Totenklage

Clarille auf den Tod ihrer Mutter

Ich hätte nicht vermeint, daß sie so bald verreckte,
Da ihr das Klebebier noch in der Gurgel steckte.
Was hilfts, das Leben ist wie meine Jungfernschaft:
Durch einen kleinen Stoß ist beides hingerafft.

Wer gibt mir künftig Geld, die Röcke zu verbrämen,
Wo soll ich Strumpf und Hemd, wo die Fontange nehmen?
Ach, Andres, lieber Herr, weil die Frau Mutter tot,
So gib mir einen Mann und hilf mir aus der Not!

- Christian Reuter, nach: Von der Eitelkeit der Welt. Barockgedichte. Hg. Herbert Heckmann. Berlin  1994

Totenklage (2) Ein paar Tage später, geschah es... Die alte Maria jammerte und schrie, und was sind alle Totenklagen der Welt gegenüber denen südländischer Frauen. Heidnische Verwünschungen, Schreie, Drohungen gegen die Heiligen, Bitten an die Muttergottes und das Jesuskind, die zu Zeugen angerufen werden, infernalisches, heiseres Stöhnen, Schluchzen und nicht enden wollende, an- und abschwellende Klagelieder, heiße Stoßgebete und verzagtes Gewimmer vereinen sich in ihrem Totenlamento. Dieser öffentliche Ausbruch des Schmerzes hat etwas sehr Theatralisches. Schon drangen ein paar Nachbarn und einige Bummler, Sonntagsspaziergänger und Jäger in den Hag. Die Raserei der alten Magd steigerte sich. Ich rannte wie ein Wiesel zum Gehöft an der Solfatara, um Pasquale zu holen.

»Pasquale! Pasquale! Komm, rasch! Du mußt sie ins Haus hinunterbringen, es ist schon alles voller Leute.« (cend)

Totenklage (3) Sir Ector Lärm im Chor der Kapelle von Freudenturm hörte und Licht sah, stieg er vom Pferd und ging in die Kapelle. Dort sah er Männer singen und weinen. Sie alle erkannten Sir Ector, doch er erkannte sie nicht. Da ging Sir Bors zu Sir Ector und sagte ihm, daß der Tote sein Bruder Sir Lanzelot sei. Darauf warf Sir Ector Schild, Schwert und Helm von sich, und als er Sir Lanzelot ins Gesicht schaute, fiel er ohnmächtig nieder. Als er wieder erwachte, klagte er so jammervoll um seinen Bruder, daß es keine Zunge beschreiben kann. Ach, Lanzelot, sagte er, du warst das Haupt aller christlichen Ritter, und ich sage getrost, da du nun hier liegst, daß du niemals von einem irdischen Ritter besiegt worden bist. Du warst der ritterlichste Mann, der je einen Schild trug. Deinen Freunden warst du der beste Freund, der je ein Pferd bestieg; und unter allen sündigen Männern warst du der treueste Liebende, der je ein Weib geliebt hat. Du warst der gütigste Mann, der je einen Schwertstreich führte, und der tapferste Krieger, der je im Kampfgetümmel unter Rittern focht. Du warst der sanftmütigste und liebenswürdigste Mann, der je in der Halle mit Damen speiste, und der unerbitterlichste Ritter gegen deinen Todfeind, der je die Lanze einlegte. - (artus)
 
 

Klage Tote

 

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