Teufelsbeichte  Ehrwürdiger lieber Herr, ich bekenne gern vor euch, daß ich zwar ein Teufel, aber kein sonderlicher Heiliger bin, sondern nur der beigeordnete Genius eines Staatsmännchens, das ich so und so geleitet habe. Übrigens bin ich so gut wie die beste Welt und lasse mich finden. Freilich hat meine Großmutter von ihrem siebenten bis in ihr 18tes Jahrhundert (nach Voigts Berechnung) neun Millionen Hexen ins Scheiterhaufenfeuer gelockt und siel zu Pulver gebraten für ihre Zähne; wiewohl sie sich darüber leicht mit ihrer Vorliebe für das weibliche Geschlecht entschuldigt, das, wie sie sagt, von niemand so sehr gehasset werde als von Weibern, sogar von alten. Indes war die Gute früher bei Jahren als Eva und ich. Ihr Mann, mein guter Großvater, zündete eintausendachthundertundsieben Kriegsfeuer an, um sich warm zu halten durchs Kalt-Machen der andern. Sein Enkel, ich, hat durch das große Staatsmännchen, dessen chevalier d'honneur et d'atour ich bin, bloß  drei  Sukzessions-Kriege  und  anderthalbe  Antezessions-Kriege angezündet und gewiß mehr nicht; denn seine Zünd-Rute, der Fürst, war gar zu kurz; - und so geh' ich denn zur Beichte meiner Sünden, die ich weniger begangen als eingegeben, nicht ohne jenes Bewußtsein von Unschuld über, das ein armer Teufel wohl mehr braucht als irgendein anderer.  - Jean Paul, Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz, mit fortgehenden Noten, nebst der Beichte des Teufels bei einem Staatsmanne (zuerst 1807)
 
 

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