tall  Im  J. 1831 im Monat Februar geschah es, als Grombach eine neue Kuh gekauft hatte, daß man dieses Tier zu wiederholten Malen an einer andern Stelle im Stalle, als an die es gebunden wurde, angebunden fand. Dieses fiel Grombach um so mehr auf, als er sich völlig versichert hatte, daß bestimmt keines seiner Leute dieses Spiel mit dem Tiere getrieben.

Darauf fing es auf einmal an, allen dreien Kühen im Stall ihre Schwänze aufs kunstreichste zu flechten, so kunstreich, als hätte es der geschickteste Bortenmacher getan, und dann die geflochtenen Schwänze wieder untereinander zu verknüpfen. Machte man die Flechten der Schwänze wieder auseinander, so wurden sie bald wieder von unsichtbarer Hand geflochten, und das mit einer solchen Geschwindigkeit, daß wenn man sie kaum gelöst hatte und sogleich wieder in den menschenleeren Stall zurückgekehrt war, die Schwänze auch bereits wieder allen Kühen auf das kunstreichste und pünktlichste geflochten waren, und dies täglich vier- bis fünfmal. Diese Sonderbarkeit dauerte mehrere Wochen lang tagtäglich fort, und bei der größten Aufmerksamkeit und Begierde, einen Täter zu entdecken, gelang dies doch nie.

In dieser Zeit bekam die Tochter Magdalene einmal, als sie bei dem Viehe melkend saß, aus der Luft von unsichtbarer Hand eine so derbe Ohrfeige, daß ihr die Haube vom Kopfe an die Wand flog, wo sie der auf ihren Schrei herbeigesprungene Vater aufhob.

Oft ließ sich im Stalle eine Katze mit weißem Kopfe und schwarzem Leibe sehn, von der man nicht wußte, woher sie kam oder wohin sie bei ihrem Verschwinden ging. Von dieser Katze wurde das Mädchen einmal angefallen und in den Fuß gebissen, so daß man mehrere Zähne dieses Tieres in ihrem Vorderfuße sah. Nie konnte man dieses Tieres habhaft werden. Einmal flog auch aus dem Stall, man wußte nicht, woher er gekommen, da alles verschlossen war, ein unbekannter schwarzer Vogel in Gestalt einer Dohle oder eines Raben. - Justinus Kerner, Geschichte des Mädchens von Orlach, in (ker)

Stall (2) Leise ging Maigret zum Stall hinüber und sah durch die offene Luke hinunter.

Der Anblick, der sich ihm bot, war so erschütternd wie das Sterben eines Tieres, mit dem man sich in seiner Not auch nicht verständigen kann.

Jean hatte sich zusammengekrümmt. Die Verbände, die ihm von den Ärzten am Vorabend angelegt worden waren, hatte er teilweise abgerissen.

Sein Atem ging schwer und pfeifend.

Eines der Pferde war mit einem Vorderfuß über den Strick getreten, mit dem es angebunden war, aber es rührte sich nicht, als hätte es begriffen, daß hier etwas Ernstes vor sich ging.  - Georges Simenon, Maigret tappt im dunkeln. München 1973 (Heyne Simenon-Kriminalromane 93, zuerst 1931)

Bauer Tiere, eßbare
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