zean, stiller     Es gibt vielleicht im Stillen Ozean in den achttausendfünfhundert Meter tiefen Gewässern von Tuscarora oder in der Gegend der Karolinischen Inseln, wo das Meer ungefähr neuntausendsechshundertsechsunddreißig Meter tief ist, gesellige Kreaturen, pfiffige Schalentiere, welche nicht imstande sind, die unterseeischen Berge zu erklimmen; seit Jahrhunderten aber mögen sie davon träumen, durch ihr dichtes Element zum Geheimnis der oberen Wasser emporzusteigen.  - Maurice Renard, Die blaue Gefahr. Frankfurt am Main 1989 (st 1596, Phantastische Bibliothek, zuerst 1911)

Ozean, stiller (2)  Der Anblick des Oceans war prächtig und fürchterlich zugleich. Bald übersahen wir von der Spitze einer breiten schweren Welle, die unermeßliche Fläche des Meers, in unzählbare tiefe Furchen aufgerissen; bald zog uns eine brechende Welle mit sich in ein schroffes fürchterliches Thal herab, indeß der Wind von jener Seite schon wieder einen neuen Wasserberg mit schäumender Spitze herbey führte und das Schiff damit zu bedecken drohte. Die Annäherung der Nacht vermehrte diese Schrecken, vornemlich bey denenjenigen, die nicht von Jugend auf an das See-Leben gewohnt waren. In des Capitains Cajütte wurden die Fenster ausgenommen, und statt derselben Bretter-Schie­ber eingesetzt, damit die Wellen nicht hineindringen möchten. Diese Veränderung brachte einen Scorpion, der sich zwischen dem Holzwerk eines Fensters verborgen gehalten hatte, aus seinem Lager hervor. Vermuthlich war er, auf einer von den letztern Inseln, unter einem Bündel Früchte oder Wurzel­werk mit an Bord gekommen. Unser Freund Maheine, versicherte uns, es sey ein unschädliches Thier, allein der bloße Anblick desselben war fürchterlich genug uns bange zu ma­chen. In den andern Cajütten waren die Betten durchaus naß; doch, wenn auch das nicht gewesen wäre, so benahm uns das fürchterliche Brausen der Wellen, das Knacken des Holzwerks, nebst dem gewaltigen Schwanken des Schiffs ohnehin alle Hoffnung ein Auge zuzuthun. Und um das Maaß der Schrecken voll zu machen, mußten wir noch das entsetzliche Fluchen und Schwören unsrer Matrosen mit anhören, die oftmals Wind und Wellen überschrien. Von Jugend auf, zu jeder Gefahr gewöhnt, ließen sie sich auch jetzt den drohen­den Anblick derselben nicht abhalten, die frechsten gotteslästerlichsten Reden auszustoßen. Ohne die geringste Veranlassung, um derenwillen es zu entschuldigen gewesen wäre, verfluchten sie jedes Glied des Leibes in so mannigfaltigen und sonderbar zusammengesetzten Ausdrücken, daß es über alle Beschreibung geht. Auch weis ich die fürchterliche Energie ihrer Flüche mit nichts als dem Fluch des Ernulphus zu vergleichen, der dem Christentum Schande macht. Unterdessen raste der Sturm noch immer nach wie vor, als es um 2 Uhr des Morgens mit einemmale aufhörte zu wehen und gänzlich windsall ward. Nun schleuderten die Wellen das Schiff erst recht herum! es schwankte so gewaltig von einer Seite zur andern, daß manchmal die mittlern Wände, ja selbst das hintere Verdeck zum Theil ins Wasser tauchte.

Nach Verlauf einer Stunde erhob sich endlich ein frischer, günstiger Wind, mit welchem wir, den ganzen Tag über, dem Lande wieder zu seegelten, denn der Sturm hatte uns weit in die See hinaus verschlagen. Pintaden, schwarze und andre Sturmvögel schwärmten, von neuem, Haufenweise um uns her, und ein Albatros, neben welchem wir vorbey fuhren, war auf ofner See fest eingeschlafen, so sehr mußte der vorige Sturm ihn ermüdet haben. - (for)

Ozean, stiller (3)  

  

- N. N.

 

Ozean Stille

 

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