erkörperung  Sophia war eine Frau von etwa dreißig Jahren, klein gewachsen, mit üppigem Haar, Augen schwarz wie Hagebutten. Über dem durchsichtigen hellen Mantel trug sie viele bunte, seidene Schals, die zweifelsohne in Indien gekauft waren. Simons Schüler sprachen über sie als Verkörperung der Weisheit und einer reifen, weiblichen Schönheit, die christlichen Pilger aber verbreiteten über sie die verschiedensten Nachrichten: sie sei eine Kokotte, eine Hure, eine Brünstige, eine Verführerin und eine Schwindlerin, die die Gnade ihres Scharlatans und Begleiters direkt in einem Bordell in Syrien erworben habe. Simon leugnete das nicht. Ihr früheres Schicksal als Sklavin und Kebse diente ihm sogar als augenscheinliches Beispiel, als Bild für und Belehrung über Jehovas Härte und Roheit auf dieser Welt. Denn dieser gefallene Engel, dieses verirrte Lamm, so behauptete er, sei nur ein Opfer der Grobheit Gottes, eine reine Seele, gefangen in menschlicher Fleischlichkeit. Ihre Seele wanderte durch all die Jahrhunderte aus einem Gefäß in ein anderes, aus einem Körper in einen anderen, aus einem Schein in einen anderen. Sie war Loths Tochter und sie war Rachel, sie war auch die schöne Helena. (Griechen und Barbaren bewunderten also nur einen Schein und verbluteten wegen eines Phantoms!) Ihre letzte Verkörperung war nun gerade diese Prostituierte aus einem syrischen Freudenhaus gewesen. - (kis)
 
 

Wiedergeburt Körper

 

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