rpheus
 

Dreimal hatte die Sonne vollbracht das im Zeichen der nassen
Fische geschlossene Jahr, und Orpheus war jegliche Frauen-
liebe geflohen, sei's, weil für ihn sie so schlimm sich geendet,
sei es, weil er's gelobt. Doch mit ihm sich, dem Sänger, zu einen,
brannten Viele, und Viele, sie sahen mit Schmerz sich verachtet.
Er hat die thracischen Völker gelehrt, die Liebe auf zarte
Knaben zu wenden und so die ersten Früchte des kurzen
Lebensfrühlings noch vor der Schwelle der Mannheit zu pflücken.

Lag da ein Hügel, auf ihm eine offen sich dehnende Fläche,
völlig eben; Gras und Krauter ließen sie grünen.
Schatten fehlte dem Ort. Als der götterentstammende Sänger
dort sich niedergesetzt und die tönenden Saiten gerührt, da
kam der Schatten dem Ort. Da blieb nicht ferne Dodonas
Baum, der Heliaden Hain, des Gebirgs hochkronige Eiche,
kamen die sanften Linden, die Buche, der magdliche Lorbeer,
schwankende Haseln und die zum Speerschaft taugende Esche,
auch die astfreie Tanne, der Stechbaum gebeugt von der Früchte
Last, die heitre Platane und Ahorn, der mehrfach getönte.
Weiden vom Bache dazu, der wasserliebende Lotos,
auch der beständig grünende Buchs, die zarten Myriken,
Myrten mit hellen und dunklen, mit schwarzen Beeren der Schneeball.
Da bist gekommen auch du, schmiegfüßiger Epheu, und mit dir
rankende Reben und rebenumrankt, die Ulmen, des Manna
Spenderin auch und die Fichten und weiter, beschwert von den roten
Früchten, der Erdbeerbaum, die zähen Palmen, des Siegers
Preis, und mit kahlem Rumpf und struppigem Scheitel die Föhre,
Cybelen lieb, der Mutter der Götter — hat doch in deren
Stamme erstarrt seine Menschengestalt verloren ihr Attis.

-  (ov)

Orpheus (2)  Diejenigen, die den Ursprung der Philosophie auf die Barbaren zurückführen, berufen sich auf den Thraker Orpheus, indem sie ihn für einen Philosophen erklären, und zwar für den ältesten. Allein ich weiß nicht, ob man einen Mann, der sich über die Götter in so lästerlichen Reden erging, einen Philosophen nennen darf, noch weiß ich überhaupt, welche Bezeichnung man für den ausfindig machen soll, der den Göttern den ganzen Schwärm menschlicher Leidenschaften ohne jede Scheu und Schonung andichtet, selbst solche Unzüchtigkeiten, die nur selten von ein oder dem anderen Menschen, sogar mit dem Stimmorgan, begangen werden. Den Orpheus läßt denn die Sage durch die Wut von Weibern umkommen.    - (diol)

Orpheus (3)

Tod des Orpheus

- Félix Vallotton

Orpheus (4)

Tod des Orpheus

- Albrecht Dürer

Orpheus (5)

"Bei einem anständigen Menschen lebt am Ende nur noch der Kopf!"
(Arno Schmidt, Caliban über Setebos)

- Odilon Redon

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