Rattenfänger  Trotz seines unnahbaren Äußeren war in ihm viel Güte und Feingefühl. Er liebte die Musik sehr und verstand auch viel davon, sein Lieblingskomponist war Bach. Er selbst war sehr musikalisch. Manchmal fanden sich bei mir ein paar Leute zusammen, und wenn Esther Papernaja und Daniil Charms dabei waren, sangen sie Lieder von Bellman, alte Soldatenlieder, englische Volkslieder u. a. m. Bis heute höre ich die Stimme von Charms, wie er mit Esther ein englisches Lied über die Seeleute singt, die erzählen, wie sie alle wegen einer Meerjungfrau ertranken.

Die Kinder ließen sich von Daniil Charms' finsterem Aussehen nicht täuschen. Sie hatten ihn nicht nur sehr gern, er verzauberte sie förmlich. Ich habe Charms oft auftreten sehen und hören. Und immer das gleiche. Der Saal lärmt. Daniil Charms kommt auf die Bühne und murmelt etwas. Nach und nach werden die Kinder still. Charms spricht nach wie vor leise und finster. Die Kinder lachen prustend. Dann verstummen sie - was sagt er? Daraufhin verkündet Charms laut und deutlich: ›Wie Papa mir einen Iltis schoß.‹ Mit diesem Gedicht begann er gewöhnlich seinen Auftritt. Dann konnte er mit den Kindern machen, was er wollte - sie schauten ihm atemlos auf den Mund, völlig gefangen vom Wortspiel, vom Zauber seiner Gedichte, von ihm selbst.

Einmal in einem Pionierlager, von wo es ein ziemlich weiter Weg bis zum Bahnhof war, erhoben sich nach seinem Auftritt alle seine Zuhörer und folgten ihm, wie dem Rattenfänger von Hameln, bis zum Zug, standen da und sahen ihm nach, wie er abfuhr.   - Nina Gernet, Nachwort zu (charms)

 

Ratte Fangen

 

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