eelensitz: der Ort im Organismus, von dem aus man sich die Seele wirksam dachte oder denkt. Die moderne Psychologie versteht unter Seelensitz in der Regel nichts als das physiologische Korrelat zum Psychischen, den Organismus als Einheit, zentralisiert im Nervensystem, insbesondere im Großhirn.

Im Blute hat die Seele ihren Sitz nach den Hebräern (vgl. über den Kopf als Seelensitz: Daniel 2, 28. 4, 2). Das Hirn als Seelensitz sollen schon die Ägypter betrachtet haben, vielleicht aber das Herz. Der Pythagoreer ALKMAEON verlegt den Seelensitz in das Gehirn, auch HIPPOKRATES (nach einer andern Stelle in das Herz). Nach KRITTAS hat die Seele ihren Sitz im Blute. PLATO verlegt den nous in das Haupt, den thymos in die Brust, das epithymêtikon in den Unterleib. Nach ARISTOTELES ist der Sitz der empfindenden Seele das Herz . Die Stoiker verlegen das hêgemonikon   in das Herz. So auch nach POSIDONIUS. HEROPHILUS hat das Hirn als Sitz des hêgemonikon bestimmt. So auch GALENUS Auch die Epikureer setzen den vernünftigen Seelenteil in das Herz . Nach PLOTIN ist die Seele im ganzen Leibe, das Gehirn ist der Ausgangspunkt ihrer Tätigkeit. Ähnlich NEMESIUS, GREGOR VON NYSSA, AUGUSTINUS, das Hirn ist Zentrum der Empfindung und willkürlichen Bewegung. Nach THOMAS u.a. ist die Seele »in toto corpore tota et in singulis simul corporis partibus tota«.

Nach CASMANN ist das Gehirn das »sensorium commune« der äußeren Sinne und Organ der innern Sinne. Nach J. B. VAN HELMONT hat die Seele ihren Sitz im Magen. Das Gehirn ist ein Werkzeug für das Vorstellen, die Willensbewegungen u.s.w.. Nach DESCARTES ist der eigentliche Sitz der Seele die Zirbeldrüse des Gehirns. »Concipiamus igitur hic, animam habere suam sedem principalem in glandula, quae est in medio cerebri, unde radios emittit per reliquum corpus, opera spirituum, nervorum et ipsiusmet sanguinis, qui particeps impressionum spirituum eos deferre potest per arteria ad omaia membra«. Nach LEIBNIZ ist der Ort der Seele ein bloßer Punkt . Nach BONNET ist der Seelensitz im »Balken« des Gehirns, nach DIGBY im Septum, nach HALLER in der Varolsbrücke, nach BOERHAVE im verlängerten Mark, nach PLATNER in den Vierhügeln. Nach SÖMMERING hat die Seele ihren Sitz in der Flüssigkeit der Hirnhöhlen. SWEDENBORG bezeichnet zuerst (1745) die Rindensubstanz als das physiologische Korrelat des Bewußtseins. Nach G. E. SCHULZE besteht nur eine »dynamische Gegenwart« der Seele im Leibe.

Nach J. MÜLLER ist die Seele im ganzen Leibe verbreitet. Ähnlich C. G. CARUS, STEFFENS, BURDACH , LINDEMANN, HEGEL, K. ROSENKRANZ, ERDMANN, MEHRING u. a Ähnlich wie KANT  erklärt ESCHENMAYER: »Wir können eigentlich nur nach dem geometrischen Ort fragen, in welchem alle Gehirntätigkeit zusammenfließt, und in welchem die geistigen Äußerungen zunächst rege werden. Denn an sich hat die Seele keinen Sitz, sie ist überall und zu jeder Zeit«. Nach HILLEBRAND hat die Seele keinen »Sitz« im Leibe. Sie ist überall im Leibe gegenwärtig, ist in realer Einheit mit ihm. Nach J. H. FICHTE ist der ganze Leib Organ der Seele, im engeren Sinne das Nervensystem, ähnlich ULRICI. Nach HEBART hat die Seele keinen festen Sitz, sondern ihr Sitz verschiebt sich innerhalb der Varolsbrücke. Ähnlich VOLKMANN u.a., auch LOTZE, der den »Balken« als eigentlichen Ausgangspunkt der Seelenwirkungen bezeichnet. Der Seelensitz ist ein homogenes Parenchym. »Ein immaterielles Wesen kann im Raume keine Ausdehnung, wohl aber einen Ort haben, und wir definieren diesen als den Punkt, bis zu welchem alle Einwirkungen von außen sich fortpflanzen müssen, um Eindruck auf dies Wesen zu machen, und von welchem aus dies Wesen ganz allein unmittelbare Wirkungen auf seine Umgebung ausübt«. Der Seelensitz ist nicht fest. Nach FECHNER ist im weiteren Sinne der ganze Leib beseelt. Nach GUTBERLET ist die Seele »im ganzen Körper und in jedem Teile desselben gegenwärtig«. Nach RENAN ist die Seele da, wo sie wirkt. - Rudolf Eisler, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (1904)

Seelensitz   (2)   Nerlinger: hier Kunstmaler, 25 Jahre, geboren in Straßburg . . . Nerlinger ist copralal und schweinigelt gerne, besonders nach alkoholischen Genüssen (daher sein fortlaufendes Aaasch-brüllen im Keller) - er berauscht sich förmlich daran. Auch singt er fürs Leben gern das von ihm verfaßte Liedel «Mein Aasch ist 'ne Topfpflanze, Jumheidi, jumheida! / Muta juck mir mal am Schwanze, jumheidi, heida!» Solche Lieder dichtet er viele, viele, und singt auch diese unbekümmert um etwaige prüde Damen, eins nach dem anderen herunter. Doch enthält fast jeder seiner Songs großspurig immer das Wort «.Aasch», gleichsam ist der Aasch für ihn das schwarzbraune Zentrum der Gefühle; eine witzige Theorie von ihm besagt sogar: «Der Sitz der Seele.» Das ist Nerlinger.   - George Grosz an Otto Schmalhausen (8. Mai 1918), nach: G.G., Briefe 1913-1959. Hg. Herbert Knust. Reinbek bei Hamburg 1979

Seelensitz   (3)  Des Menschen Seele ist durch seinen ganzen Leib ergossen, alsbald zerfällt er, wenn sie von ihm weicht; doch ihr Bewußtseinslicht ist bald hier bald da. Nur eben sahen wir's im engen Leibe hin und wieder wandern, wechselnd dem Aug', dem Ohr, dem innern und dem äußern Sinn zu leuchten, um endlich im Tod ganz darüber hinaus zu wandern, wie der, dessen kleines Haus zerstört wird, worin er lange hin- und hergegangen, auf immer in die Weite zieht, und eine neue Wanderung beginnt. Der Tod setzt keine andere Scheide zwischen beiden Leben, als daß er den engen Schauplatz der Wanderung mit dem weiteren vertauschen läßt. Und so wenig in dem jetzigen Leben das Bewußtseinslicht immer und überall zugleich ist, wo es nacheinander sein und wohin es sich zerstreuen kann, wird es im künftigen Leben sein. Der Schauplatz der Wanderung ist nur unsäglich größer. - Gustav Theodor Fechner, Das Büchlein vom Leben nach dem Tode. In: G.T.F., Das unendliche Leben. München 1984 (Matthes & Seitz debatte 2, zuerst 1848)

Seelensitz  (4)  In meiner Eigenschaft als realistisches Organ warne ich vor den Ansichten des Hauptmanns Fredersdorf, Realschullehrers. Dieser bestreitet die Existenz der Seele mit der Begründung, wenn es sie gäbe, so müßte sie in Fällen von Typhus ausgeschissen sein. Wir haben solche Fälle im Gebiet von Dnepropetrowsk gehabt. Erkundungen ergaben, daß tatsächlich, während einer sagte, er hätte sich die Seele aus dem Leib geschissen, seine Exkremente keine seelischen Momente enthielten. Dies wird nicht dadurch festgestellt, daß man siebt oder die chemische Konsistenz prüft. Das Kriterium ist einfach: sie bleibt liegen, sie bewegt sich nicht. Dabei erschien allerdings der betreffende Sprecher blaß und uneigentlich, gleichsam entseelt. Die Seele war aber nicht durch den Darmausgang verschwunden.

Es gehört zu den Geheimnissen, die mir Wieland nicht verriet, ich vermute weil er es nicht wußte: wo hat die Seele ihren Sitz ? Durch Vergleich läßt sich feststellen, daß die Oberherren von uns Einzelorganen ja ebenfalls nicht wissen, wo der Sitz der Gesellschaft, genauer: die Volksseele ihren Sitz hat. Es ist ja als erwiesen anzunehmen, daß Kern der nationalistischen Bewegung (was immer das ist) und Sitz der Volksseele nicht identisch zu sein scheinen. Es läßt sich die Hypothese vertreten, daß die Seele in den Zwischenräumen wohnt, die im Fall von Typhus, wegen der Turbulenz der Organe, schrumpfen, so daß sie jetzt andere Zwischenräume aufgesucht hat als die gewohnten und auf Anruf weder im Antlitz des Mannes, noch in seinen Ausscheidungen, noch an irgendeinem arideren bekannten Ort zu finden ist. Ich bin ihr in meiner Praxis nirgends begegnet. Lassen Sie mich, aber an der Grunderfahrung festhalten, daß eine vergebliche Einzelsuche in keinem Fall gegen die Existenz von etwas spricht. Richtiger Sitz der Glieder nach Orten und Zeiten, also ihr operatives Zusammenwirken, scheint mir Aufenthaltsort - so wie wir sämtlich, Glieder, Leber, Herz, Gurgel usf. erwartungsvoll bei ausgezeichneter Durchblutung und nach vorangegangenem Frühstück unseres Herrn am 12. September 1942 den Don überschritten und dann hieß es, ehe wir auch nur angefangen hatten, die Kräfte zu erproben, wir könnten uns niederlassen, in der Kühle des Morgens ruhen: In diesem Moment schien mir die Seele an ihrem unbekannten Sitz anwesend, d.h. wie ein Embryo spürten wir ihre Schläge, warteten, bereit das Gespräch mit ihr aufzunehmen. Das war der Moment, bevor die Schlachtflieger kamen. So liegt sie also in einem Zustand des Dazwischen, einschließlich des Dazwischen der Zeit, die ich als Heimtücke und Heimat der Glieder bezeichnen würde, so daß ich mich gar nicht wundere, daß sie in den Lebens- und Arbeitsjahren meines Gefreiten vielleicht nur wenige Sekunden oder Minuten öffentlich auftrat, woraus sich erklärt, daß wir übrigens dieses Sonderglied nicht bemerkten. Man braucht zum Greifen dieser Momente Griffe, die das Dazwischen fassen: Organe, die fürs Greifen von Seelen brauchbar erscheinen. Diese aber lassen sich selber nicht gern greifen, sondern verschwinden dort wo der Griff hinlangt, weil sie ihr Wesen in Unbestechlichkeit haben. Ich möchte sagen: Sitz der Seele ist dasjenige, was einmal gehorcht hat und deshalb niemals wieder Gehorsam leisten wird. Oftmals haben wir geplant eine Fahne zu erfinden hinter der sie herzieht. - Ein sprechendes Knie, nach: Alexander Kluge, Die Patriotin. Texte/Bilder 1-6. Frankfurt am Main 1979

Seelensitz  (5)  Er trug seinen alten Rucksack mit dem Fahrradölflecken von 1927 und ging in kurzen Hosen. Froh bist du, weil du mit nackten Knien gehen kannst. Und ihm fiel ein, daß der lange Egbert, dieser Wandergesell mit dem kantigen Gesicht, zu ihm gesagt hatte, die Seele sitze in den Knien.  - Hermann Lenz, Der Wanderer. Frankfurt am Main 1988 (zuerst 1986)

Seelensitz  (6)  Dem Teil unserer Seele, der nach Speise und Trank Verlangen hat und nach all dem, wofür er auf Grund der Natur des Körpers ein Bedürfnis hat, den siedelten sie zwischen dem Zwerchfell und der in der Gegend des Nabels gezogenen Grenze an, indem sie in diesem ganzen Raume eine Art Krippe für die Ernährung des Körpers herrichteten, und banden hier den so beschaffenen Teil wie ein wildes Tier fest, das aber doch notwendig bei seiner Ankettung ernährt werden müsse, wenn irgendein sterbliches Geschlecht je bestehen solle. Damit es also nun stets an der Krippe sich nähre und soweit wie möglich von dem beratenden Teil entfernt wohne, Lärm und Geschrei möglichst wenig erhebe und den besten Teil in Ruhe über das für alle gemeinsam und auch einzeln Nützliche beraten lasse, darum gaben sie ihm hier seinen Platz.   - Platon, nach (lte)

Seelensitz  (7)  Das, was Schwierigkeiten macht, ist, daß zwei Geister nicht an ein und demselben Orte sein können, nämlich definitiv; und da schon die Seele im Haupte sitzt, wie könnten ebenda Dämonen sein? Da ist denn zu sagen, daß der Sitz der Seele in den Mittelpunkt des Herzens verlegt wird, wo sie allen Gliedern das Leben durch Einfließen mitteilt. Als Beispiel dient die Spinne, die. mitten im Netze sitzend, die Berührung von allen Seiten her spürt.

Weil jedoch Augustinus in dem Buche de spiritu et anima sagt, sie sei ganz im Ganzen und ganz in jedem Teile des Körpers, so kann, angenommen, sie sei im Kopfe, doch der Dämon dort handeln, weil seine Handlung eine andere ist als die Handlung der Seele, da die Handlung der Seele am Körper geschieht, daß sie ihn bilde und ihm Leben gebe; daher ist sie dort gleichsam wie die Form am Stoffe, nicht im Orte; der Dämon aber ist an solchem Teile des Körpers und an solchem Orte, daß er an den Sinnesgestalten handele und ändere. Weil also keine Verwirrung der Handlungen unter ihnen stattfindet, deshalb können sie zugleich in demselben Teile des Körpers sein.  - Jakob Sprenger, Heinrich Institoris: Der Hexenhammer. München 1985 (dtv klassik, zuerst 1487)

Seelensitz  (8)  PSYCHOLOGIE. Wie man aus den Symptomen den Sitz der Leidenschaft finden kann? Rationelle und medicinische Mimik. Zufällige - willkührliche und wesentliche Symptome. Classification der Leidenschaften - Theorie ihrer äußern Symptome.

Der Sitz der Seele ist bald hier, bald dort - bald an mehreren Orten zugleich - er ist veränderlich - und so auch der Sitz ihrer Hauptglieder - die man durch die Hauptleidenschaften kennen lernt. - (bro)

Seelensitz  (9)  Uns stützend auf die Wahrnehmungen und inneren Erregungen (denn diese haben Anspruch auf die sicherste Glaubwürdigkeit), müssen wir zu der Einsicht gelangen, daß die Seele ein feinteiliger Körper ist, der sich auf die ganze Körpermasse verteilt, am treffendsten zu vergleichen mit einem von Wärme durchströmten Hauch, bald diesem (dem Hauch), bald jener (der Wärme) ähnlich. Ein gewisser Teil derselben hebt sich aber von den anderen durch besondere Feinteiligkeit ab und steht eben dadurch in noch engerer Beziehung zu der übrigen Körpermasse. Über diese ganze Körpermasse trafen die Kräfte der Seele die Entscheidung nebst ihren wechselnden Zuständen, ihrer leichten Erregbarkeit, ihren Überlegungen und allem, was, wenn es von uns weicht, unseren Tod zur Folge hat. Auch darf man nicht außer acht lassen, daß es vor allem die Seele ist, die uns zur Wahrnehmung (Empfindung) verhilft. Doch wäre sie dazu nicht imstande, wenn sie nicht von der übrigen Körpermasse dabei unterstützt würde. Die übrige Körpermasse aber, die ihr diesen Dienst leistet, erhält durch sie auch ihrerseits Anteil an dieser Beschaffenheit, wenn auch nicht an allem, was jene besitzt; dahergeht sie auch nach Entweichen der Seele der Empfindung verlustig. Denn sie hatte dies Vermögen nicht durch sich selbst erworben, sondern verdankt es einem ändern mit ihr zugleich entstandenen Wesen, das, sobald es durch das bei ihm selbst entwickelte Vermögen nach Maßgabe der Bewegung die Wahrnehmungsfähigkeit bei sich zur Reife brachte, auch jener (Körpermasse), gemäß der Nachbarschaß und Wechselbeziehung, wie gesagt, daran Anteil gab.

Darum wird denn die Seele, solange sie dem Körper innewohnt, auch wenn irgendein beliebiger anderer Teil in Wegfall gekommen ist, nicht empfindungslos sein; vielmehr wird sie, was auch immer von ihr mit zugrunde gehen mag, bei der völligen oder teilweisen Auflösung ihrer deckenden Schutzhülle, im Besitz der Empfindung bleiben, solange sie überhaupt bleibt. Die übrige Körpermasse aber, die sich ganz oder teilweise erhält, hat keine Empfindung mehr nach Entschwinden derjenigen Atommenge, die zum Wesen der Seele gehört. Indes zerstreut sich mit der Auflösung der gesamten Atomen-masse auch die Seele und hat nicht mehr die nämlichen Kräfte und Erregungen, besitzt also auch nicht mehr das Empfindungsvermögen. Denn man kann sich nicht vorstellen, daß das Empfindende selbst, wenn es nicht dieser seiner Körperfügung mehr innewohnt, auch noch seine ihm eigentümlichen Erregungen besitzt, wo es doch keine schützende Hülle mehr hat von der Art, wie sie ihm bei seiner jetzigen Verfassung zu Gebote steht, um darin jene Erregungen zu erfahren.

[Auch an anderen Stellen sagt er dies und daß sie aus den glattesten und rundesten Atomen bestehe, die sich sehr erheblich von den Feueratomen unterscheiden; und der eine Teil von ihr sei vernunftlos und verteile sich über den übrigen Körper; der vernünftige Seelenteil aber habe seinen Sitz in der Brust, wie sich aus den Erregungen der Furcht und der Freude ergebe. Schlaf trete ein, wenn die über den ganzen Körper verstreuten Seelenteile festgehalten oder zerstreut würden und dann wieder mit denen zusammenfielen, die den Durchgang zu ihnen finden. Der Same ergieße sich von dem ganzen Körper aus. Scholion.]   - Epikur, nach (diol)

Seelensitz  (10) Nach Ansicht der Nutkas hat die Seele die Gestalt eines winzigen Männleins. Ihr Sitz ist der Kopfwirbel. So lange sie aufrecht steht, ist ihr Besitzer gesund und munter. Verliert sie jedoch aus irgend einem Grunde ihre aufrechte Stellung, so geht der Mensch seiner Sinne verlustig. - (fraz)

Seelensitz  (11)  Hatte Cartesius noch die Zirbeldrüse für den Sitz der Seele angenommen, da ihr Äußeres dem Finger Gottes: gelblich, langgestreckt, milde und doch drohend, gleichen mochte, so hatten die Hirnphysiologen festgestellt, wann beim Einstich in die Hirnmasse Zucker im Harn, wann Indigo auftrat, ja wann korrelativ der Speichel floß. Die Psychologie hatte den Begleitcharakter des Gefühls zu den Empfindungen erkannt, den ihnen zustehenden generellen "Wert der Abwehr des Schädlichen in genauen Kurven festgelegt, die Ablesbarkeit der individuellen Differenzen war vollendet. Die Erkenntnistheorie schloß ab, mit der Erneuerung Berke-leyischer Ideen einem Panpsychismus zum Durchbruch zu verhelfen, der dem Wirklichen den Rang kondensierter Begriffe in der Bedeutung geschlechtlich besonders betonter Umwelt zum Zwecke bequemer Arterhaltung zuwies.  - Gottfried Benn, Die Insel. In: G. B., Prosa und Szenen. Ges. Werke Bd. 2. Wiesbaden 1962

 

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