ythagoras  Aristoteles berichtet, Pythagoras sei von den Krotoniaten Apollon Hyperboreios genannt worden. Weiter sagt er, der Sohn des Nikomachos: Pythagoras wurde einst an ein und demselben Tage und zu ein und derselben Stunde von vielen Menschen sowohl in Metapont als auch in Kroton gesehen und in Olympia, wo er sich während der Spiele erhob und einen seiner Schenkel zeigte, der golden war. Aristoteles erzählt auch: Als Pythagoras einmal den Kosa überschritt, habe der Fluß ihn begrüßt, und viele hätten, so sagt er, diesen Gruß gehört. - (ael)

Pythagoras (2) suchte den Menschen zu beweisen, daß er aus besserem Samen erwachsen sei als sterbliche Wesen sonst. Denn an ein und demselben Tage wurde er, wie er behauptet, zu ein und derselben Stunde in Metapont und in Kroton gesehen. Und in Olympia zeigte er seinen einen goldenen Schenkel. Und den Myllias aus Kroton erinnerte er daran, daß er der Phryger Midas, der Sohn des Gordios, sei. Er streichelte auch den weißen Adler, und der ließ sich dies von ihm gefallen. Und als er den Fluß Kosa überschritt, sprach der Fluß ihn an und sagte zu ihm: "Sei gegrüßt, Pythagoras!"

Pythagoras behauptete, am heiligsten sei die Malve. Ferner sagte er, das Weiseste sei die Zahl, gleich nach ihr der, der den Dingen die Namen gegeben habe. Den Ursprung der Erdbeben führte er auf nichts anderes als auf Versammlungen von Toten zurück. Der Regenbogen aber, sagte er, ist der Glanz der Sonne. Und die Töne, die häufig an unsre Ohren dringen, sind die Stimmen der Götter. Es war nicht möglich, ihm gegenüber irgend etwas in Zweifel zu ziehen oder über etwas, was er gesagt hatte, weitere Fragen zu stellen; man hörte damals auf seine Worte wie auf ein göttliches Orakel. Wenn er in den Städten umherreiste, verbreitete sich der Ruf, Pythagoras sei nicht gekommen, um zu lehren, sondern um zu heilen.

Pythagoras schrieb auch vor, daß man kein Herz essen solle, keinen weißen Hahn und vor allem kein Aas. Ferner solle man nicht ins Bad gehen und nicht die Landstraßen benutzen; denn es sei nicht sicher, ob diese rein seien. - (ael)

Pythagoras (3), Gelehrter aus Samos; geboren um 570 v. o; verläßt die Insel unter der Herrschaft des Polykrates um 532 v. o und gründet im unteritalischen Kroton einen religiös-wissenschaftlichen Bund, dessen politische Aktivitäten schließlich mit Waffengewalt bekämpft werden; noch im hohen Alter übersiedelt Pythagoras deshalb nach Metapontion am Golf von Tarent; stirbt dort um 497 v. o. Weil er keine seiner Lehrmeinungen aufzeichnete, um die Weitergabe des Wissens an Unberufene zu verhindern, läßt sich dieses Wissen nur noch als allgemeines Gedankengut der Pythagoreer darstellen (wie etwa die Lehre von der Seelenwanderung und von der Kugelgestalt der Erde, physikalische und mathematische Gesetze etc.). Im fünfzehnten Buch der Metamorphoses läßt  Ovid den Gelehrten mit einer großen Rede auftreten, die den philosophisch-religiösen Hintergrund aller Verwandlungen beschreibt. - Ovidisches Repertoire, in: Christoph Ransmayr, Die letzte Welt. Frankfurt am Main 1988

Pythagoras (4) Pythagoras erlernte, wie allgemein bekannt, während seines Aufenthalts in Indien die Sprache der Tiere und die der Pflanzen an der Schule der Gymnosophisten. Als er eines Tages auf einer Wiese am Meer spazierenging, hörte er die folgenden Worte: »Wie unglücklich bin ich doch, daß ich als Grashalm geboren wurde. Kaum habe ich eine Höhe von zwei Zoll erreicht, so kommt ein gefräßiges Ungeheuer, ein fürchterliches Tier, daher, das mich mit seinen riesigen Füßen zertrampelt. Sein Maul ist mit scharfen Sicheln versehen; damit schneidet es mich ab, zerreißt und verschlingt mich. Die Menschen nennen dieses Untier ›Schaf‹. Ich glaube, auf der ganzen Welt gibt es kein abscheulicheres Geschöpf

Pythagoras ging einige Schritte weiter und fand eine Auster, die geöffnet auf einem kleinen Felsen lag. Pythagoras hatte sich jenes vortreffliche Gesetz noch nicht zu eigen gemacht, nach dem es verboten ist, die Tiere, die ja unseresgleichen sind, zu essen. Gerade wollte er die Auster ausschlürfen, als diese jene rührenden Worte sprach: »O Natur ! Wie glücklich ist doch das Gras, das genau wie ich dein Werk ist. Wenn es geschnitten worden ist, wächst es nach, es ist unsterblich. Doch wir armen Austern! Vergebens sind wir zu unserem Schutz mit einem doppelten Panzer versehen; dutzendweise verspeisen uns irgendwelche Schurken zum Essen, und es ist für immer um uns geschehen. Welch furchtbares Schicksal hat eine Auster, und was für Barbaren sind doch die Menschen!«

Pythagoras erschrak; er fühlte, was für ein ungeheuerliches Verbrechen er gerade hatte begehen wollen. Unter Tränen bat er die Auster um Verzeihung und legte sie behutsam auf ihren Felsen zurück.

Während er noch über diese Begebenheit nachsann, sah er auf dem Rückweg in die Stadt Spinnen, die Fliegen fraßen. Schwalben, die Spinnen verzehrten, Sperber, die Schwalben verspeisten. »Alle diese Geschöpfe«, sagte er zu sich, »sind keine Philosophen.« - (vol2)

Fabelmenschen Philosoph Mathematiker
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