chwur  Mit der Kalebasse in der Hand trat er auf mich zu.  In der anderen Hand hielt er einen kurzen Stock. »Wie heißt du. Junge?« fragte er mich in einem Ton, wie ihn ein großer, reicher Mann gebraucht, wenn er mit einem spricht, der klein und arm ist.

»Mein Name ist Mopo«, antwortete ich.

»Und wie ist der Name deines Volkes?«

Ich nannte ihm den Namen meines Stammes, des Stammes der Langeni.

»Gut, Mopo; und jetzt will ich dir meinen Namen nennen. Ich bin Chaka, Sohn von Senzangacona, und mein Volk wird die Amazulu genannt. Und noch etwas will ich dir sagen; Ich bin jetzt noch klein, und mein Volk ist ein kleines Volk. Aber ich werde groß werden, so groß, daß man meinen Kopf in den Wolken nicht mehr sehen kann; du wirst zu ihm aufblicken und ihn doch nicht sehen können.

Mein Gesicht wird deine Augen blenden; denn es wird strahlen wie die Sonne. Und wenn ich groß bin und mein Volk groß ist und wir die Erde flachgetrampelt haben, so weit, wie ein Mensch gehen kann, dann werde ich mich an deinen Stamm erinnern - an den Stamm der Langeni, der mir und meiner Mutter einen Becher Milch verweigerte, als wir durstig und müde waren. Siehst du diese Kalebasse? Für jeden Tropfen, den sie enthalten kann, soll das Blut eines Mannes fließen - das Blut eines eurer Männer. Doch weil du mir Wasser gegeben hast, will ich dich verschonen, Mopo, und nur dich, und dich groß machen unter mir. Du sollst in meinem Schatten fett werden. Nur dir, dir allein, werde ich niemals etwas antun, auch wenn du gegen mich sündigst, das schwöre ich dir. Doch was diese Frau betrifft« - und er deutete mit dem Stock auf meine Mutter -, »so soll sie sich beeilen und bald sterben, damit ich sie nicht lehren muß, nach wie langer Zeit der Tod von mir kommen kann. Ich habe gesprochen.« Und er knirschte mit den Zähnen und schüttelte seinen Stock gegen uns. - Henry Rider Haggard, Nada die Lilie. München 1980 (zuerst 1892)

 

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