rophezeiung    "Hier will ich mit euch sprechen," sagte die Durand und band uns los. "Du, Clairwil," sagte sie und heftete ihren Blick auf deren Blut in der Schale, "du siehst, ich kenne deinen Namen" ohne daß du mir ihn genannt hast. Du wirst nur noch fünf Jahre leben. Du hättest sechzig Jahre gelebt ohne die Ausschweifungen, denen du huldigst. Dein Reichtum wird in dem Maße zunehmen, als deine Gewohnheit entschwinden wird, und am Tage, wo der Bär die Wage passiert, wirst du die Blumen des Frühjahrs vermissen." "Ich verstehe dich nicht," sagte Clairwil. "Schreibe dir meine Worte auf, eines Tages wirst du sie richtig finden." Meine Freundin schien sehr besorgt. "Du, Juliette, woher weiß ich deinen Namen, du wirst durch einen Traum aufgeklärt werden. Ein Engel wird erscheinen und wird dir die unverständlichen Wahrheiten enthüllen, aber was ich dir jetzt schon sagen kann, ist: Wo das Laster endet, beginnt das Unglück."

In dem Moment erhob sich eine dichte Wolke im Zimmer. Die Durand verfiel in Synkope, sie schrie, wandte sich in Krämpfen, so daß sich ihr schwerer Körper ganz enthüllte, und kam erst wieder zu sich, als die Wolke entschwand. Sie hinterließ im Zimmer einen Duft von Ambra und Schwefel.  - (just)

Prophezeiung (2)
 

Einmal kommt - ich habe Zeichen -
Sterbesturm aus fernem Norden.
Überall stinkt es nach Leichen.
Es beginnt das große Morden.

Finster wird der Himmelsklumpen,
Sturmtod hebt die Klauentatzen.
Nieder stürzen alle Lumpen.
Mimen bersten. Mädchen platzen.

Polternd fallen Pferdeställe.
Keine Fliege kann sich retten.
Schöne homosexuelle Männer
kullern aus den Betten.

Rissig werden Häuserwände.
Fische faulen in dem Flusse.
Alles nimmt ein ekles Ende.
Krächzend kippen Omnibusse.

- Alfred Lichtenstein, nach (mus)

Prophezeiung (3)   Gegen niemand war Vitellius so aufgebracht wie gegen die Verfasser von Spottgedichten und die Astrologen, die er auf jede beliebige Anzeige ohne Verhör mit dem Tode bestrafte. Der Grund zu seiner Erbitterung war, daß unmittelbar nach Bekanntmachung seines Ediktes, nach welchem bis zum ersten Oktober alle Astrologen Rom und Italien zu verlassen hätten, sofort folgender Anschlag erschien: „Auch die Chaldäer geben hiermit ihrerseits durch Edikt bekannt: Von Amts wegen! Bis zu dem gleichen ersten Oktober wird kein Vitellius Germanicus mehr auf der Welt sein."  - (sue)

Prophezeiung (4)  Es handelt sich um große Bände in feinstem Leder und mit einem unbekannten Alphabet geschrieben, das gewiß nicht chaldäisch, nicht aramäisch und nicht Targum ist. Die Mönche auf der hohen Felsspitze verbringen ihr Leben damit, sie zu übersetzen, denn sie sind nun noch die einzigen auf der Welt, die diese seltsamen, vor undenklichen Zeiten verfaßten Schriften entziffern können. Nun gut, die große Überraschung meines Freundes Astafali bei seinem Besuch im Kloster war, zu hören, daß diese Mönche das Volk der Gamuna aus gutem Grund nannten. Nicht weil sie es etwa kannten, sondern weil in ihren Büchern auf ein solches Volk hingewiesen wird - das Volk der Cá-mu-ná, das die Welt als ein Phänomen der Fata Morgana begreift und genau weiß, daß diese Halluzination von einem Augenblick auf den anderen aufhören muß. Nach der Ansicht der bärtigen Mönche verkörpern die Gamuna eine Prophezeiung, die aus dem Urgrund der Zeiten kommt; eigentlich kündige ihre Existenz das bevorstehende Ende der Welt an.   - (fata)

Prophet

 

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