elefonzelle   Der richtige Name des Big Bopper war J. P. Richardson, er war ein texanischer Discjockey, und ‹Chantilly Lace› blieb sein einziger Hit. Er war ein ziemlich fetter Mann, Ende Zwanzig, und trug gewaltige, ausgebeulte Streifenanzüge, deren Jacketts halb bis zum Knie reichten und in deren Hosenboden man eine ganze Armee verstecken konnte. Er grinste, und seine Lippen schmatzten vor Geilheit, er war ein Monster. ‹Chantilly Lace› ist sein Testament.

Er steht in einer Telefonzelle, ruft ein Mädchen an und muß sich wie wahnsinnig schaffen, um sie zu einer Verabredung zu bewegen. Er schwitzt, er kichert. Er plappert und sabbert. Er sprudelt über . . .

Man spürt, wie seine fetten Schultern im Delirium zucken. Sein alberner Anzug umhüllt ihn wie ein Zelt, seine Augen quellen über, und seine Unterlippe hängt schlaff herunter: «Chantilly lace and a pretty face, pony tail hanging down, wiggle in her walk, giggle in her talk, Lord, makes the world go round round round . . . Makes him feel real loose like a long-necked goose.» Und die ganze Zeit schmilzt er dahin.

Er erreicht nichts, natürlich nicht, aber er gibt trotzdem nicht auf, er brüllt und schreit wie ein Demokrat aus dem Süden bei einer Wahlrede. Das Ergebnis ist sowieso egal, allein die darstellerische Leistung zählt. «Ooh baby», heult er. «You know what I like. You know.» Und in diesem Augenblick, da explodiert er, löst sich auf. - (awop)

Telefonzelle (2)  Er befand sich nicht mehr im zweiten Stock. Die Telefonzelle fuhr nach oben, ließ den zweiten Stock unter sich und trug ihn hinauf, schneller und schneller. Sie fuhr Stockwerk um Stockwerk hinauf, bewegte sich lautlos und schnell.

Die Telefonzelle stieß durch das Dach des Gebäudes, hinaus ins strahlende Sonnenlicht. Sie wurde schneller. Der Erdboden fiel unter ihr zurück. Gebäude und Straßen wurden immer kleiner. Tief unten eilten winzige Pünktchen dahin. Autos und Menschen, die rasch schrumpften.

Wolken trieben zwischen ihm und der Erde. Ed schloß die Augen, schwindlig vor Angst. Verzweifelt hielt er sich an den Türgriffen der Telefonzelle fest.

Die Telefonzelle stieg schneller und schneller. Sie ließ die Erde rasch hinter sich, tief unten.

Ed spähte verstört nach oben. Wohin? Wohin ging die Reise? Wo brachte man ihn hin?

Er stand da, die Türgriffe umklammert, und wartete.  - Philip K. Dick, Menschlich ist ...  Zürich  1996

Telefonzelle (3)

- Jack Vettriano

Telefonzelle (4) ist es wirklich liebe die ihnen zum Verhängnis wurde. allen ginsberg und david medalla die grossmeister des ordens der leiermänner stehen einander in der telefon zelle beim londoner hydepark so sehr gegenüber dass ihre langen bestickten kaftane in einem einzigen zusam menzuschmelzen scheinen, ihre schönen ernsten gesich ter sind von einer inneren erregung verzerrt, sie trinken das freie Sonnenlicht aus der regenrinne und spüren fliegen ihre eier aufstechen um larven herauskriechen zu lassen (zu lassen). stechmücken spazieren über ihre rücken fast ohne den boden zu berühren schlafwandle risch. allen starrt einen augenblick auf die toten und das gewimmel von ameisen auf den halbnackten körpern auf den gelbhäutigen dingen die ehemals menschen ge wesen sind, dann schüttelt er sich stolpert eilig hinter seinen kumpan her. der boden ist klebrig von blut. ein geistlicher kniet bei den toten betet mit verletzten, jetzt erst erfahren auch die menschen auf den rummelplätzen dass etwas schreckliches geschehen ist: die drehorgeln verstummen eine heisere lautsprecherstimme ruft frei willige auf. blutspender werden gesucht.

viele obliegen ihrem wunsch zu vernichten auszulöschen zu töten mit beinahe heiliger inbrunst.

dann vernimmt david die fürchterlichsten schreie die er in seinem langen leben jemals gehört hat. es beginnt mit einem donnerartigen grollen steigert sich zu einem tosen und endet in einem röcheln als wäre soeben ein unge heuer der vorzeit an schrecklichen wunden verendet.   - (loc)

Telefonzelle (5)

- N. N.

 

Telefon

 

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