Pisser

Max Klinger: Pissender Tod

- Max Klinger

Pisser (2)

- (tomk)

Pisser (3)

Who's nextWho's next

- The Who ("Who's next", ca. 1970)

Pisser (4) Einer, der von Adelsprahlerei wie besessen war, entdeckte, daß die Umgebung des Versailler Schlosses wie von Urin verpestet war. Er befahl seinen Dienern und Vasallen, auch bei seinem Schloß Wasser zu lassen. - (Chamfort)

Pisser (5) Ich muß pissen. Vom Zug ist noch nichts zu hören, und am Straßenrand gibt es genügend Büsche und Nebel, um sicher zu sein, daß man in Ruhe pinkeln kann, geschützt vor den Blicken der Kolonne von Autos, Motorrädern, Fahrrädern und Lkws, die auf den Zug warten. Die Drohung der Kälte und die Möglichkeit, daß der Zug doch plötzlich auftauchen könnte, lassen ihn eine letzte Probe machen. Er strengt sich an zu pissen und preßt dann die Schließmuskeln zusammen, um den verborgenen Fluß einzuhalten. Es gelingt ihm jedoch nicht ganz, und ein paar Tropfen hüpfen wie aufgeregte goldgelbe Funken über das Schweißtuch der Unterhose.

Also bleibt ihm nichts anderes übrig. Er springt aus dem Auto, zieht die Schultern hoch, wie um den Körper gegen das Gewicht der Kälte zu stemmen, und verschwindet mit kleinen Sprüngen, die elastisch wirken sollen, am Straßenrand im Gebüsch. Er sieht sich mehrmals um und prüft, ob ihn die auf der Straße Wartenden sehen können. Der verborgene Fluß verlangt dringend nach Befreiung, als genieße er es auf sadistische Weise, seinen Herrn und Sklaven unter Druck zu setzen. »Ist ja gut, ist ja gut«, sagt der Mann halblaut. Seine Augen haben schon den breiten Stamm einer Linde ausgemacht; die Finger ziehen den Reißverschluß nach unten. Als suche er einen lebendigen, zarten und mit Vorsicht zu behandelnden Körper, vielleicht eine Taube, steckt er seine rechte Hand in den Schritt, dringt vor zur seitlichen Öffnung des Slips und packt das heiße, dicke Geschlecht. Ohne die Wachsamkeit zu verringern, mit der er sich nach allen Richtungen umsieht, hält der Mann sein Glied mit zwei Fingern, während die übrigen ein Dach über ihm bilden, besser gesagt, einen Baldachin, für die quasi religiöse Andacht, mit der er sein Wasser läßt. Je mehr er sich von dem drängenden Druck befreit, desto euphorischer wird er, und es ist ihm bereits egal, ob jemand herschaut oder nicht.

Er versucht, den Stamm nach einem bestimmten System zu benässen, aber sein Blick bleibt an einer seltsamen, fast in der Erde versunkenen Form am Boden hängen, die der Pißstrahl immer mehr freilegt, wie die Spitze eines Elektrobohrers, und vor den immer größer werdenden Augen von Joan de can Gubern kommt eine Hand zum Vorschein. Die Augen bleiben einen Moment lang ruhig, als versuchten sie, eine vernünftige Erklärung zu finden, aber dann setzen sie sich in Bewegung und eilen von der Hand zum dreckverkrusteten Ärmel eines Jacketts, in dem der Arm eines Mannes steckt; dann zu dem Mann selbst, der mit dem Gesicht nach unten liegt und fast völlig mit Erde, Rauhreif und Gestrüpp bedeckt ist. Joan Guberns Geschlecht hängt schlaff herab, in der Kälte geschrumpft mit sozusagen unmenschlicher Geschwindigkeit. Er denkt: Ich muß schreien. Aber das Donnern des Zuges und die Erinnerung an sein Auto, das noch auf der Straße steht und nun den Verkehr behindert, läßt ihn den Schrei unterdrücken. Er stopft den Penis lieblos in seine Hülle und hastet zur Straße zurück. - Manuel Vázquez Montalbán, Die Einsamkeit des Managers. München 1977

Pisser (6)

Die kleinen Grünen Männchen: Pat Mallet

- Pat Mallet, Gelegenheit macht Liebe. Das scharfe Buch der kleinen grünen Männchen. Frankfurt am Main 1989 (Fischer-Tb. 8337, zuerst 1975 ff.)

Pisser (7)

- Aus: Songes drolatiques de Pantagruel, 1565, nach (fisch)

Pisser (8) Ich ward plötzlich um Mitternacht durch das Geschrei mehrerer Hunderte vor meiner Tür aufgeweckt und geriet wirklich in Schrecken. Ich hörte das Wort Burglum unaufhörlich wiederholt; mehrere Hofleute des Kaisers drängten sich durch den Menschenhaufen und baten mich, sogleich zum Palaste zu kommen, wo in den Zimmern Ihrer Majestät der Kaiserin durch die Sorglosigkeit einer Ehrendame eine Feuersbrunst ausgebrochen war. Diese hatte nämlich einen Roman im Bette gelesen und war dabei eingeschlafen. Sogleich sprang ich auf; Befehle wurden erteilt, mir aus dem Wege zu gehen. Da nun auch gerade der Mond schien, bemühte ich mich, zum Palaste zu gelangen, ohne die Menschen zu zertreten. Wie ich fand, hatte man schon Leitern an die Gemächer angelegt und sich mit Feuereimern zur Genüge versehen, allein das Wasser war von dem Orte der Feuersbrunst ziemlich weit entfernt. Die Feuereimer waren von der Größe eines starken Fingerhuts, und die armen Leute lieferten mir so viel und so schnell, wie es ihnen nur möglich war; allein die Flamme war so heftig, daß dies nicht viel half. Ich würde das Feuer mit meinem Rock leicht erstickt haben, allein unglücklicherweise hatte ich ihn in der Hast zurückgelassen und trug nur ein ledernes Wams.

Der Fall schien verzweifelt und beklagenswert, und der prächtige Palast würde unfehlbar niedergebrannt sein, hätte ich nicht plötzlich Geistesgegenwart gezeigt, wie sie mir sonst nicht gewöhnlich ist. Am Abend zuvor hatte ich sehr viel von einem köstlichen Weine, mit Namen Glimigrim, getrunken (die Blefuscuer nennen ihn Flunek, aber man hält unsere Sorte für die bessere), welcher sehr diuretisch wirkt. Höchst glücklicherweise nun hatte ich mich noch gar nicht entledigt. Die Hitze, der ich mich aussetzte, indem ich nahe an die Flamme trat und sie zu löschen suchte, bewirkte, daß der Wein auf die Urinorgane Einfluß äußerte; ich entledigte dieselben von einer solchen Masse, die ich auch auf die passendsten Orte geschickt hinrichtete, daß die Feuersbrunst in drei Minuten gelöscht und jener schöne Palast, dessen Bau so viele Menschenalter erfordert hatte, von gänzlicher Zerstörung errettet ward. - (gul)

Pisser (9) daraufhin fuhr ich in den Zoo, angetan mit einem herrlichen Anzug, den ich von einem Krummbeinigen geerbt hatte, der Maßhosen tragen mußte, ansonsten jedoch paßte mir das Anzügchen wie einer Dollarvenus, also wie ich so in dem Zoo vor dem Löwenkäfig stehe, wendet sich der Löwe blitzschnell um und tschiii! schon hatte ich einen halben Liter Urin in meiner Frisur, bei dem Löwen reichte es sogar noch dazu, zwei Slowakinnen zu begießen, eine Woche lang mußte ich mich parfümieren, so ein Gestank war das, die Schönen in der City-Bar rochen dauernd an mir und spitzten die Ohren, ob ich nicht bei anderen gewesen sei, damals gab es kein Fernsehen, die Menschen mußten alles selber machen - (hra)

Pisser (10) Der Beschreibung zufolge war Brankovic mit einigen Reitern in der Nähe der Donau zufällig auf eine starke türkische Abteilung gestoßen. Die Türken waren gerade erst angekommen, sie saßen auf ihren Pferden und pißten vom Sattel herab in den Fluß. Sobald er sie erblickte, wandte sich Brankovic zur Flucht. Der türkische Kommandant hatte ihn gesehen, das Pissen aber nicht unterbrochen. Erst als er sich völlig entleert hatte, schüttelte er sich, verfolgte ihn und nahm ihn gefangen. Sie führten ihn gefesselt ins Lager, während sie mit ihren Lanzen auf die Trommeln schlugen. Gefangen stellten die Türken Brankovic auf eine griechische Säule, und die Schützen zielten mit ihren Pfeilen auf ihn.

Bevor sie begannen, sagten sie, man schenke ihm das Leben, sollte er den fünften Pfeil überleben, und man würde ihm in diesem Falle einen Bogen mit Pfeilen geben, um auf jene drei zu zielen, die ihn zu Tode zu bringen hatten. Er bat daraufhin, sie sollten nicht zwei Pfeile zugleich abschnellen, denn er »vermöchte nicht die Schmerzen zu zählen, wohl aber die Treffer«. Und so zielten die drei auf ihn, er aber zählte. Der erste Pfeil traf ihn in die Gürtelschließe, trat ins Eingeweide ein und weckte dort alle Schmerzen, die während seines Lebens schon einmal geboren waren. Den zweiten Pfeil gelang es ihm mit der Hand zu fassen, der dritte durchschlug sein Ohr und blieb wie ein Ohrring in ihm zurück, er aber zählte. Der vierte verfehlte das Ziel, der fünfte traf sein Knie, kehrte um und durchschlug das andere Bein, er aber zählte, der sechste verfehlte wiederum sein Ziel, der neunte schmiedete seine geöffnete Hand an seinen gewaltigen Oberschenkel, er aber zählte, der elfte trug seinen Ellenbogen auseinander, der zwölfte traf den Unterleib, er aber zählte. Er zählte bis siebzehn, doch dann fiel er tot von der Säule. An diesem Ort wuchs emejagurida, ein wilder Wein, der nicht verkauft wird und den man niemals kauft, denn es ist Sünde. - (pav)

Pisser (11) Und dann widerfuhr meinem Söhnchen das Glück daß er nach Königgrätz gehen und dort einen Kurs absolvieren durfte um Fahrdienstleiter zu werden... Schon bei dem Gedanken fiel er in Ohnmacht daß er bereits während dieses Kurses eine Uniform tragen durfte zwar noch ohne Rangabzeichen aber immerhin eine Uniform... Und fast hätte man ihn rausgeworfen mein Madi weil er in Königgrätz im zweiten Stock des Hauptbahnhofs uriniert hatte dort wo doch nur die Höchsten von der Verwaltung urinieren durften... und mein Söhnchen war gerade dabei zu urinieren als der Dezernent herbeilief und schrie Was machen Sie da? Und mein Söhnchen sagte... ich pisse... Und der Dezernent packte ihn an der Schulter und fuhr ihn nochmals an... Was machen Sie da? Und mein Söhnchen pinkelte dem Dezernenten ein bißchen auf die Spitzen seiner Lackschühlein und wiederholte ... Wie Sie sehen pisse ich... Und der Dezernent schrie... Ich werde mich über Sie beschweren!... Und mein Sohn sagte... Beschweren Sie sich nur beim Heiligen Geist

Und da verfaßte der Reichsbeauftragte höchstpersönlich ein Protokoll über diesen Vorfall es half aber alles nichts denn man hatte alle Fahrdienstleiter die diesen Kurs einst absolvierten als Fahrdienstleiter ins Reich auf die Strecke Görlitz-Breslau geschickt ... und so wurde mein Sohn durch diese Episode im zweiten Stockwerk des Bahnhofs von Königgrätz berühmt - (hra3)

Pisser (12) Es war gewissermaßen recht mein Schicksal, daß die wildesten und gefährlichsten Bestien mich gerade alsdann angriffen, wenn ich außerstande war, ihnen die Spitze zu bieten, gleichsam als ob ihnen der Instinkt meine Wehrlosigkeit verraten hätte. So hatte ich einst gerade den Stein von meiner Flinte abgeschraubt, um ihn etwas zu schärfen, als plötzlich ein schreckliches Ungeheuer von einem Bären gegen mich anbrummte. Alles, was ich nun konnte, war, mich eiligst auf einen Baum zu flüchten, um dort mich zur Verteidigung zu rüsten. Unglücklicherweise aber fiel mir während des Hinaufkletterns mein Messer, das ich eben gebraucht hatte, herunter, und nun hatte ich nichts, um die Schraube, die sich ohnedies sehr schwer drehen ließ, zu schließen. Unten am Baume stand der Bär, und mit jedem Augenblicke mußte ich erwarten, daß er mir nachkommen würde.

Mir Feuer aus den Augen zu schlagen, wie ich wohl ehemals getan hatte, wollte ich nicht gerne versuchen, weil mir, anderer Umstände, die im Wege standen, nicht zu gedenken, jenes Experiment heftige Augenschmerzen zugezogen hatte, die noch nicht ganz vergangen waren. Sehnlich blickte ich nach meinem Messer, das unten senkrecht im Schnee steckte; aber die sehnsuchtsvollsten Blicke machten die Sache nicht um ein Härchen besser. Endlich kam ich auf einen Gedanken, der so sonderbar als glücklich war. Ich gab dem Strahle desjenigen Wassers, von dem man bei großer Angst immer großen Vorrat hat, eine solche Richtung, daß er gerade auf das Heft meines Messers traf. Die fürchterliche Kälte, die eben war, machte, daß das Wasser sogleich gefror und in wenigen Augenblicken sich über meinem Messer eine Verlängerung von Eis bildete, die bis an die untersten Äste des Baumes reichte. Nun packte ich den aufgeschossenen Stiel und zog ohne viel Mühe, aber mit desto mehr Behutsamkeit mein Messer zu mir herauf. Kaum hatte ich damit den Stein festgeschraubt, als Herr Petz angestiegen kam. Wahrhaftig, dachte ich, man muß so weise als ein Bär sein, um den Zeitpunkt so gut abzupassen, und empfing Meister Braun mit einer so herzlich gemeinten Bescherung von Rollern, daß er auf ewig das Baumsteigen vergaß. - Gottfried August Bürger, Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen. In: Erwin Wackermann (Hg.), Münchhausens wunderbare Reisen. Die phantastischen Geschichten des Lügenbarons und seiner Nachfolger. München 1968 (dtv 527, zuerst 1833)

Pisser (13) Der Vater hat einen Haufen Sperma abgeladen, die Frau soll alles ordentlich wegputzen. Was sie nicht aufleckt, muß sie aufwischen gehn. Der Direktor zieht ihr die Reste ihrer Kleidung aus und beobachtet sie beim Wischen und Flechten, beim Weben und Winden von Fetzen. Einmal fallen die Brüste nach vorn, dann schwanken sie vor der Frau herum, während sie scheuert und erneuert. Er zwickt die Warzen zwischen Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, und dann dreht er dran herum, als wollte er eine Mikrokosmos Birne einschrauben. Er schlägt mit seinen jähzornigen, schweren Kaidaunen, die vorn, ein helles Himmelsfenster, im Ausschnitt seiner Hose erscheinen, von hinten gegen ihre Schenkel. Wenn sie sich bückt, muß sie die Beine spreizen. Er kann jetzt ihren ganzen Feigenbaum mit einer Hand umfassen und die Finger zornig Wanderer spielen lassen. Übrigens, wenn sie schon die Beine aufgeklappt hat, kann sie sich gleich über ihn stellen und ihm in den Mund pissen. Was, sie kann nicht? Stoßen wir ihr das Knie nach oben und treffen klatschend (Applaus, Applaus!) ihre weichen Futlappen, die sich gleich leise schmatzend öffnen werden, und wir Männer müssen sofort mit dem Maßkrug auf den Tisch hauen. Wenn sie dann noch nicht seichen kann, zerren wir ihr ganzes weibl. Geschlecht an den Schamhaaren nach unten, bis sie in den Kniegelenken einknickt und, aufs äußerste gespreizt, auf den Brustkorb des Herrn Direktor hinuntersinkt. Wie ein geöffnetes Handtaschel hält er ihre Fut an den Haaren auseinander und schleift sie sich übers Gesicht, um sie grob auslecken zu können, ein Ochse am reifen Salzstock, und das Gebirge ist in Feuer getaucht. Die Last der Scheiter ruht auf den Männern. Ihr Wasser murmelt Unverständliches, und die Frauen nehmen es mit ihren saugkräftigen Lumpen und sogar mit Ajax auch noch auf. - Elfriede Jelinek, Lust. Reinbek bei Hamburg 1992 (rororo 13042, zuerst 1989)

Pisser (14) Wir können uns auch gern hygienische Mützerl aufsetzen, damit wir nicht krank werden. Sonst fehlt uns nichts. Und auch wenn die Herren ihr Bein heben und ihr Wasser in ihre Begleiterinnen abschlagen, so dürfen sie doch nicht bleiben, müssen weitereilen, ruhelos, zum nächsten Baum, an den sich ihre Genitalienwürmer zornig klammern, bis jemand sie aufnimmt. Der Schmerz schießt wie ein Blitz in die Frauen, schädigt sie aber nicht so nachhaltig, daß sie um verkohlte Möbel und verschmorte Geräte weinen müßten. Es rinnt wieder aus ihnen heraus. Auf alles, nur nicht auf Ihre Gefühle wird Ihre Partnerin verzichten wollen, sie produziert sie ja ebenfalls recht gern, diese Nahrung der Armen. Ich glaube sogar, sie ist Spezialistin im Kochen, um das Herz der Männer endlich einzuwecken. Die Armen drehen sich lieber zur Seite, von keinem Reisebegleiter gescheucht. Ihre Schwänze legen sich sogar noch vor ihnen nieder und ihre Tropfen kommen vom Herzen. Sie hinterlassen nur kleine Flecken auf dem Laken, und wir gehen gleich mit ihnen wieder heraus. - Elfriede Jelinek, Lust. Reinbek bei Hamburg 1992 (rororo 13042, zuerst 1989)

Pisser (15) Hyrieus, ein armer Bienenzüchter und Bauer, hatte gelobt, keine Kinder zu zeugen. Als er bereits alt und kraftlos war, kehrten eines Tages Zeus und Hermes in Verkleidung bei ihm ein. Während sie gastfreundlich bewirtet wurden, fragten sie ihn, was er sich wohl am meisten wünsche. Tief seufzend antwortete Hyrieus, er wünsche sich einen Sohn, könne ihn aber nicht mehr zeugen. Da rieten ihm die Götter, einen Stier zu opfern, auf dessen Haut sein Wasser abzuschlagen und dann diese Haut in das Grab seiner Frau zu legen. Der Bauer folgte dem Rat, und neun Monate später wurde ihm ein Sohn geboren, den er Urion — ‹der, der Wasser läßt› — nannte. - Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie. Quellen und Deutung. Reinbek bei Hamburg 1986 (re 404, zuerst 1953)

Pisser (16) Bei einer Mahlzeit warf man ihm Knochenstücke hin wie einem Hund, und als er wegging, bepißte er sie wie ein Hund. - (diog)

Pisser (17) Ein Trunkener schlug sein Wasser neben einem Rohrbrunnen ab, und es wollte kein Ende nehmen, sein trunkener Begleiter rief ungeduldig: „Nun, wird's bald?" und der Freund erwiderte: „Ich pisse, solang es Gott gefällt." - (kjw)

Pisser (18) Wie er es immer tat, wenn er im Leben auf ein schwieriges Problem stieß, beschloß er, erst einmal pinkeln zu gehen. Seit mehreren Jahren hatte er gewisse Schwierigkeiten beim Pinkeln; nicht, daß es ihm weh tat, nein, es nahm halt immer mehr Zeit in Anspruch, und er mußte fünf, zehn Minuten vor der Kloschüssel stehen und an alle möglichen Dinge denken, bevor es kam und er endlich pinkeln konnte, langsam, sehr langsam, aber sicher. Zu Anfang störte ihn das, aber sehr schnell hatte er diese Schwäche in eine Stärke verwandelt, denn er hatte die Beobachtung gemacht, daß sich, wenn er so dastand und zu pinkeln gedachte und dann beim Pinkeln dachte, alle Unannehmlichkeiten des Lebens auflösten, alle dem Anschein nach unlösbaren Probleme eine Lösung fanden; und zwar, seit er das entdeckt hatte, was er, ohne es in Worten auszudrücken, die »Eusebische Pinkelmethode« nannte. Das war so: Er stand wie immer ein paar Minuten da und dachte, dachte an alles, dachte an nichts, um die Blase in den richtigen moralischen Zustand zu bringen, das war wichtig; dann, wenn er an einer inneren Disposition spürte, daß es kam, griff er zu dem großen Limonadenglas, das er vor sich auf das Fensterbrett gestellt hatte, rechts neben der Wasserspülung; und er nahm einen großen Schluck, den er auf einen Schlag hinuntergoß. Und wie durch ein Wunder, auf Grund einer Reaktion, deren physische Zusammenhänge er nicht verstand, von der er aber irgendwie spürte, daß es sich gewiß um eine ebenso wichtige Entdeckung handelte wie es die des Kartoffelanbaus durch Niuton oder die Relativität der Dinge dieser Welt durch Ainstain gewesen war, da geschah es, daß er pinkelte, und bei jedem Schluck, den er dann nach und nach hinuntergoß, folgte eine heftige Entleerung der Blase, was ihm eine starke Befriedigung verschaffte, da er sich so in eine kosmische Zisterne verwandelt fühlte. Und wenn er schließlich das Glas Limonade ausgetrunken und zu Ende gepinkelt hatte, war das Problem, das ihm zu schaffen machte, gelöst! - Jacques Roubaud, Die schöne Hortense. München 1992 (dtv 11602, zuerst 1985)

Pisser (19)

Hoffmannesker Pisser

- E.T.A. Hoffmann, nach: E.T.A. Hoffmanns Leben und Nachlass. Von Julius Eduard Hitzig. Frankfurt am Main 1986 (it 1986, zuerst ca. 1825)

Pisser (20) Eines Nachts trat der alte Diener vermummt und vorsichtig aus dem Portal des Palazzo und näherte sich den Bäumen, deren Stämmen er einem nach dem anderen eine geheimnisvolle Behandlung zuteil werden ließ. Dieser Ritus wiederholte sich einen Monat lang, und dann begannen diese schlanken und ranken Bäume, die nur der Blitz daran hindern konnte, zweitausend Meter hoch zu wachsen, gerade an den Stellen zu gilben, an denen das Licht auf sie fiel.

Sowie der Baron diese Zeichen der Ermüdung als erster von seinem mittleren Fenster aus entdeckte, zu dem die Bäume ihre schönen Häupter emporreckten, kannte seine Seligkeit keine Grenzen. Die unglücklichen Bäume siechten langsam dahin, während sie hinter den Fensterscheiben, in denen sie an windigen Tagen das tausendfältige Spiel ihrer Blätter zu spiegeln pflegten, ein Menschengesicht gewahrten, das um so fröhlicher wurde, je mehr sie sich dem Tode näherten . . . - Vitaliano Brancati, Bell'Antonio. Frankfurt am Main 1961(zuerst ca. 1950)

Pisser (21)

Pisser (22)

Pisser (außerirdischer)

Alien-Pisser

- Nach: Klaus Theweleit, Männerphantasien. Frankfurt am Main 1977

Pisser (24), Pisser (25) , Pisser (26) Pisser (27) Pisser (28)

Pisser (maskierter)

Maskierter Pisser

- Thomas Körner

Pisser (mythischer)

Pissender Kentaur

- Murschetz, nach (gold)

Pisser (sibirischer) Die zur Zwangsarbeit im-Gulag Verurteilten steckt Man für den-Transport ins-Lager in Güterwaggons. Diese Transporte, u.a. nach Workuta in Sibirien, fahren zu allen Jahreszeiten. Im Winter herrschen in diesen Breiten nicht selten unter Vierzig Grad minus..... In den Waggons keine Heizung, kein Wasser, keine Latrine. Mitunter brechen Gefangene während des über Tage&wochen gehenden Transports aus den Waggonwänden 1 Stück Brett heraus; sie versuchen durch die Lücke in der Wand hindurchzupissen. Der Fahrtwind schlägt die Pisse in den Wagen zurück, im Winter gefriert sie sofort an der Innenwand des Waggons. Die Fieberkranken, die der Durst ausbrennt, lehnen den Kopf gegen diese Stelle der Bretterwand & lecken die gefrorene Pisse vom Holz. Oft friert ihre Gesichtshaut an der Wand fest. Wenn andere aus dem Wagen diese Männer zurückzerren (Durst hat schließlich jeder), reißt die angefrorne Haut vom Gesicht.  - (jir)

Pisser (32)

Pisser nach Rattelschneck

- Rattelschneck

Pisser (33)

"Ich sage Ihnen: an je - dem Baum!"

- Loriot, nach (gold)

Pisser (34) Ins Wasser! Ins Wasser! so rief ich und war, entzündet von einem tauben Blitz in meinem Leib, dicht an das Ufer getreten, wo ich mir die Hose aufriß. Keuchend begann ich mich zu entleeren, als ob ich so ein Band herstellen konnte zwischen der Erde und mir, dampfend pißte ich ins Wasser, schmerzhaft ergoß ich mich und ließ mich vollkommen auslaufen, in das dunkle Wasser, auf dem die geilen weißen Kleider schwammen. - Wolfgang Hilbig, Kommen. In: W.H., Der Schlaf der Gerechten. Frankfurt am Main 2003

Pisser (35)

Pisser (36) Es schien mir, daß ich mein Wasser ließ. Eine Frau lag in einem Bett und schaute mir zu. Sie war fett und rot. Ich nahm sie an der Brust, dem sie sich nicht sehr widersetzte; sie zeigte mir ihr Geheimnis und etwas Häßliches. Ich wollte mit ihr nichts zu schaffen haben. - Swedenborg, Traumtagebuch 1743-1744

Pisser (37)

-Josef Koudelka

Pisser (38)

- Thomas Michael Alleman

Pisser (39)

Pisser (40)

Pisser (41)

- Rembrandt

Pisser (42)

Pisser (43) Es waren nun volle zwei Stunden vergangen, seitdem Watt Wasser gelassen hatte. Und doch spürte er keinen Drang, ja sogar kein Verlangen, Wasser zu lassen. Von meinem Wasser könnte ich kein Tröpfchen oder Tränchen lassen, sagte er, kein süßes, bitteres oder gleichgültiges, wenn ich dafür bezahlt würde, es nicht zu tun. Er, der normalerweise stündlich nicht zu unterdrückendes, erquickendes Wasser ließ. Dies war die letzte regelrechte Verbindung mit dem Zirkus, denn als eine solche wertete er keineswegs seinen wöchentlichen Stuhl oder seine halbjährliche äqumoktiale nächtliche Emissio in vacuo, und er faßte ihre jetzige Lockerung und schließliche Unterbrechung ins Auge mit Trübsinn und Frohsinn, die in schwindelerregendem Wechsel ein Weilchen deutlich erkennbar waren und allmählich zusammen verwischt dahinschwanden. - (wat)

Pisser (44)

Pisser (45)

- Mikael Jansson

Pisser (46)

- Pieter Breughel d. J.

Pisser (47) »Ich bitte Euch, auf den Boden zurückzukehren und die Pflichten Eures Standes zu erfüllen«, sagte der Baron mit ruhiger, nahezu tonloser Stimme.

»Ich gedenke nicht, Euch zu gehorchen, Herr Vater«, erwiderte Cosimo, »es tut mir aufrichtig leid.«

Beide waren verdrossen und fühlten sich unbehaglich. Jeder wußte im voraus, was der andere sagen würde. »Und Eure Studien, Euer christliches Glaubensleben?« sagte der Vater. »Wollt Ihr denn aufwachsen wie ein Wilder aus Amerika?«

Cosimo schwieg. Solche Gedanken waren ihm noch nicht gekommen, und er wollte sich jetzt nicht damit abgeben. Nach einer Weile sagte er: »Meint Ihr denn, gute Lehren erreichten mich nicht, weil ich mich ein paar Meter über dem Erdboden aufhalte?«

Auch das war eine geschickte Antwort, aber er verringerte dadurch die Tragweite seines Schrittes, und so war sie ein Zeichen der Schwäche.

Der Vater bemerkte das und schlug einen dringlicheren Ton an. »Ein aufsässiges Gebaren bemißt sich nicht nach Metern«, sagte er; »auch wenn eine Reise über nur wenige Spannen zu gehen scheint, kann sie ohne Rückkehr sein.«

Mein Bruder hätte jetzt irgendeine andere noble Antwort geben können, etwa in Form einer lateinischen Maxime, wie sie mir gerade eben nicht einfällt, von denen wir damals aber sehr viele auswendig wußten. Statt dessen war er es leid geworden, sich so feierlich zu geben; er streckte die Zunge heraus und schrie: »Aber von den Bäumen pisse ich am weitesten!« - ein Satz, der nicht viel Sinn hatte, aber die Diskussion bündig beendete.

Als wenn sie diese Worte gehört hätten, stießen die Lausbuben rings um Porta Capperi einen Schrei aus. Das Pferd des Barons machte einen Satz, der Baron zog die Zügel an und hüllte sich in seinen Mantel, als wollte er sich entfernen. Er wandte sich indessen noch einmal um, streckte einen Arm aus dem Mantel, wies zum Himmel empor, der sich plötzlich mit schwarzen Wolken bedeckt hatte, und rief: »Hab acht, mein Sohn! Einen gibt es, der auf uns alle pissen kann«, worauf er davonsprengte.

Der von den Landleuten seit langem ersehnte Regen begann in dicken, spärlichen Tropfen zu fallen. - Italo Calvino, Der Baron auf den Bäumen. München 1984(zuerst 1957)

Pisser (49)

Pisser (50)

Harn Erleichterung Ausscheidung

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Synonyme

Mannchen, kleine grüne ...