chwingung   Es gab die anderen weiblichen Geschlechts. Das Wasser vermittelte eine besondere Schwingung, so etwas wie frin-frin-frin, ich erinnere mich noch, wie ich's zum ersten Mal bemerkte, das heißt, nicht zum ersten Mal, sondern ich erinnere mich daran, wie ich merkte, daß ich es bemerkte, wie etwas, von dem ich schon immer gewußt hatte. Bei der Entdeckung ihrer Existenz packte mich eine große Neugierde, nicht so sehr, sie zu sehen, und nicht einmal, von ihnen gesehen zu werden - denn erstens hatten wir noch kein Sehorgan, und zweitens waren die Geschlechter noch nicht differenziert, jedes Individuum war mit jedem andern Individuum identisch, und einen andern oder eine andere anzusehen, hätte mir ebensoviel Vergnügen bereitet, wie mich selber anzusehen -, sondern die Neugierde, zu erfahren, ob sich zwischen mir und ihnen etwas ereignen würde. Mich ergriff ein Verlangen, nicht, etwas Besonderes zu tun, wozu keine Veranlassung bestand, da ich wußte, daß es nichts Besonderes zu tun gab und auch nichts, was nichts Besonderes gewesen wäre, sondern jene Schwingung auf irgendeine Weise mit einer entsprechenden Schwingung zu beantworten oder, besser gesagt: mit einer ganz persönlichen Schwingung meinerseits, denn damit erfolgte etwas, das nicht genauso war wie das andere, das heißt, jetzt könntet ihr mir etwas von Hormonen erzählen, für mich aber war es wirklich schön.

Eine von ihnen stieß also ihre Eier aus, slif-slif-slif, und ich befruchtete sie, sluff-sluff-sluff: das alles da unten im Meer miteinander vermischt im lauen Wasser unter der Sonne, und ich habe euch noch nicht erzählt, daß ich die Sonne verspürte, sie ließ das Meer lau werden und erwärmte mein Felsenriff.  - Italo Calvino, Kosmokomische Geschichten. Frankfurt am Main 1969 (zuerst 1965)

Schwingung (3)  Töne entstehen bei Schwingungen, die in gleichen Zeiten wiederkehren. Die halbe Zahl der Schwingungen in der nämlichen Zeit gibt den Ton eine Oktave tiefer, der vierte Teil zwei Oktaven, usf. Zuletzt kommen Schwingungen heraus, die einen Tag, ein Jahr, ein ganzes Menschenleben, dauern. Vielleicht sind diese von großer Wichtigkeit.

Die Umdrehung der Erde um ihre Achse zum Beispiel mag einen bedeutenden Ton machen, d. i., die Schwingung ihrer inneren Verhältnisse, die dadurch veranlaßt ist; der Umgang um die Sonne einen zweiten, der Umlauf des Mondes um die Erde einen dritten, usw. Hier bekommt man die Idee von einer kolossalen Musik, von der unsere kleine gewiß nur eine sehr bedeutende Allegorie ist. Wir selbst, Tier, Pflanze, alles Leben, mag in diesen Tönen begriffen sein. Ton und Leben werden hier eins. Unser Ton ist multipliziertes, oder in Potenzen von zwei potenziertes Leben. Es wird einst hohes Interesse haben, das Verhältnis des Tones, den Schlucken, Schlingen, Pulsschlag, usw., und ebenso die Voltaische Säule, in uns hervorbringen, zu jenen größeren Grundtönen, oder doch einem von ihnen, zu erhalten. Die Saite jenes Grundtons wird die Erde sein; ihre Dichtigkeit und Geschwindigkeit etc. wird das Moment ihres Tones geben. Diese Musik kann, als Harmonie, wohl nur in der Sonne gehört werden. Der Sonne ist das ganze Planetensystem ein musikalisches Instrument. Den Sonnenbewobnern mag sein Tönen als bloße Lebensfreude erscheinen, dem Sonnengeist selbst aber als höchster wahrester Ton.  - (rit)

 Bewegung

 

Oberbegriffe
zurück 

.. im Thesaurus ...

weiter im Text 
Unterbegriffe

 

Verwandte Begriffe
SchaukelZittern
Synonyme
Vibration