Trauerhaus  Die Kahlköpfe waren mit ihren Gedanken immer noch bei der schönen jungen Witwe. Als die Mittagspause um war, während der sie sich ins Kloster zurückbegeben hatten, um dort ihr frugales Mahl einzunehmen, traf es sich, daß einer von ihnen früher als die andern wieder im Trauerhaus anlangte. Zufällig befand sich der Raum, wo die Priester ihren liturgischen Dienst erledigten, unmittelbar neben der Schlafkammer der jungen Witwe. Es war nur eine dünne Holzwand dazwischen. Also der betreffende Priester war eben an einen Wasserkübel, der dicht unter dem Kammerfcnster stand, herangetreten, um sich die Hände zu waschen. Da vernahm er von nebenan ein verdächtiges Bibbern und Keuchen, Seufzen und Stöhnen, Ächzen und unterdrücktes Kreischen, kurz jene untrüglichen Begleitgeräuschc eines Beischlafs. Scheinbar die Hände waschend, rührte er sich nicht vom Fleck und lauschte. Und da drangen auch ganz deutlich abgerissene Worte, von einer weiblichen Stimme gestöhnt,  an sein Ohr wie:

»Ta ta! .. . Vorsicht, du tust mir weh! . .. Ach, sie werden gleich wiederkommen und uns hören ... laß mich!  rasch weg!. . .« Und dann eine männliche Stimme: »Keine Bange!. .. den  Ofendeckel auf, ich muß mir schnell noch eins abbrennen . . .«  - Kin Ping Meh oder Die abenteuerliche Geschichte von Hsi Men und seinen sechs Frauen. Frankfurt am Main 1970 (zuerst ca. 1610, Wang Schi Tschong zugeschr.)

Trauer Haus

Oberbegriffe
zurück 

.. im Thesaurus ...

weiter im Text 

Unterbegriffe

VB

 

Synonyme