Tier, weibliches  Den Weibern hat die Natur an einen geheimen und innerlichen Teil ihres Leibes ein Tier, ein Glied gesetzt, das nicht beim Mann ist, darin sich unterweilen allerhand salzige, nitrose, boradialische, beizende, ätzendscharfe, prickelnde und bitterkitzelnde Säft erzeugen, durch deren Stich und schmerzhaft Krabbeln (zumal dies Glied voll Nerven und lebendiger Empfindung ist) ihr ganzer Leib erschüttert wird, all ihre Sinnen außer sich, all ihre Affecten in Verwirrung, und die Gedanken in Aufruhr geraten. Dergestalt daß, wenn die Natur ihnen nicht noch mit ein wenig Scham die Stirn besprengt hätt, ihr sie würdet wie rasend Nestellaufen sehen, abscheulicher als nimmermehr die Proetiden, Mimalloniden und die Bacchantischen Thyaden an ihrem Bacchanalienfest: weil dieses schreckliche Tier mit allen fürnehmsten Teilen ihres Leibes zusammenhangt, wie aus der Anatomie ersichtlich.

Tier nenn ich es sowohl nach akademischem, als peripatetischem Lehrbegriff. Denn wenn eigne Bewegung ein sicheres Merkmal jedes lebendigen Wesens ist, wie Aristoteles schreibt, und alles was sich von selbst beweget Tier heißt, so nennt es Plato mit gutem Fug ein Tier, weil er in ihm die eigenen Bewegungen der Suffocation, der Corrugation, Indignation und Präcipitation bemerket, und zwar so heftig, daß durch sie den Weibern oft jeder andre Sinn und Bewegung benommen wird, gleich als wie durch Synkope, Lipothymie, Epilepsie, Apoplexie und wahre Todes-Ähnlichkeit. Außerdem sehn wir in diesem Glied auch eine deutliche Unterscheidung der Gerüch und merken die Frauen, daß es die stinkenden flieht, die gewürzigen aufsucht. Zwar weiß ich wohl, daß sich Galen zu erweisen bemühet, als wären dies keine selbsteigne Bewegungen sondern durch Zufall, und daß auch andre seiner Sekt zu zeigen trachten, es sei kein unterscheidender Sinn der Geruch in ihm, vielmehr nichts weiter als eine verschiedene Wirksamkeit, herrührend von der Verschiedenheit der ruchbaren Ding. Wenn ihr jedoch ihre Grund und Reden treulich prüfen und auf des Critolai Waagschal abwägen wollt, werd ihr wohl finden, daß sie sowohl in diesem Stück als vielen andern mehr zum Scherz und aus Begier geschrieben haben, ihren Meistern zu widersprechen, denn um Erforschung der Wahrheit willen.

In diesen Streit laß ich mich itzt nicht weiter ein und sag nur dies noch: daß das Verdienst der züchtigen Frauen nicht klein ist, die keusch und untadlich gelebt und so viel Tugend besessen haben, dies unbändige Tier irn Zaum der Vernunft zu erhalten. Und schließlich sei hinzugefügt: daß, wenn dies Tier ersättigt ist (wofern es anders je satt kann werden) durch die ihm von Natur im Mann bereite Nahrung; daß alsdann all seine eignen Bewegungen zur Ruh gebracht, all seine Trieb erfüllt, all seine Furien beschwichtigt sind. Drum laßt es euch nicht wundern, wenn wir in steter Gefahr sind Hahnreis zu werden, die wir doch nicht zu allen Stunden mit barer Münz zu gnüglicher Zahlung beschlagen sind. - (rab)

 

Tierart Weiblichkeit

 

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