chönheit, orientalische  Ihre Nase ist wie des gefegten Schwertes Schneide; ihre Wangen sind wie Purpurwein, ja, wie rote Anemonen sind sie beide. Ihre Lippen scheinen Korallen und Karneole zu sein; der Tau ihres Mundes ist lieblicher als alter Wein, und sein Geschmack löscht die Feuerpein. Ihre Zunge bewegt ein reicher Verstand; stets ist ihr eine Antwort zur Hand. Ihr Busen berückt einen jeden, der ihn erblickt - Preis sei Ihm, der ihn geschaffen und gebildet hat! - Und an ihn schließen sich zwei runde Arme an, deren Lob einst der verzückte Dichter kundgetan:

Zwei Arme - hätten sie nicht an Spangen ihren Halt,
So flössen sie aus den Ärmeln mit eines Stromes Gewalt.

Und sie hat zwei Brüste wie Kästchen aus Elfenbein, von deren Glänze Sonne und Mond ihr Licht entleihn; und einen Leib mit Falten so zart wie ein koptisches Gewebe von ägyptischer Art, gewirkt mit einer Faltenzier gleich dem gekräuselten Papier. Der schließt sich an einen schlanken Rumpf, undenkbar dem menschlichenVerstand, über Hüften gleich Hügeln aus Wüstensand; die ziehen sie nieder, wenn sie aufstehen will, und wecken sie, wenn sie schlafen will, wie der Dichter so trefflich von ihnen sagt:

Die Hüften hängen ihr an einem zarten Rumpfe,
Und diese Hüften handeln schlecht gegen sie und mich.
Sie halten stets mich fest, wenn ich nur an sie denke.
Und ziehen sie herab zum Boden, erhebt sie sich.

Und diese Hüften werden getragen von zwei Schenkeln, rund und weich, und zwei Waden, Perlensäulen gleich. All dies wiederum ruht auf zwei zarten Füßen, schlank und scharf wie die Spitzen von Spießen, dem Werke Gottes, dessen Schutz und Vergeltung wir genießen. Und immer staune ich deswegen, wie sie in ihrer Kleinheit all das, was darüber ist, zu tragen vermögen. Ich habe meine Beschreibung kurz gemacht, weil ich fürchte, sie würde sonst zu lange dauern.  - (1001)

Schönheit, orientalische (2)

Schönheit, orientalische (3)  Hassan verwandte kein Auge von der Schönsten der Schönen, deren Schönheit selbst über seine Einbildungskraft gieng. Einen Mund sah er, der wie das Siegel Salomo's gebildet war, Haare, lang und schwarz, wie eine stürmische Winternacht. Die Augen wetteiferten mit den Augen der Gaselle, ihren Wangen gegenüber verschwand die Farbe der Anemonen. Ihre Zähne waren Perlen in einer Korallenmuschel, und ihr Busen zeigte zwey Orangen, die die Farbe und Dichtheit eines blanc manger hatten. Ihre zarte und an-muthige Taille, die einem Zweige des Baums Ban glich, ruhte auf Hüften, deren Fülle und Weiße noch die des Straußes übertraf. Hier sah man, wie der Dichter sagt: »Eine weiße und runde Hand wie Wachs mit Honig gemischt, Augen schwarz und durchdringender wie ein indisches Schwerdt. Man wagte es, ihre Wangen mit der Rose zu vergleichen, allein sie ward darüber unwillig. Gleicht, sagte sie, die Farbe der Rose der meinigen? Sollte der Granatapfel es wagen, sich mit den Äpfeln meines Busens zu vergleichen? Im Garten sind Rosen und Granatäpfel für diejenigen, die sie verlangen. Allein wer sollte es wagen, die Rosen und Granatäpfel meines Gartens zu begehren?«   - (101)

Schönheit, orientalische (4)  

Schönheit, orientalische (5)

Schönheit, orientalische (6)   Die Tür ward geöffnet, und die beiden Flügel schlugen zurück. Da schaute der Träger hin, wer sie geöffnet hatte; und siehe, es war eine Dame von stattlichem Wuchs, etwa fünf Fuß hoch, mit schwellendem Busen, von Schönheit und Anmut, vollkommenem Liebreiz und ebenmäßiger Gestalt. Ihre Stirn war blütenweiß, ihre Wangen hellrot wie die Anemone, ihre Augen wie die der wilden Färse oder der Gazelle, und ihre Brauen wie der Neumond des gesegneten Fastenmonats; ihr Mund war wie der Ring Salomos, ihre Lippen korallenrot und ihre Zähnchen wie eine Schnur von Perlen oder wie Blätter der Chrysanthemumblüte. Ihr Hals glich dem der Antilope, ihr Busen einem Marmorbecken, und ihre Brüste glichen zwei Granatäpfeln ; ihr Leib war weich wie Samt, und die Höhle ihres Nabels hätte eine Unze Benzoesalbe gefaßt. - (1001)

Schönheit, orientalische (7)   E. W. LANE teilt eine arabische Beschreibung weiblicher Schönheit mit, die in neun Tetraden gegliedert ist: Four things in a woman should be black, — the hair of the head, the eyebrows, thc eyclashes, and the dark part of  the eyes; four white, — the complexion of the skin, the white of the eyes, the teeth, and the legs;   four red, — the tongue, the lips, the middle of the cheek, and the gums; four round:— the head, the neck, the forearms, and the ankles; four long, — the back, the fingers, the arms, and the legs; four wide,— the forehead, the eyes, the bosom, and the hips; four fine,— the eyebrows, the nose, the lips, and the fingers ; four thick,— the lower part of the back, the thighs, the calves of the legs, and the knees; four small,— the ears, the breasts, the hands, and the feet.  -  Nach: Ernst Robert Curtius, Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. Bern und München 1969 (zuerst 1948)
 
 

Schönheit Orientalib

 

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