckshäusern, leergefegt von allem außer den Augbolzen und den Pumpenaufsätzen. Ich warf einen flüchtigen Blick auf dieses traurige Bild, während ich alle Muskeln anspannte, um an meiner Brust den letzten Mann aufzufangen, der die Brigg verließ. Es war der Kapitän, der sich buchstäblich in meine Arme fallen ließ. Es war eine unheimlich stille Rettung gewesen - eine Rettung ohne einen Eaut, ohne ein einziges gesprochenes Wort, ohne eine Geste oder ein Zeichen, ja sogar ohne einen bewußten Blickwechsel. Bis zum allerletzten Augenblick blieben sie an Bord an den Pumpen, die zwei Ströme klaren Wassers über die nackten Füße der Leute ergossen. Durch die Risse ihrer Hemden war ihre braune Haut zu sehen, und die beiden kleinen Bündel halbnackter, zerlumpter Männer verbeugten sich in ihrer aufzehrenden Arbeit tief voreinander, immer auf und ab, ganz ihrer Arbeit hingegeben, so daß sie keine Zeit hatten, auch nur mit einem kurzen Blick über die Schulter nach der Hilfe zu sehen, die ihnen nahte. Als wir unbeachtet längsseits der Brigg schoren, brüllte eine heisere Stimme einen einzigen Befehl, worauf die Männer stumpf aus roten Augenlidern flüchtig aufblickten. Dann stürzten sie schwankend und gegen einanderstoßend von den Pumpen fort und ließen sich, so wie sie dastanden, ohne Mützen, graues Salz in den Runzeln und Falten ihrer hageren, bärtigen Gesichter, gerade auf unsere Köpfe fallen. Das Getöse, mit dem sie in unsere Boote stürzten, hatte eine merkwürdig vernichtende Wirkung auf jenes Wahnbild tragischer Würde, mit dem unsere Selbstachtung die Kämpfe der Menschheit mit der See verklärt. An diesem ausgesucht herrlichen Tage sanft atmenden Friedens und leicht verschleierten Sonnenlichts erlosch meine romantische Liebe zu dem, was in der menschlichen Vorstellung zum erhabensten Teil der Natur gehört.  

Die schamlose Gleichgültigkeit der See gegen menschliches Leid und menschliche Tapferkeit offenbarte sich in dieser lächerlichen, panikerfüllten Szene, zu der sie neun tüchtige und ehrenwerte Seeleute in grauenhafter, äußerster Not getrieben hatte, und das empörte mich. Ich erkannte, daß die See selbst in ihrer zärtlichsten Stimmung nicht ohne Falsch ist. Sie war nun einmal so, weil sie sich nicht ändern konnte, aber meine scheue Ehrfucht von einst war dahin. Ich war jetzt so weit, daß ich über ihre bezaubernde Anmut bitter lächeln und mit einem starren Blick boshaft ihren Rasereien zusehen konnte. In diesem Augenblick bevor wir ablegten, überblickte ich leidenschaftslos das Leben meiner Wahl. Seine Illusionen waren verschwunden, aber sein Reiz blieb. Ich war endlich Seemann geworden.  - (con)

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