Parallelstoff   Es gab in der Erdentwicklung Zeiten, in denen es kein Tier oberhalb der Muschel gab. Es gab auch Zeiten, in denen es auf der Erde kein Gebilde pflanzlicher Natur oberhalb der Farne, der Schachtelhalme oder der tannenartigen Gewächse gab. Es ist allerdings alsdann nicht ganz leicht zu wissen, wie sich diese verschiedenen Pflanzen und Tierarten zueinander verhalten. Die überwiegend sehr weichen Gebilde der Pflanzen haben nur geringere Spuren gegenüber den fester gebauten Tieren hinterlassen. Gewiß aber bleibt eine Tatsache, die wir etwa so zum Ausdruck bringen können: Es gab zu jener Zeit, in der nur Tiere von der Stufe der Polypen vorhanden waren resp. kein höheres animales Gebilde, auch keine Pflanzen, welche über den Zustand Polyp hinausgingen. Als solche könnte man etwa die echten Schachtelhalme bezeichnen.

Wenn wir hier zunächst nur einen beispielhaften Vergleich geben können, so hat doch dieser eine ungeheure Bedeutung, denn er soll zum Ausdruck bringen, daß je eine Pflanzen- und Tierart ganz eng aneinander gebunden waren. Bevor nicht eines von beiden Wesen oder beide einen Fortschritt machten, konnte kein neuer Lebenstypus entstehen.

Und weiter folgt die Tatsache, daß sich ein Schachtelhalm von heute immer und unverändert aufbaut aus einem Material von Tieren, das auch nur der Polyp gewesen ist. Dabei bleibt es gleich, ob diese Form von Polypen freie Süßwasserpolypen darstellte oder Tintenfische der See oder endlich solche Polypengebilde, die in höhere Organismen als dienende Teile eingebaut sind. Man muß sich erinnern, daß unsre Lungen einen Polypenorganismus haben, soweit der muskuläre Lungenkörper in Frage kommt. Dann kann man verstehen, daß etwa Schachtelhalme auf Lungenmaterial wiederum sehr gut gedeihen können. Man wird sich aber weiter denkend klarmachen müssen, daß Lungenteilchen zwar in jedem Sputum vorhanden sein könnten, daß aber durch die Lungen jeder andre Körperteil in uns immerwährend verbraucht und aus dem Körper fortgeschafft wird. Das heißt: Polypenmaterial gelangt immerwährend erneut in den Boden, überall, und so können auch die Schachtelhalme fast überall gedeihen, aber sie werden für ihren Aufbau doch nun nicht höhere Stoffe verwenden, sondern sie werden aus allem verwesenden Material stets das Polypenhafte wieder herausfinden und sich aus ihm aufbauen.

Ebenfalls vergleichsweise wollen wir erwähnen, daß vielleicht Pflanzen von der Art der Zwiebeln nur parallel mit Muscheln vorkamen und daß diese immer mit einem solchen Parallelstoff verbunden bleiben, gleichviel, ob es sich um freie Muscheln handelt oder um solche, die dienend im Körper beliebiger Wesen eingebaut sind. Nicht umsonst haben wir den Körper höherer Wesen als eine Synthese und Symbiose verschiedenster unterer Arten gekennzeichnet. - Ernst Fuhrmann, Was die Erde will. Eine Biosophie. Münchnen  1986 (zuerst 1930)

Stoff

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