Süßholzraspler  Ich liebe dich, o meine Göttin, im Morgenrock, der bis zum Gürtel von seinen Fesseln befreit ist. Dreh' dich, damit ich diesen Torso im Profil sehen kann. Hat man dir je gesagt, meine Schöne, dass du, dank der Form deines Halses und der Kontur deines birnenförmigen Busens, würdig gewesen wärest, als Milesische Venus zu posieren? Ah! Es erstaunt dich, mich so reden zu hören; was willst du, ich liebe das Schöne!... Ich will dir nicht verhehlen, dass ich allen Anlass habe, mich zu den schlimmen Ereignissen zu beglückwünschen, die dich meiner Liebe ausgeliefert haben.  - Angelo de Sorr, Die Mädchen von Paris, nach (sot)

Süßholzraspler (2)  

Nur Nausikaa blieb. Ihr hatte Pallas Athene
Mut in die Seele gehaucht und die Furcht den Gliedern entnommen.
Und sie stand und erwartete ihn. Da zweifelt' Odysseus,
Ob er flehend umfaßte die Kniee der reizenden Jungfrau,
Oder, so wie er war, von ferne mit schmeichelnden Worten
Bäte, daß sie die Stadt ihm zeigt' und Kleider ihm schenkte.
Dieser Gedanke schien dem Zweifelnden endlich der beste,
So wie er war, von ferne mit schmeichelnden Worten zu flehen,
Daß ihm das Mädchen nicht zürnte, wenn er die Kniee berührte.
Schmeichelnd begann er sogleich die schlau ersonnenen Worte:

Hohe, dir fleh ich; du seist eine Göttin oder ein Mädchen!
Bist du eine der Göttinnen, welche den Himmel beherrschen,
Siehe, so scheinst du mir der Tochter des großen Kronions,
Artemis, gleich an Gestalt, an Größe und reizender Bildung!
Bist du eine der Sterblichen, welche die Erde bewohnen,
Dreimal selig dein Vater und deine treffliche Mutter,
Dreimal selig die Brüder! Ihr Herz muß ja immer von hoher
Überschwenglicher Wonne bei deiner Schöne sich heben,
Wenn sie sehn, wie ein solches Gewächs zum Reigen einhergeht!
Aber keiner ermißt die Wonne des seligen Jünglings,
Der, nach großen Geschenken, als Braut nach Hause dich führet!
Denn ich sähe noch nie solch einen sterblichen Menschen,
Weder Mann noch Weib! Mit Staunen erfüllt mich der Anblick!
Ehmals sah ich in Delos, am Altar Phöbos Apollons,
Einen Sprößling der Palme von so erhabenem Wuchse,
Denn auch dorthin kam ich, von vielem Volke begleitet,
Jenes Weges, der mir so vielen Jammer gebracht hat!
Und ich stand auch also vor ihm und betrachtet ihn lange
Staunend, denn solch ein Stamm war nie dem Boden entwachsen.
Also bewundre ich dich und staun und zittre vor Ehrfurcht,
Deine Kniee zu rühren! Doch groß ist mein Elend, o Jungfrau!
Gestern am zwanzigsten Tag entfloh ich dem dunkeln Gewässer;
Denn so lange trieb mich die Flut und die wirbelnden Stürme
Von der ogygischen Insel. Nun warf ein Dämon mich hieher,
Daß ich auch hier noch dulde! Denn noch erwart ich des Leidens
Ende nicht; mir ward viel mehr von den Göttern beschieden!
Aber erbarme dich, Hohe! Denn nach unendlicher Trübsal
Fand ich am ersten dich, und kenne der übrigen Mensehen,
Keinen, welche die Stadt und diese Gefilde bewohnen.
Zeige mich hin zur Stadt, und gib mir ein Stück zur Bedeckung,
Etwa ein Wickeltuch, worin du die Wäsche gebracht hast!
Mögen die Götter dir schenken, so viel dein Herz nur begehret,
Einen Mann und ein Haus, und euch mit seliger Eintracht
Segnen! Denn nichts ist besser und wünschenswerter auf Erden,
Als wenn Mann und Weib, in herzlicher Liebe vereinigt,
Ruhig ihr Haus verwalten: den Feinden ein kränkender Anblick.

 - Homer, Odyssee  (nach Johann Heinrich Voß)

Süßholzraspler (3)  

- Marie Marcks

 

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