Wandel, sozialer   Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, als hier die ganzen geilen Schleimsäcke, Arsch an Nabel, wie die Ölsardinen aufgereiht standen und darauf warteten, durch den Gucker einen Blick auf die Sex Show werfen zu können. Das war damals eine ganz große Sache. Das Gewagteste überhaupt. Ständig mußte die Sitte irgendwelche Typen wegen Masturbierens einsacken. An der Wand vor dem Gucker waren überall Flecken zu sehen. Inzwischen kann man hier in jeder Bar und in jedem Kino Live Sex Shows und Tiernummern sehen, wobei letztere keineswegs von Walt Disney stammen. Frauen und Hunde, Dandys und Esel, Peitschen und Schwule, Hühner und Enten - alles, was man sich nur vorstellen kann. Und manchmal fällt es echt schwer zu sagen, wer oder was mit wem was anstellt.

Dabei mußte ich auch an den Foto Club denken, der direkt neben der Arkade aufgemacht hatte, als Nacktheit noch etwas ganz Besonderes gewesen war. Die Mitgliedschaft kostete fünfzehn Dollar, und dann mußte man für jede Sitzung noch einmal extra fünf Scheine auf den Tisch blättern. Man konnte so viele Aufnahmen von einem nackten Mädchen machen, wie man wollte, solange man ihr nicht näher als einen halben Meter kam und sie nicht anfaßte. Natürlich hatten die meisten dieser >Fotografen< nicht einmal Filme in ihren Kameras, und da sich die Geschäftsleitung dessen durchaus bewußt war, machte sie sich nicht einmal die Mühe, richtige Fotolampen aufzustellen. Offensichtlich beschwerte sich darüber auch niemand. Damals war das alles noch so unschuldig gewesen.  - Joseph Wambaugh, Der müde Bulle. München 1990

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