feil

Nahe den Mauern lag ein weit sich dehnendes Blachfeld,
ständig vom Tritt der Rosse zerstampft, wo der rollenden Räder
Druck und die Härte der Hufe zermürbt die Schollen der Erde.
Hier bestieg ein Teil der sieben Söhne Amphions
feurige Rosse und sitzt auf Rücken, die tyrisdien Purpurs
Röte bedeckt, und führt die mit Gold beschlagenen Zügel.
Einer von ihnen, Ismenus, als Erstling einst seiner Mutter
Schoße entwachsen, der jetzt auf bestimmten Kreis seines Renners
Gänge gewendet und sicher am schäumenden Maule ihn lenkt, ruft
plötzlich: „Weh mir" und trägt inmitten der tödlich verletzten
Brust das Geschoß; der sterbenden Hand entfallen die Zügel,
und allmählich gleitet am rechten Bug er zu Boden.
Der durch den Luftraum das Klirren des Köchers gehört hat, der Nächste,
Sipylus jagt, die Zügel verhängt dahin, wie ein Schiffer
flieht, der an Wolken erkannt, daß Wetter ihm droht, der die Leinwand
alle herabholt, damit nicht der leiseste Hauch ihm entgehe.
Doch, wie er auch die Zügel läßt schießen, es folgt das Geschoß ihm
unausweichlich; es haftet ihm schon in Höhe des Nackens
zitternd der Pfeil, es entragt das nackte Eisen der Kehle.
Wie er sich vorgeneigt, schlägt er herab, der Mähne entlang und
zwischen die jagenden Schenkel, befleckt mit Blute die Erde.
Phaedimus war, der unselge, mit Tantalus, der seines Ahnen
Namen geerbt, nachdem sie die übliche Arbeit beendet,
schon zur Schule der Jugend, dem Ringkampf übergegangen.
Glänzend von Öl, in enger Umschlingung hielten sie Brust an
Brust gepreßt, da durchbohrt, von gespannter Sehne geschleudert,
wie sie verschmolzen im Kampf, ein Pfeil zusammen die Beiden.
Und sie stöhnen zugleich, zugleich in Schmerzen sich windend,
stürzen sie hin, zugleich mit verdrehten Augen die letzten
Blicke werfend, hauchen zugleich sie aus ihre Seelen.
Und Alphenor sieht's, mit den Fäusten die Brust sich zerschlagend,
fliegt er herzu, umschlingt, sie zu stützen, zu heben, die kalten
Glieder und fällt in dem frommen Dienst. Denn Phoebus zerriß ihm
tief im Innern der Brust mit dem tödlichen Pfeile das Zwerchfell.
Da er entfernt wird, reißt der Haken des Pfeils einen Teil der
Lunge heraus und entströmt mit dem roten Blute das Leben.
Zwiefach verwundet ward Damasichthon, der noch die Locken
trug. Es traf ihn zuerst, wo die Wade beginnt und den weichen
Hohlraum bildet das Knie, in die Kehle zwischen den Sehnen.
Während die Hand sich ziehend müht am verderblichen Eisen,
dringt ihm ein zweiter Pfeil in die Gurgel bis zu den Federn.
Drängend treibt das Blut ihn heraus, und sprudelnd ins Freie,
spritzt es hochauf und bohrt sich in weitem Strahl in die Lüfte.
Nichts sollte frommen dem Letzten, Ilioneus, daß er die Arme
flehend erhoben hielt. „Ihr Götter alle zusammen",
rief er, wußte nicht, daß nicht nötig, alle zu bitten,
„schont mich!" Des Bogens Herr war gerührt, — als unwiderruflich
schon das Geschoß; und es fiel auch dieser, doch an der kleinsten
Wunde, getroffen vom Pfeil, der leicht ins Herz ihm gedrungen.

 - (ov)

Pfeil  (2)  Eines Tages schoß der Sonnengott frühmorgens einen Pfeil vom Himmel herab. Er fiel an dem Orte Tetzcalco nieder, wo gegenwärtig eine Stadt liegt. Aus dem Loch, das der Pfeil gemacht hatte, kamen ein Mann und eine Frau hervor; der Mann hieß »Kopf« oder »Sperber«, die Frau »Pflanzenhaar«. Des Mannes Körper war nur von den Achselhöhlen aufwärts vorhanden, der Körper der Frau ebenso, und um Kinder zu erzeugen steckte der Mann seine Zunge in den Mund der Frau. Wie Elstern oder Sperlinge bewegten sie sich nur hüpfend vorwärts. Der Mann machte sich nun einen Bogen und Pfeile, mit denen er nach den Vögeln schoß, die in der Luft flogen, und wenn er einmal zufällig den Vogel, nach dem er schoß, nicht traf, so fiel der Pfeil auf ein Kaninchen oder anderes Wild, das sie dann roh aßen.   - (azt)

Pfeil  (3)  

Pfeil  (4)  »Kurz und gut, die Moral von der Geschieht ist, daß wenn man einen Dolch in einen Pfeil verwandeln kann, man einen Pfeil auch in einen Dolch verwandeln kann.«

Jetzt sahen ihn alle an; er aber fuhr auf die gleiche beiläufige und unbewußte Weise fort:

»Natürlich haben wir uns alle gewundert und nach Kräften damit abgeplagt, wer den Pfeil durchs Fenster geschossen hat und ob er von fernher kam und so weiter. Die Wahrheit aber ist, daß niemand den Pfeil abgeschossen hat. Und er kam auch nie durchs Fenster.«

»Wie ist er denn dann gekommen ?« fragte der dunkle Anwalt mit eher mürrischem Gesicht.

»Ich nehme an, daß ihn jemand mitgebracht hat«, sagte Father Brown; »es wäre nicht schwierig, ihn bei sich zu tragen oder ihn an sich zu verstecken. Jemand hatte ihn in der Hand, als er neben Merton in Mertons eigenem Zimmer stand. Jemand stach ihn wie einen Dolch in Mertons Kehle und hatte dann den höchst intelligenten Einfall, das Ganze so anzuordnen, daß wir alle sofort überzeugt waren, das Ding sei durchs Fenster hereingeflogen wie ein Vogel.«   - Gilbert Keith Chesterton, Father Browns Ungläubigkeit. Zürich 1991

Pfeil  (5) In den Händen des mir erschienenen Engels sah ich einen langen goldenen Wurfpfeil, und an tler Spitze des Eisens schien mir ein wenig Feuer zu sein. Es kam mir vor, als durchbohre er mit dem Pfeile einigemal mein Herz, stieß bis aufs Innerste, und wenn er ihn wieder herauszog, war es mir, als zöge er diesen innersten Herzteil mit heraus. Als er mich verließ, war ich ganz entzündet von feuriger Liebe zu Gott. Der Schmerz dieser Verwundung war so groß, daß er mir die erwähnten Klageseufzer auspreßte; aber auch die Wonne, die dieser ungemeine Schmerz verursachte, war so überschwenglich, daß ich unmöglich von ihm frei zu werden verlangen konnte.   - Therese von Avila, nach: David B. Morris, Geschichte des Schmerzes. Frankfurt am Main 1996
 
Todesart Geschoß Bogenschütze
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