terbender   Die Sterbenden sind anspruchsvoll. Agonie genügt ihnen nicht. Sie wollen auch noch Wollust empfinden im Verrecken, solange noch Harn in ihnen ist. Sie winseln, weil sie sterbend nicht Wollust empfinden ... bäumen sich auf... beklagen sich ... Das Unglück aber geht mit uns in den Tod.

Nach der Morphiuminjektion, die ihm Parapine verabreicht hat, kommt er noch einmal zum Bewußtsein. Spricht sogar über das Geschehene. - «Eigentlich ist's so am besten...» und dann: «Es ist gar nicht so arg, wie ich mir's vorgestellt habe...» Auf Parapines Frage, wo er Schmerzen hätte, verstummt er aber schon. Und doch will er durchaus plaudern... Aber die Kraft dazu fehlt ihm, und auch das Gedächtnis läßt nach. Er weint, hat Atemnot, lacht aber gleich wieder. Er benimmt sich nicht wie ein Sterbender, man weiß nicht recht, woran man mit ihm ist.

Er beträgt sich eher so, als ob jetzt die Reihe, uns das Leben zu erleichtern, an ihn gekommen wäre! Als ob er es uns versüßen wollte. Er hält uns an den Händen. In jeder Hand eine. Ich küsse ihn. Es ist das einzige, womit man keinen Fehler machen kann. Man wartet. Er sagt nichts mehr. Eine Stunde später tritt Bluterguß ein. Er stirbt.

Sein Herz hat erst schneller, dann langsamer geschlagen. Ist dem Blut nachgelaufen, bis zur Erschöpfung. Blässe steigt vom Halse auf über das ganze Gesicht. Er stirbt, indem er erstickt. In einem einzigen Augenblick, zu dem er anscheinend einen Anlauf genommen hat. Hat sich dabei mit beiden Händen auf uns gestützt.

Aber fast unmittelbar darauf kehrt er noch einmal zu uns zurück. Verkrampft, schon im Begriff, die Schwere des Todes auf sich zu nehmen.

Wir erheben uns, lösen seine Hände aus den unsern. Sie bleiben, im Schein der Lampe gelb und blau gezeichnet, steif in der Luft hängen.

Er war ein Fremder geworden im Raum, der aus einem grausamen Land kommt und zu dem man nicht mehr zu sprechen wagt. - (reise)

Sterbender (2)  Der Sterbende sagte in seinem Delirium auf mich hat er geschossen, Opfer seines Hasses, feindliche Brüder, Tränen von Blut, Zeichen am Himmel, Donner der Eifersucht am Tag des Begräbnisses, geben Sie mir das Buch, schlagen Sie die Seite auf.

Das Kommen und Gehen im Zimmer dauert an, dieser Todeskampf nimmt kein Ende, es war eine drückende Hitze, der Diener servierte in der Küche Getränke, er hat auf alles ein wachsames Auge, er allein kennt die Stelle, wo das Testament versteckt ist, der Name eines jeden von uns ist darin erwähnt, dieses Dokument brauchen wir, es sind zu viele Jahre vergangen seit dem Tag, an dem der Alte getan hat, als sei er verrückt, um sich aus der Affäre zu ziehen . . . - (apok)

Sterbende (3)
 

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