Spaß haben wollen      - Los, erzähl schon, befahl Pradonet.

- Also gut, sagte Petit-Pouce. Seit unlängst sind wir bloß noch zu zweit, und das genügt nicht. Heute war ich allein, das ist noch weniger. Paradis, mein Kumpel, ist nicht gekommen, idi weiß nicht, was er treibt, auf jeden Fall war ich ganz allein, und das genügt eben nicht. Es war ganz schön zu tun, und die Philosophen, die gewöhnlich immer hier sind, saßen alle brav an ihren Plätzen, die Augen direkt vor den Löchern, um die kleinen Mädchen zu beglotzen. Es fängt an. Ich helfe also erst mal den Bienen über die Schüttelbahn. Gut. Aber ich konnte natürlich nicht überall sein. Vor der Tonne kein Schwein. Die Weiber wollten nicht durch. Jene, die nen kräftigen Mann dabei hatten, bekamen geholfen. Aber die blieben natürlich nicht überm Luftschacht stehen, das war klar. Die Philosophen, die keine Röcke fliegen sahen, waren darüber gar nicht froh. Im Gegenteil, sie kamen ganz gehörig in Wut. Zwei hübsche Blonde kommen vorbei. Aber sie kriegen nicht mehr zu sehen als das Knie. Das gibt Stunk. Sie fuchsen sich, die Knülche. Wieder eine, bei der sie keine Dessous sehen. Sie schäumen. Sie raunzen mich sogar an. Ich gehe in die Tonne runter. Darauf klappt's natürlich an der Schüttelbahn nicht mehr. Ich lasse mich anpöbeln. Auf einmal kommt so ein paar Schlauen der Gedanke, mich zu ersetzen. Sie klettern auf die Estrade und greifen sich die Frauen, um sie auf den Luftschacht zu stellen. Die Herren dieser Damen sind der Ansicht, daß die Philosophen etwas zu weit gehen. Man rempelt sich an. Und natürlich kommt's bald zu einer Keilerei und man haut sich die Hucke voll. Peng! Peng! Piff! Paff! Und nichts wie gib ihm und hau ihn aufs Auge. Die Satyre sind wie von der Kette. Die Frauen entschließen sich, laut zu heulen. Die Vorsichtigen machen steh dünne. Die Grimmigen wollen die Situation ausnützen. Es kommt zu organisierten Hieben auf Hintern. Die Männer pauken sich nach wie vor die Visagen und treten sich in die Geschlechtsteile. Eine Puppe, das habe idi selbst gesehen, versucht mit Daumen und Zeigefinger einem Kerl, der an ihr rumfummeln wollte, ein Auge auszustoßen. Und dann auf einmal, ganz plötzlich, ohne daß man weiß warum, ohne Erklärung, kommt es den Leuten in den Sinn, die Bude in Brand zu stecken. Eins zwei drei, mit einer bewundernswerten Geschwindigkeit: ein kleines Flämmchen, das uns alle zufriedenstellt. Dann ist die Polente gekommen: sie hatte keine Mühe, die Leute rauszu-bugsieren, sie waren jetzt einigermaßen beruhigt. Zum Schluß kamen noch die Feuerwehrleute, die haben überall naß gemacht.   - Raymond Queneau, Mein freund Pierrot. Frankfurt am Main 1964 (zuerst 1942)

Spaß

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