Polyphem  »Du kennst die Allerschönste, George. Du hast's gerade erst gestern dem Apfel verpaßt.

Der Penis eines Mannes ist das Allerschönste, was es für ihn auf der Welt gibt. Vom Tage seiner Geburt an bis zu dem Tag, an dem er stirbt. Er verliert niemals seine unendliche Faszination. Und, Baby, ich mein's ernst, dasselbe gilt für jede Frau und ihre Vulva. Das ist das nächste zu einer wirklichen, blinden, hilflosen Liebe und religiöser Verehrung, zu der die Leute fähig sind. Aber sie würden lieber sterben, als das zuzugeben. Homosexualität, das Verlangen zu töten, Sado-Phantasien, Masochismus, Transvestitentum, alles Unglaubliche, dem du einen Namen geben kannst, all das werden sie in einer Gruppentherapie-Sitzung bekennen. Aber jener tief begrabene ständige Narzismus, jene sich ständig wiederholende geistige Masturbation, das ist die früheste und mächtigste Barriere. Sie werden es nie eingestehen!

«Nach dem, was ich an psychiatrischer Literatur gelesen habe, dachte ich immer, die meisten Leute hätten, was ihre Genitalien angeht, eher zimperliche und negative Gefühle.»

«Das, und ich zitiere wieder Freud, ist eine Reaktions-Formung. Die allererste emotionale Färbung, vom Tag an, an dem das Kleinkind jene unglaublichen Wonnezentren entdeckt, besteht aus fortwährendem Erstaunen, Ehrfurcht und Beglücktsein. Soviel die Gesellschaft auch versucht, das zu zerstören, zu unterdrücken. Zum Beispiel hat jeder Mensch einen Kosenamen für sein Genital. Welches ist deiner?»

«Polyphemus», gestand er. «Was?»

«Weil er einäugig ist, weißt du? Auch reimt sich Polyphemus mit Penis. Ich meine, ich kann mich nicht erinnern, in was für einer geistigen Verfassung ich mich befand, als ich den Namen in frühen Teenager-Tagen erfand.»

«Polyphemus war doch auch ein Riese, oder? Fast ein Gott. Siehst du jetzt, was ich mit der allerersten emotionalen Färbung meine? Das • ist der Ursprung jeder Religion. Verehrung deiner Genitalien sowie'! der Genitalien deines Liebhabers oder deiner Liebhaberin. Dort ist Pan Pangenitor und die Große Mutter.»

«So», sagte George eulenhaft und wußte immer noch nicht, ob dasx alles tiefschürfend war oder bloßer Nonsens, «gehört die Erde unseren'{ Genitalien?»

«Ihren Sprößlingen und den Sprößlingen ihrer Sprößlinge, undso-weiter und weiter in alle Ewigkeit. Die Welt ist ein Verb und kein Su stantiv.» 

« Das Allerschönste ist drei Millionen Jahre alt.» - (ill2)

Polyphem (2, japanischer)

- Toyokuni Hitotsume

Polyphem (3, klassischerr)

Einäugigkeit Stirnauge Zyklop

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