Wanze   Es war einmal eine Wanze, die mit verstopften Nasenlöchern herumging, weil sie ihren eigenen Gestank nicht ertrug. Wanzen stinken bekanntlich von Natur aus, aber diese Bedauernswerte konnte sich nicht damit abfinden. Sie schämte sich wegen ihres Gestanks und ging niemals alleine aus, weil sie hoffte, alle würden ihren Kameradinnen den Gestank zuschreiben. Als diese das merkten, waren sie äußerst gekränkt und wollten nichts mehr mit ihr zu tun haben. So kam es, daß die Wanze sich plötzlich allein und verlassen sah.

Die arme Wanze wusch sich mit Wasser und Seife, aber der Gestank verschwand nicht, denn es war ein natürlicher Gestank. Sie parfümierte sich, aber der Gestank war stärker als jedes Parfum. Da ging sie zu einem Stinktier und borgte sich ein wenig von seinem Gestank. Da sagten alle, wie seltsam, eine Wanze, die wie ein Stinktier stinkt! Auch ihre Freundinnen, die sie verlassen hatten, sagten, wie seltsam!

Wie seltsam, wie seltsam - doch unterdessen war die Wanze glücklich und zufrieden und ging aus ohne sich zu schämen und ohne sich die Nase zu verstopfen. - (ma2)

Wanze (2) Breitschultrig und breitbrüstig (aber wie gesagt platt) und mit abgerundetem Hinterleib kommen die meisten Heteroptera (Verschiedenflügler) daher, ihre Flügel sind verkümmert, ihr Kopf ist klein, sie scheuen das Licht, aber sie können siebzig Meter in der Stunde zurücklegen, gern lassen sie sich von oben auf ihre Opfer herunterfallen, und dann arbeiten ihre Mundwerkzeuge mit großer Effizienz: Zuerst senken sich zwei Stacheln mit Widerhaken in das fremde, saftige Fleisch (von Vögeln, Hunden, Katzen oder Menschen), dann folgt ein Röhrchen, mit dem sie eine ätzende Flüssigkeit absondern oder das Blut des Opfers hochsaugen können. Wanzen beißen mehrfach hintereinander, die zurückgelassenen Wunden jucken ungemein stark. - (schen)

Wanze (3) Nimm ein viertel Pfund Quecksilbers und ein halbes Pfund Schmierseifen, reibs in einem verglasten Geschirre wohl untereinander, bis das Quecksilber gänzlich ertötet und man dessen kein Tröpfgen mehr siehet, so gewöhnlich einen halben Tag Zeit braucht. Alsdann säubere den Ort, da die Wanzen sich aufhalten, mit einem alten Messer aus, daß alles Geschmeiß wohl abgeschabet wird, und beschmiere ihn allenthalben mit dieser Salbe, so kommen sie in 8 Jahren nicht wieder.

Oder:

Schmiere den Ort mit dem Safte von faulen Zitronen.

Oder:

Nimm 4 oder 5 Rindsgallen, tue sie in einen reinen Topf, schneide darein 2 große Knoblauchhäupter, zerstoße darzu 3 Lot Schwefels, geuß darein 3 Lot Baumöls und 1 Schoppen oder Nößel scharfen Essiges und laß es zusammen eine gute Weile sieden. Hiermit also warm den Ort mit Federn bestrichen, etliche Mal nacheinander und, so es erkaltet, wieder warm gemacht. Sie krepieren und verlieren sich ganz.  - (zauber)

Wanze (4) Ein Mann träumte, er finde in seinem Chiton viele große Wanzen, ekele sich davor, bringe es aber beim besten Willen nicht fertig, sie abzuschütteln. Tags darauf kam ihm zu Ohren, daß sein Weib Ehebruch treibe; er war empört darüber, doch konnte er sich aus irgendeinem Hinderungsgrund nicht von ihr lossagen. Der Chiton bedeutete sein ihn umschlingendes Weib, die Wanzen die Schande. Weil er aber das Ungeziefer nicht beseitigen konnte, gelang es ihm auch beim besten Willen nicht, sich von seinem Weib zu trennen.  - (art)

Wanze (5)  Wanzen zeigen Mißstimmungen und Sorgen an; denn ebenso wie Sorgen verursachen sie schlaflose Nächte.

Außerdem rufen sie Unannehmlichkeiten und Unzufriedenheit mit Familienangehörigen, meistenteils mit Frauen, hervor.

Stechmücken, die sogenannten Schnaken und ähnliche Insekten bedeuten, daß üble Kerle dem Träumenden ins Haus kommen, die ihn schädigen und obendrein noch in Verruf bringen. Schankwirten und Weinhändlern prophezeien sie, daß der Wein in Essig übergehen wird; sie -lieben nämlich den Essig.  - (art)

  Insekt Schmarotzer Stinktier
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