astorensohn   Nach dem Tode ihres Vaters wurde sie mit dem Sohn von Ferrier verheiratet, der Pastor gewesen war; der Junge war Artillerieleutnant. Jemand hat mir erzählt, einer seiner Freunde habe sie an ihrem Hochzeitstag durch ein Loch dabei beobachtet, wie sie mit Hilfe zusammenziehender Wässerchen die Breschen in ihrer Jungfernschaft ausbesserte. Wie dem auch sei, Ferrier war es zufrieden und räumte ihr im Heiratsvertrag große Vorteile ein. Sie war schön und lüstern; es heißt, sie habe ständig die Hand in seiner Hose gehabt, so daß er es nicht lange überlebte.  - (tal)

Pastorensohn (2)

Von Senkern aus dem Patronat,
aus Grafenblasen, Diadochen
beschiffte Windeln um die Knochen
beflaggte noch vom Darmsalat.

Der Alte pumpt die Dörfer rum
und klappert die Kollektenmappe,
verehrtes Konsistorium,
Fruchtwasser, neunte Kaulquappe.

Der Alte ist im Winter grün
wie Mistel und im Sommer Hecken,
lobsingt dem Herrn und preiset ihn
und hat schon wieder Frucht am Stecken.

In Gottes Namen denn, mein Sohn,
ein feste Burg und Stipendiate,
Herr Schneider Kunz vom Kirchenrate
gewährt dir eine Freiportion.

In Gottes Namen denn, habt acht,
bei Mutters Krebs die Dunstverbände
woher -? Befiehl du deine Hände -
zwölf Kinder heulen durch die Nacht.

Der Alte ist im Winter grün
wie Mistel und im Sommer Hecke,
'ne neue Rippe und sie brühn
schon wieder in die Betten Flecke.

Verfluchter alter Abraham,
zwölf schwere Plagen Isaake
haun dir mit einer Nudelhacke
den alten Zeugeschwengel lahm.

Von wegen Land und Lilientum
Brecheisen durch die Gottesflabbe -
verehrtes Konsistorium,
Gut Beil, die neunte Kaulquappe!

 - (benn)

Pastorensohn (3)    Ich habe ja ein ausgesprochenes Faible für das Pfarrhäusliche, obschon ich mich so weit davon entfernte. In meinem heimatlichen gab es keinen Chopin, es war völlig amusisch, mein Vater hat nie in seinem Leben ein Buch gelesen, einmal, Anfang des Jahrhunderts, war er in Berlin im Theater gewesen, in Wildenbruchs »Haubenlerche«, erinnere ich mich. Aber ein großer Zelot u. Fanatiker war er auch; aber es ging von ihm eine Stärke aus, wie ich sie nie wieder an irgendeinem Menschen erlebt habe: wenn er neben Ihnen stand, konnte Ihnen nichts passieren u. Sie konnten nicht sterben -, ein seltsamer Mann.   - Gottfried Benn an Hans Egon Holthusen, 16. Mai 1954. In: G.B., Das gezeichnete Ich. Briefe aus den Jahren 1900-1956.  München 1962 (dtv 89)

Pastorensohn (4)  Ich ging mit Zerbino zum Alexanderplatz. Er wollte dort »Weiber anquatschen«. Es blieb auch nicht immer dabei. Im allgemeinen sind solche Typen, die nur das Geschäft stören, bei den Professionellen wenig beliebt. Zerbino machte eine Ausnahme. Er zählte keineswegs zu den gut aussehenden Männern wie Kramberg, war vielmehr von ungeschlachter Virilität. Der Scheich, der uns allen Spitznamen gab, hatte ihn den »Neger« getauft. Zuweilen nannte er ihn auch den »Tierischen« in Anbetracht der starken Witterung, die ihn umgab.

Das wirkte; die kriminelle Note kam hinzu. Die große Nase, die starken Lippen, das grobe Kinn und dann der Glanz der Augen - es blieb ein Rätsel, wie das in ein Pastorenhaus gekommen war. Er hätte darauf einen Beruf gründen können wie mancher Filmschauspieler oder besser noch wie die Figuren, die sie darstellen. Einmal hörte ich von einem der grellen Mädchen, das er auf diese Weise angehakt und in ein Gespräch verwickelt hatte: »Da muß einfach ein Bett her«. - Ernst Jünger, Annäherungen. Drogen und Rausch. Frankfurt am Main u.a. 1980 (zuerst 1970)

Pastorensohn (5)   Ich bin der Sohn eines protestantischen Pfarrers. Ich wuchs in einem ganz kleinen Städtchen auf. Wir waren vielleicht achthundert Seelen. Jedes kannte das Andere; fast bis auf die Gedanken. Von früh auf leitete mein Vater selbst meine Erziehung. Ich mußte Lateinisch lernen, wogegen sich mein Kopf, wie gegen ein exotisches Gift, sträubte. Die sicherste und intensivste Erinnerung, die ich aus dieser Zeit habe, ist ein gewisser Zustand, eine Disposition meines Kopfes, eine Art psychischer Anfall, der mich jedesmal in der Kirche überraschte. Mein Vater predigte ganz anders, als er zu Hause sprach. Auf der Kanzel hatte er eine plärrende, heulende Redeweise. Zu Haus war er knapp, bestimmt, coramisirend. So befand ich mich in der Kirche einer ganz anderen Persönlichkeit gegenüber. Und die Wirkung war eine ganz neue. Kaum hatte die Gemeinde mit ihrem Rock-Geräusch sich auf die Bänke niedergelassen, und das geistliche Geheul meines Vaters erfüllte widerprallend mit doppeltem und dreifachem Echo das kleine Gottes-Haus, so war meine Seele entflohen. Und auf mir nur zu bekanntem Weg, und immer auf demselben, lief sie fort, und trieb sich umher, und suchte etwas, und lief auf die Dörfer in der Umgebung, und wollte überall eindringen, in die Häuser, durch die Fenster der Menschen, in die Schränke, ja sogar in die Menschenleiber, und wollte überall horchen, und suchen, und spähen, ohne zu wissen, was; das Schluß-»A-män!« - und meine Seele kehrte wie der Geier zurück, ich erwachte; vor mir lag das Gesangbuch mit seinen schwarzen Lettern; am Altar waren die Kerzen tief herabgebrannt; mein Vater wischte sich den Schweiß von der rothen Stirn; die Leute rutschten feierlich und ergriffen; und auf dem Chor begann die Orgel ein leises Smorzando-Spiel. -  Oskar Panizza, Der Corsetten-Fritz. In: Ders., Der Korsettenfritz. Geschichten. München 1981 (zuerst ca. 1905)

Pastorensohn (6)  

Sohn Pastorenfamilie

 

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