Synästhesie

 

- Roland Topor

Synästhesie (2)  «Trifft das Licht im Rechten Winkel auf eine der Aegyptischen Pyramiden, so ruft's einen Klang hervor.» Solche Behauptung, im citirten Wortlaut, ist mir irgend wo untergekommen - mag sein in einer der Anmerkungen zum Apollonius. Das Ganze, so dünkt mich, ist wol Nichts denn der baare Unsinn - allein, ich will nicht voreilig urteilen. Nämlich, das Orange des Spectrums und das Sirren der Gelse (welches niemals das obere A übersteigt) rufen in mir fast die nämliche Empfindung hervor. Vernehm' ich die Gelse, so wird's mir orange vor den Augen. Erblick' ich die Farbe, so glaub' ich die Gelse zu hören.

Im einen Fall mögen die durch das Sirren der Gelse hervorgerufnen Schwingungen des Trommelfells von innen her die Netzhaut in abnorme Vibration versetzen, in eine Vibration, wie sie normaler Weise nur von außen zustande kömmt - eben durch die Strahlung der Farbe Orange. Auf ähnliche Weise, wenn auch nicht mit gleicher Schnelligkeit - dies wär' ja absurd -, könnte im ändern Fall etwa jede millionste Schwingung der Netzhaut mit einer solchen des Trommelfells accordiren, und so bin ich durchaus nicht so sicher, ob Dergleichen für den genannten Effect nicht ausreichen mag. - Edgar Allan Poe, Marginalien. In: E. A. Poe, Werke III. Olten 1968

 

Wahrnehming, sinnliche Gleichzeitigkeit

 

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