Spalten  Nach einer Weile kam jener Ritter, der den Namen Sir Peris de Forest Savage trug, zu Pferde aus dem Wald und sein Page mit ihm, und der Ritter zog das Fräulein vom Pferd herunter, worauf sie zu schreien anfing. In diesem Augenblick sprengte Lanzelot heran, so schnell er konnte, und rief: O du falscher Ritter und Verräter an der Ritterschaft, wer hat dich gelehrt, Damen und Edelfrauen zu belästigen? Als der Ritter hörte, wie ihn Sir Lanzelot schalt, antwortete er nicht, sondern zog sein Schwert und wandte sich gegen ihn. Sir Lanzelot warf seine Lanze von sich und nahm sein Schwert und versetzte ihm einen solchen Streich über den Helm, daß er ihm Kopf und Hals bis zur Kehle spaltete. Nun hast du den Lohn, den du schon lange verdienst, sagte das Fräulein. Nun, mein Fräulein, fragte Sir Lanzelot, soll ich Euch noch einen Dienst erweisen? Nein, Herr, erwiderte sie, jetzt nicht, doch der allmächtige Jesus beschütze Euch, wo immer Ihr reitet oder geht, denn gegen alle Damen und Edelfrauen seid Ihr der höflichste und hilfreichste Ritter, den es gibt. Aber etwas, Herr Ritter, glaube ich, fehlt Euch. Ihr seid unbeweibt und liebt kein Mädchen und keine Edelfrau, denn ich habe noch nie sagen hören, daß Ihr irgendeine, von welchem Rang auch immer, begehrt hättet, und das ist sehr schade. Aber es wird erzählt, Ihr liebt die Königin Ginevra und sie habe durch Zauber erreicht, daß Ihr nie eine andere Frau als sie liebt und daß keine andere Dame und kein anderes Fräulein Euch erfreuen soll, worüber in diesem Lande viele von hohem und niederem Range sehr betrübt sind. Schönes Fräulein, entgegnete Sir Lanzelot, ich kann den Leuten nicht verwehren, von mir zu reden, was ihnen gefällt. Aber vom Heiraten halte ich nichts, denn dann müßte ich bei meiner Frau liegen und Waffen und Turniere, Kämpfe und Abenteuer lassen; und mich mit Liebchen vergnügen, lehne ich von vornherein aus Gottesfurcht ab, denn Ritter, die ausschweifend oder wollüstig sind, haben im Kampf kein Glück; entweder werden sie von niedriger stehenden Rittern besiegt, oder sie erschlagen durch Mißgeschick oder ihre eigene Verworfenheit bessere Männer, als sie es selbst sind. Wer sich mit Liebschaften abgibt, ist ein unseliger Mensch, und alles ist unselig, was mit ihm in Verbindung steht. Und so schieden Sir Lanzelot und das Fräulein. Danach ritt er mehr als zwei Tage durch einen tiefen Wald und fand kein gutes Nachtlager. Am dritten Tage kam er über eine lange Brücke, und plötzlich überfiel ihn ein übler Kerl und hieb seinem Pferd über die Nüstern, daß es herumfuhr, und fragte ihn, warum er ohne seine Erlaubnis über die Brücke reite. Warum sollte ich nicht darüber-reiten? entgegnete Sir Lanzelot, ich kann nicht daneben reiten. Du hast keine Wahl, sagte der Kerl und hieb mit einer großen eisenbeschlagenen Keule nach ihm. Da zog Sir Lanzelot sein Schwert und wehrte den Streich ab und spaltete ihm den Kopf bis zur Brust. Am Ende der Brücke lag ein stattliches Dorf, und alle Leute, Männer und Frauen, riefen Sir Lanzelot zu: Etwas Schlimmeres hast du dir nie angetan, denn du hast den Oberpförtner unserer Burg erschlagen. Sir Lanzelot ließ sie reden und ritt geradenwegs in die Burg. Dort stieg er ab und band sein Pferd an einen Ring in der Mauer. Da gewahrte er einen schönen grünen Hof und lief dorthin, denn er hielt ihn für einen vorzüglichen Kampfplatz. Als er sich umschaute, sah er viele Leute an Türen und Fenstern, die ihm zuriefen: Edler Ritter, du bist verloren.

Plötzlich stürzten zwei mächtige Riesen auf ihn zu, die außer am Kopf überall wohl gepanzert waren und zwei fürchterliche Keulen in den Händen hielten. Sir Lanzelot hob seinen Schild und wehrte den Hieb des einen Riesen ab und spaltete ihm den Kopf mit dem Schwert. Als dies der andere Riese sah, rannte er wie besessen davon aus Furcht vor den schrecklichen Streichen, und Lanzelot lief ihm, so schnell er konnte, nach, traf ihn an der Schulter und spaltete ihn bis zum Nabel. Dann begab sich Sir Lanzelot in die Halle, und da traten vor ihn sechzig Damen und Fräulein und knieten nieder und dankten Gott und ihm für ihre Befreiung. Herr, sagten sie, die meisten von uns sind hier sieben Jahre Gefangene der Riesen gewesen, und wir haben für unseren Unterhalt allerlei Seidenarbeiten angefertigt und sind doch von Geburt sehr edle Frauen. Gesegnet sei der Tag, Ritter, an dem Ihr geboren seid, denn Ihr habt die edelste Tat vollbracht, die je ein Ritter auf dieser Welt vollbrachte, das wollen wir bezeugen.  - (artus)

 

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