Wetterhexe  »Ich weiß sehr gut, daß dies dein Werk ist, Teufelsweib! Dein Werk, daß du verrecken mögest! Sowohl den Schneesturm als auch daß es die Post im Kreise treibt, das hast alles du angestellt! Nur du!«

»Spinnst wohl, Dummer...«, bemerkte die Küstersfrau seclenruhig.

»Das habe ich dir schon lange angemerkt! Gleich, wie wir geheiratet haben, am ersten Tag schon sah ich, daß Hündinnenblut in dir fließt!«

»Pfui doch!« Raissa schien sich zu wundern, zuckte die Achseln und bekreuzigte sich. »Solltest dich dabei bekreuzigen, Blödian!«

»Hexe, eine richtige Hexe«, fuhr Sawelij mit dumpfer und weinerlicher Stimme fort, wobei er sich hastig in einen Hemdzipfel schneuzte. »Wenn du auch meine Frau bist und obgleich du geistlichen Standes bist, so will ich sogar in der Beichte von dir aussagen, was du für eine bist... Wie denn nicht? Tritt für mich ein, Herr, und erbarme dich mein! Voriges Jahr am Tag des Propheten Daniel und der drei Jünglinge gab es Schnecsturm, und - wie war das; - ein Meister fuhr her, sich zu wärmen. Und hierauf, am Tag des heiligen Alcxej, des Mannes Gottes, da brach im Fluß das Eis, und es trieb den Wachtmeister her ... Der Verwünschte hat hier die ganze Nacht mit dir geplappert, und wie er dann am Morgen nach draußen ging und wie ich ihn dabei anschaute, da hatte er Bange unter den Augen, und seine Backen waren ihm richtig eingefallen. Wie? Und während der Augustfasten gab es zweimal Gewitter, und beide Male kam der Jäger her, zu übernachten. Ich habe alles gesehen, daß er verrecken möge! Alles! Oh, röter wie ein Krebs bist du geworden! Aha!«

»Nichts hast du gesehen ...«

»Doch, doch! Und in diesem Winter vor Weihnachten, am Tage der zehn Märtyrer auf Kreta, als der Schneesturm Tag und Nacht herumfuhr ... Erinnerst du dich? Der Schreiber des Adelsmarschalls kam vom Weg ab und geriet hierher, der Hund ... Und worauf warst du da scharf! Pfui, nichts als ein Schreiber! Das war der Mühe wert, wegen so was das Wetter Gottes umzurühren! Der Satansbraten, die Triefnase, knapp höher als der Fußboden, die ganze Fressse voll Finnen und einen schiefen Hals... Wenn's noch ein hübscher Kerl gewesen wäre, so jedoch ... O pfui! Ein rechter Satan!«

Der Küster schöpfte Atem, wischte sich die Lippen und horchte. Das Glöckchen war nicht mehr zur hören, der Wind jedoch stob über das Dach, und in der Dunkelheit hinter dem Fenster begann, es aufs neue zu scheppern.

»Und jetzt wieder! «fuhr Sawelij fort. »Es wird schon seinen Grund haben, warum die Post im Kreise fahrt! Kannst mir ruhig in die Augen spucken, wenn nicht du es bist, die von der Post gesucht wird. Oh, der Teufel versteht seine Sache, ist ein guter Gehilfe! Der führt sie in die Irre, führt sie rund herum und bringt sie schließlich her. Wei-eiß schon! Se-he es schon! Kannst es nicht verbergen, du Teufelsgehänge, du abgöttische Wollust! Wie der Schneesturm begann, habe ich sogleich deine Absichten erraten.«

»So ein Blödian!« Die Küstersfrau brach in ein Gelächter aus. »Meinst also mit deinem blöden Verstand, daß ich das Unwetter mache?«

»Hm ... Spotte nur! Du oder nicht du, das eine hingegen merke ich gut: wann immer das Blut in dir zu spielen beginnt, gibt's ein Unwetter, und sobald es ein Unwetter gibt, dann trägt es immer irgendeinen Besessenen her. Jedesmal geht es so! Also dürftest du es sein!«

Zur größeren Inständigkeit legte hierbei der Küster den Finger an die Stirn, preßte das linke Auge zu und sprach mit singendem Tonfall:

»O Unsinnigkeit! O Verdammnis des Judas! Denn wenn. du in der Tat ein Mensch und keine Hexe sein solltest, würdest du dir zuvor wohl überlegt haben: wie, wenn es gar kein. Meister, kein Jäger, kein Schreiber gewesen wäre, sondern der unsaubere Geist in deren Gestalt! Wie? Hättest darüber schon nachdenken können!«   - Anton Tschechow, Die Hexe. Nach (tsch)

 

Hexe Wetterzaunber

 

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