Währungssspekulation    Der Handel zwischen Arabien und Schwarzafrika sei viel weniger streng überwacht und biete Gelegenheit zu einträglichen Geschäften. Vor allem der Handel mit Kauris: Diese Muscheln dienen, wie man weiß, auch heute noch zahlreichen afrikanischen und indischen Stämmen als Zahlungsmittel. Was man aber nicht weiß, und da ist das große Geld zu verdienen, ist die Tatsache, dass es verschiedene Arten von Kauris gibt, die sich je nach Stamm verschiedener Wertschätzung erfreuen. So stehen etwa die Kauris vom Roten Meer (Cyproea turdus} auf den Komoren sehr hoch im Kurs, wo sie sich leicht gegen indische Kauris eintauschen lassen (Cyproea caput serpentis) und zwar zu einem ganz und gar günstigen Kurs von fünfzehn caput serpentis für einen turdus. Und nicht weit davon entfernt, in Daressalam, ist der Kurs der caput serpentis ständig am Steigen, und es ist nicht selten, dass man Transaktionen auf der Grundlage von einer caput serpentis für drei Cyproea moneta erleben kann. Diese dritte Gattung der Kauris wird gemeinhin die Geld-Kauri genannt: Das heißt, dass sie fast überall absetzbar ist; aber in Westafrika, vor allem in Kamerun und in Gabun, wird sie derart geschätzt, dass manche Stämme so weit gehen, sie mit Gold aufzuwiegen. Man konnte also damit rechnen, alle Unkosten einbegriffen, seinen Einsatz zu verzehnfachen. Das Unternehmen war völlig risikolos, es erforderte nur Zeit. Rorschach, der nicht das Zeug zu einem großen Weltreisenden in sich spürte, hatte keine allzu große Lust, doch die Sicherheit des Kaufmanns beeindruckte ihn so sehr, dass er das Angebot, sein Teilhaber zu werden, welches er ihm bei der Landung machte, ohne zu zögern annahm.

Die Transaktionen verliefen genau so, wie der Kaufmann dies vorhergesehen hatte. In Aden tauschten sie ihre Bestände an Kupferwaren und Nähmaschinen ohne Schwierigkeiten gegen vierzig Kisten Cyproea turdus ein. Sie brachen von den Komoren mit achthundert Kisten caput serpentis auf, wobei die Beschaffung des Holzes für die besagten Kisten das einzige Problem war, das sie gehabt hatten. In Daressalam mieteten sie eine Karawane von zweihundertfünfzig Kamelen, um Tanganjika mit ihren eintausendneunhundertvierzig Kisten Geld-Kauris zu durchqueren, erreichten-den großen Fluss Kongo und fuhren ihn in vierhun-dertfünfundsiebzig Tagen fast bis zur Mündung hinunter, davon zwei-hunderteinundzwanzig Tage Schifffahrt, hundertsiebenunddreißig Tage Zwischenverladung auf dem Schienenweg, vierundzwanzig Tage Zwischenverladung auf Menschenrücken und dreiundneunzig Tage Warten, Ruhe, erzwungene Untätigkeit, Palaver, Konflikte mit den Behörden, verschiedene Zwischenfälle und Unannehmlichkeiten, wobei das Ganze übrigens eine bemerkenswerte Leistung darstellte.

Es war etwas mehr als zweieinhalb Jahre her, seit sie in Aden gelandet waren. Was sie nicht wussten - und wie um Gotteswillen hätten sie es auch wissen können! -, ist die Tatsache, dass zum gleichen Zeitpunkt, als sie in Arabien ankamen, ein anderer Franzose namens Schlendrian Kamerun verließ, nachdem er es mit Geld-Kauris aus Sansibar überschwemmt und damit in West- und Mittelafrika eine nicht wieder rückgängig zu machende Entwertung verursacht hatte. Die Kauris von Rorschach und seinem Teilhaber waren nicht nur nicht mehr absetzbar, sondern sie waren gefährlich geworden: Die französischen Kolonialbehörden fanden zu Recht, dass das Auf-den-Markt-Werfen von siebenhundert Millionen Muscheln - mehr als dreißig Prozent der gesamten als Kaufmünze in ganz Französisch-Westafrika dienenden Kauris-Menge - eine beispiellose Wirtschaftskatastrophe auslösen würde (allein schon das Gerücht, das darüber umging, verursachte Störungen bei der Notierung der Kolonialwaren, Störungen, in denen gewisse Wirtschaftsexperten heute übereinstimmend eine der Hauptursachen für den Börsenkrach von Wall Street sehen): Die Kauris wurden also beschlagnahmt.  - (per)

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