erabredung   Zwischen Walfisch und Schiff spielt sich ein erbitterter Kampf ab. Agilulf steht dabei seinen Mann und bohrt seine Lanze in die Flanke des Ungetüms: ein ekelerregender Strahl von Lebertran ergießt sich über ihn. Gurdulù springt auf den Wal und vergißt darüber das Schiff. Ein mächtiger Schwanzhieb des Tieres bringt das Fahrzeug zum Kentern. Agilulf, in seiner eisernen Rüstung, muß zwangsläufig in den Fluten versinken. Bevor er völlig von den Wogen verschlungen wird, schreit er seinem Schildknappen zu: »Wir treffen uns in Marokko! Ich gehe zu Fuß!«

Tatsächlich, nachdem er meilentief gesunken war, kam Agilulf auf dem sandigen Meeresgrund zu stehen und begann, rüstig fürbaß zu schreiten. Des öfteren stieß er auf Meeresungeheuer und wehrte sich mit seiner Klinge. Jedermann weiß, worin der einzige Nachteil für eine Rüstung auf dem Meeresgrund besteht: Sie rostet! Da aber die weiße Rüstung von oben bis unten mit Lebertran begossen worden war, deckte sie nun eine schützende Fettschicht.

Auf dem Ozean zeichne ich jetzt eine Schildkröte. Gurdulù hatte einen Liter Salzwasser geschluckt, ehe er begriff, daß nicht das Meer in ihm, sondern er im Meer zu bleiben hatte. Schließlich klammerte er sich am Panzer einer dicken Meerschildkröte fest. Teils ließ er sich von ihr tragen, teils suchte er sie durch Kraulen und Zwicken zu lenken und näherte sich so der afrikanischen Küste. Dort verfing er sich in einem Netz, das sarazenische Fischer ausgeworfen hatten.

Als sie die Netze an Bord zogen, entdeckten sie auf einmal inmitten der Schwärme zappelnder Seebarben einen mit Algen überzogenen Mann in schimmeligen Kleidern.

»Ein Fischmensch! Ein Fischmensch!« schrien sie.

»Ach was, Fischmensch! Das ist doch Gudi-Ussuf!« erklärte der Älteste der Fischer. »Ja, es ist Gudi-Ussuf, ich kenne ihn doch.«

Gudi-Ussuf war einer der Namen, die man im Umkreis der mohammedanischen Küchen Gurdulù gegeben hatte, wenn er, ohne es gewahr zu werden, die Linien überschritten hatte und sich auf einmal im Lager des Sultans befand. Der alte Fischer war in spanischen Landen Soldat des maurischen Heeres gewesen. Da ihm Gurdulùs robuste Natur und willfährige Sinnesart bekannt waren, nahm er ihn zu sich, um ihn zum Austernfischer auszubilden.

Eines Tages saßen die Fischer auf den Klippen der marokkanischen Küste, Gurdulü mitten unter ihnen; sie waren gerade damit beschäftigt, die frischen Austern zu öffnen, als aus dem Wasser auf einmal ein Federbusch, ein Helm, dann ein Harnisch, kurzum eine vollständige Ritterrüstung emportauchte, die weiterwanderte und Schritt für Schritt dem Ufer zustrebte.

»Der Hummermensch! Der Hummermensch!« kreischten die Fischer und liefen voller Angst davon, um sich hinter den Felsen zu verstecken.

»Ach was, Hummermensch!« sagte Gurdulù. »Das ist doch mein Herr! Gewiß seid Ihr völlig erschöpft, mein Ritter

»Ich bin überhaupt nicht müde«, erwiderte Agilulf. »Und was machst du hier?«  - (ritt)

Verabredung  (2)  Aus dem Händi die akustischen Insektenstiche —, —, : in die junge Frau fährt zuckend Bewegung: Das Rückgrat wie l abgeschnellten Bogen grad aufgerichtet, die Beine gestrafft, über die Gesichtshaut l Schimmern, als hätt man im Keller das Licht angeschaltet -. Doch sie beherrscht sich rasch, nimmt den Anruf noch nicht entgegen, sondern wartet noch zwei weitere Serien des Läutesignals ab. Dann, mit alle übrigen Fahrgäste-im-Wagen ignorierender=überlauter Stimme als wolle sie eine Person am Wagenende erreichen, meldet sich die junge Frau.

FRAU: -?!Jä. Jaa hier is die Schackeline. A-ach!dubistas. Ich dachte schon, du meldest dich ganichmehr. Gestern war bei dir nur dein An-rufbe —: ?Wie. Inner Esbahn. Ja. Könnt nich länger mehr wartn zu-hause. Muß jetz auf-Arweit. Habich dir doch gesaakt: Inner Bar in Schalottenburg. !Nee. (lacht) -Nich als Isowas. Ich steh hinterm Tre-esn. Bar Dame. Ja. Kommptschonnma vor. Von !mir wollnse alle Was. Klaro: Mitte Bar Dame müssn sich schließlich alle gutschtelln. Jooo: Manschmas Einer schonn gans=nett. Aba da schiebt sich bei mir nischt zusamm: Dienztisdienzt & Schnapps is — Meistenz ahmtz. Na Amtach isja kaum Kundschafft. Ja. Klaro kannzte vorbei=komm. Fraach nur nacher Schackeline. Denn gehtet klah. !Yupp. War aba schöner wenn wir uns vorher mal. TrefFm. Ja. Wie ich ?ausseh. (lacht)

Die junge Frau beschreibt nun ihren Körper, in Abhängigkeit der als Attraktion empfundenen Merkmale ansteigend geordnet; sie schaut dabei begutachtend an sich hinab. Ihre Lippen verformen sich, als läse sie, zunächst still für=sich, von überall an ihrem Leib verteilten kleinen Zetteln sorgsam die Preisziffern ab, in jener Manier von Schnäppchen- Jägern: selbstzufrieden & kleinlich, & dadurch jeglichen Genuß im-vorab verderbend.— Zu solch kurzer Selbstbeschau zerrt die Frau ihre einst mit Lack vergoldete, jetzt an vielen Stellen abgewetzte, brüchige Kunstlederumhängtasche wie einen Karabiner zurecht.

FRAU: -All-so: Ich hab langesglattes Haar, Henna -: sis awa lacht: Ja — rothaarige Fraun hamm nehmlich imma n Geh-!Heimniss —, (lacht meckernd) —Nähä: !Däs müssn Männer immer selwer rauskrieng —:äh, ich meine. (Räuspert) -Also: Ich bin einssiepzich groß, schlank, und ich hab nen knackign Aasch. N KNACKIGN AASCH. -Ja. Samma höastu nich - A — hastn Hörstuartz gehabt — is daswas Anschtecken — Gutt. Ichmeine —

Trotz augenscheinlicher Sauberkeit - die etwas zu drallen Schenkel in fleckenlos heller Hose, die dunkelblaue Bundjacke ist etwas zu knapp, der Stoff drückt aus der Hüfte Wülste & zwängt die großen Brüste l, das glatt ihr Gesicht umrahmende, hennagefärbte Haar (:am Mittelscheitelansatz über der Kopfhaut schimmert die ursprünglich dunkelblonde Haarfarbe hindurch), auch kommen von ihrem Körper keine unangenehmen Gerüche — ruft die Erscheinung der jungen   Frau dennoch den Eindruck hervor, als trüge sie ihre Unterwäsche zu lange -.

FRAU: -Jau. Gutt. Unt?wo. (lacht) -Am !Ah lecks. O - O kej: Dawo gansfrüha Tsitti-Musick drinwah unjetz Kamineküchnlicht Anne Ecke, jj-!Jau. Unt: Untwie Perkennich dich. Nän !?Tschocking-anzuch. Hellbeesch. Untne ?hohe-Schtiarn -: Samma: Du hast inne Annonkse gahnich geschriem wie ?altu einklich -, ? - :A-!hh, oldass aba —. Najä: Mann isso alt wie Mann sich — (lacht) — —ich meine natürch: Mann ist so Ijunk wie - ?Wie. ?Ich: Vierunnzwanzich. Wennich Genuggeld inne Bah vadient hab, denn machich meinn Berufsabschluß. Gaststättngewerbe. Klah. Kennichmichdochambestnmitt   aus. Habmich hierunda schoma büschn umgesehn. Isjan Vochteil wemma flecksie - Nee. Keine eigene. Noch nich. Is jetznoch zu  teuer für mich. Ich wohne noch bei meine Oma. Die is schwerhörich = unda kannich sowieso mitbring wen ich will. Sonntach. Um dreie. Anne Ecke. Dawo gansfrüha Tsitti-Musick drinwah unjetz Kamineküchnlicht Yupp. Ich hab n dunkeln Bläser an, Hellehoosn & hab ne Igoldene Umhängtasche umm. Ja Gold & Ächtleder. ITotschick. / Grußlos, ohne Abschiedsfloskel, ist das Gespräch beendet.

Die Frau nimmt ihre vorige Haltung wieder ein; nochmal l Schnief hochziehend —, ihre Haltung jetzt in gespannter Geringschätzung/abfälliger Angespanntheit — :die Grundgefühl-Mix-Tour von Großstädtern.

Das Händi im Schoß, den Kopf leicht nach vorn geneigt, so scheint die junge Frau lauschend, ?worauf: Immer auf den nächsten Anrufer. —  - (jir)

Verabredung  (3)  Zwei Herren verabreden sich, schicken aber jeder außerdem einen Freund zu einer bestimmten Stelle. Diese Freunde der Freunde treten zur rechten Stunde am festgesetzten Ort ebenfalls aufeinander zu, streifen die Handschuhe ab, begrüßen die Zusammenkunft. Gleich danach machen sie ein neues Treffen an anderer Stelle aus, entfernen sich gleich in entgegengesetzte Richtungen, suchen Freunde auf und schicken diese auch zu bestimmten Orten, wo diese sich begrüßen, wiederum verabreden, entfernen, Freunde aufsuchen, die sie zu einer Stelle schicken, die sie sich ausgedacht haben. Schon diese beiden werden auf ihren getrennten Wegen hier und dort Herren in der Stadt stehen sehen, die sich die Hände schütteln, verabreden, voneinander wenden, bald kennen sich viele Herren, die Stadt ist in Bewegung, ein Fremder, der sie durchfährt, sagt: »Es ist eine freundliche Stadt.«  - Reinhard Lettau, Auftritt Manigs (mit: Schwierigkeiten beim Häuserbauen). Berlin u.a. 1982
 
 

Geselligkeit

 

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Synonyme