raumbuch  Träumte dir, dieses traumbuch würde zu einem riesigen, bemoosten findlingsblock im walde von Broceliande, darüber Tristram und Isot stolperten, darüber sie aufwachten aus ihrer aberwitzigen liebe, so schicke sie beide in die nächste lotterieeinnahmestelle mit der numero soixanteettrois, sie werden ein vermögen gewinnen und mit ihm in besagten wald, an besagte stelle des anrennens kommen. Also verwandle dich in ein weiß vögelein, leite sie hin vor die pfefferkuchen, locke sie in das häuslein, sei eine hexe, brate den Tristram, koche die Isot, und erwache schweißgebadet mit ihrem ganzen gewinn unterm kopfkissen. - (tra)

Traumbuch (2)  Sorgsam hielt Blunt in einer Ecke seiner Kiste eine ungewöhnlich aussehende Druckschrift mit einem roten Umschlag verborgen, der über und über mit astrologischen Zeichen und Ziffern bedeckt war und auf dem vermerkt stand, daß es sich hierbei um eine so vollständige und ausführliche Darstellung der Kunst des Wahrsagens handle, daß auch der einfältigste Seemann sie lernen könne.

Übrigens behauptete das Buch, das System zu enthalten, mit Hilfe dessen Napoleon Bonaparte vom Korporal zum Kaiser aufgestiegen sei. Deshalb nannte es sich das „Bonapartesche Traumbuch", denn der Zauber bestand in der Deutung von Träumen und der Anwendung auf die Voraussage künftiger Ereignisse, so daß man in der Lage war, alle vorbereitenden Maßnahmen zu treffen. Das war außerordentlich zweckmäßig und in jeder Weise erfreulich, wenn es zutraf. Die Probleme mußten in einer komplizierten und schwierigen Methode mit Ziffern gelöst werden. Das wurde allerdings durch eine Reihe von Tabellen erleichtert, die sich am Ende des Buches befanden und ungefähr so aussahen wie die Logarithmentafeln hinten in Bowditchs „Navigator".

Dieses „Bonapartesche Traumbuch" liebte, schätzte und verehrte Blunt sehr, und er war überzeugt, daß zwischen diesen roten Deckeln und seinen eigenen Träumen alle Geheimnisse der Zukunft enthalten waren. Jeden Morgen, ehe er seine Pillen schluckte und sein Haaröl anwandte, stahl er sich aus seiner Koje und holte, ehe die anderen erwachten, sein Buch und ein Stück Kreide heraus. Dann saß er rittlings auf seiner Kiste und kratzte sich seinen ölkopf, um sich seine flüchtigen Träume wieder ins Gedächtnis zurückzurufen. Dabei malte er Striche auf seinen Kistendeckel, als ob er seine tägliche Buchführung machte.

Obgleich er oft in Bestürzung und Verwirrung geriet über die kabbalistischen Figuren des Buches und das Kapitel mit den Richtlinien für Anfänger - denn er konnte überhaupt nur mühsam lesen -, so gelang es ihm doch, wenn er nicht unterbrochen wurde, zu einem befriedigenden Resultat zu kommen. So mußte er, da er im allgemeinen einen heiteren Gesichtsausdruck zur Schau trug, zweifellos der Meinung sein, es werde mit allen seinen zukünftigen Angelegenheiten aufs beste bestellt sein.

Aber einmal versetzte er uns alle mitten in der Nacht in Schrecken, als er, die Augen weit aufgerissen, aus seiner Koje auffuhr und mit heiserer Stimme schrie: „Jungs, Jungs! Macht die Bänke klar! Fix! Fix!"

„Was für Bänke?" knurrte Max. „Was ist denn los?"

„Die Bänke! Die Bänke!" kreischte Blunt, ohne auf ihn zu achten. „Schlagt die Wälder ab! Packt an, Jungs! Das Jüngste Gericht kommt!"

Aber im nächsten Augenblick kroch er still wieder in seine Koje und legte sich, leise vor sich hinmurmelnd, ruhig nieder. Er war aufgesprungen, ohne dabei aufzuwachen.  

Ich weiß nicht genau, was er mit seinen Bänken sagen wollte, bis ich kurz danach das Gespräch zweier Matrosen mit anhörte, die darüber disputierten, ob die Menschen am Jüngsten Tage wohl ständen oder saßen- Herman Melville, Redburn. Seine erste Reise. In: H. M., Redburn. Israel Potter. Sämtliche Erzählungen. München 1967 (zuerst 1849)

 

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