chmarotzer   Mitesser, zweihändiger Faulsack, Durchausnichtselbstversorger, gesetzlich geschützter Menschenschinder. Zu den S. gehören alle Übermenschen und alle von ihnen erzeugten Sklaven (s. Schmeichler; Faulheit, Oberlehrer; Gemütsschwein, Verschwender, Verbrecher, Dame). Den S. erkennt man daran, daß er sich ohne Gesetze nicht denken kann. Der letzte S. verschwindet mit dem Fall der letzten Sperre. - (se)

Schmarotzer (2) Der niedrige Begriff, welchen wir mit dem Schmarotzerthum verbinden, wird durch die Untersuchung der parasitischen Thiere und Pflanzen nur zum Theil gerechtfertigt. Wir können die Vorstellung nicht zurückweisen, daß in der menschlichen Gesellschaft ein Individuum, das, ohne selbst etwas Nützliches zu leisten, nur auf Kosten Anderer leben will, das seine Existenz nur erhält, indem es die Existenz anderer beeinträchtigt, ein schädliches, jedenfalls widriges Wesen sei. Schmarotzer in der menschlichen Gesellschaft lassen neben niederer Gesinnung öfters auch niedrige Begabung erkennen, bei den Schmarotzern in der Natur kann letzteres Moment vorhanden sein oder nicht. - Maximilian Perty, Über den Parasitismus in der organischen Natur, 1869, nach (para)

Schmarotzer (3) Daß es kein Privateigentum an Grund und Boden und an sonstigen lebenswichtigen Nahrungsquellen gab, bedeutet, daß es bei den vorgeschichtlichen Jäger- und Sammlergemeinschaften, die in Horden und kleinen Dörfern zusammenlebten, wahrscheinlich eine Art Kommunismus gab. Vielleicht sollte ich betonen, daß dies die Existenz von Privateigentum nicht ausschließt. Die Angehörigen einfacher Gesellschaften, die hordenförmig oder dorfgemeinschaftlich organisiert sind, verfügen über bewegliches Eigentum wie Waffen, Kleider, Behältnisse, Schmuck und Werkzeuge. Aber warum sollte ein anderer diese Dinge stehlen wollen? Menschen, die im Busch kampieren und viel umherziehen, haben keine Verwendung für überflüssige Besitztümer. Und da die Gruppe nur aus einigen Dutzend Leuten besteht und jeder jeden kennt, lassen sich gestohlene Gegenstände auch nicht unbemerkt benutzen. Wenn man etwas haben möchte, tut man besser daran, offen darum zu bitten; denn nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit können solche Bitten nicht abgeschlagen werden.

Ich möchte nicht den Anschein erwecken, als wäre in den egalitären Horden und Dorfgemeinschaften das Leben völlig ohne Meinungsverschiedenheiten in Eigentumsfragen verlaufen. Wie in jeder gesellschaftlichen Gruppe suchten auch hier Außenseiter und Unzufriedene das System zum eigenen Vorteil und zum Schaden der anderen auszunutzen. Das machte sie zwangsläufig zu Schmarotzern, zu Leuten, die beständig mehr nahmen, als sie gaben, und auf der faulen Haut lagen, während die anderen arbeiteten. Aber trotz fehlender Justiz fand solch ein Verhalten schließlich seine Strafe. Nach einer weitverbreiteten Glaubensvorstellung bei Völkern, die in Horden oder Dorfgemeinschaften leben, lassen sich Tod und Unglück auf die Machenschaften übelwollender Zauberer zurückführen. Diese Missetäter ausfindig zu machen, ist Sache der Schamanen, die während der Trance, in die sie zum Wahrsagen verfallen, empfänglich bleiben für die öffentliche Meinung. Wer beliebt ist und die entschiedene Unterstützung seiner Familie genießt, braucht keine Angst zu haben, daß der Schamane ihn beschuldigen wird. Aber zänkische, kleinliche Leute, die weniger geben, als sie nehmen, oder die aggressiv sind und kein Blatt vor den Mund nehmen, die sollten sich vorsehen. - (mensch)

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