nanie  Abschaffel war aufgestanden und stand in seiner Wohnung herum. Er kratzte sich in der Geschlechtsgegend, weil es ihn dort juckte. Und weil es ihn juckte, kam er unwillkürlich auf die Idee, ob er onanieren sollte oder nicht. Auf die Idee verfallen, hieß bei ihm normalerweise: es sofort tun. Es war erstaunlich, daß er in dieser Lage noch etwas dachte, aber er dachte wirklich, es lieber nicht zu tun. Er fürchtete sich vor dem Gefühl, nach dem Onanieren dick zu werden aus Traurigkeit. Dennoch stand er noch immer mit der in der rechten Hosentasche versenkten Hand in seinem Zimmer herum und kratzte sich. Es war ihm nicht recht, daß er sich so sehr mit seinem Geschlecht beschäftigte. Plötzlich hatte er Lust, es zu betrachten, nachdem es so gekratzt worden war. Er öffnete sich die Hose, setzte sich auf einen Stuhl und sah genau sein Geschlechtsteil an. Mit den Fingerkuppen fuhr er vorsichtig in den Schamhaaren umher und betrachtete die Stellen, wo er gekratzt hatte. Er entdeckte da und dort kleine Punkte, krümelartige Erscheinungen, die ihn sofort interessierten. Mit dem spitzesten Fingernagel, den er hatte, popelte er an einem dieser Punkte herum und hob ihn aus den Schamhaaren heraus. Es war eine Filzlaus. Auf seinem Fingernagel hatte Abschaffel eine Filzlaus liegen. Sie war deutlich erkennbar als lebendes Wesen. An ihrem Körpersaum bewegten sich eine Anzahl kleiner Beinchen ständig auf und ab. Abschaffel sah abwechselnd auf sein Geschlecht und auf die Laus. - (absch)

Onanie (2) Crépet verbürgt sich dafür, daß sich für Baudelaire die Liebe auf Onanie beschränkt habe. Er brachte zwei Frauen zusammen und ließ sie vor sich miteinander verkehren; bei diesem Anblick wichste er dann. Sicherlich hat diese Leidenschaft den Zustand verursacht, in dem er geendet ist. Crépet meint, die Beschwörungen, die Baudelaire sich selbst gegenüber in seinen intimen Tagebüchern aussprach - die Sünde zu fliehen, ihr nicht wieder zu verfallen -, bezögen sich auf diese Leidenschaft. Seiner Meinung nach hat Baudelaire sich deshalb zwei Jahre freiwillig in Belgien aufgehalten, weil er sich zumindest zeitweilig davon heilen wollte. - (leau)

Onanie (3)  Träumt ein Reicher, er verkehre mit sich selbst, so prophezeit es ihm den Verlust seines Vermögens, bitterste Not und Hunger, weil kein Partner für ihn da ist, einem Armen hingegen stehen schwere Krankheit oder übermäßige Qualen bevor; denn ohne große Qual kann niemand mit sich selbst verkehren. Träumt ein Kinderloser, er küsse sein Glied, so werden ihm Kinder geschenkt werden; hat er Kinder in der Fremde, wird er sie in der Heimat wiedersehen und herzlieh küssen; viele Unverheiratete gingen nach diesem Traumerlebnis eine Ehe ein. Träumt man von Fellatio mit sich selbst, so bringt das einem Armen, einem Sklaven und einem Schuldner Nutzen; sie werden sich ihre Bedrängnis vom Hals schaffen; übel dagegen ist es für einen, der Kinder hat oder Kinder zeugen will. Der erstere wird seine Kinder durch den Tod verlieren, der letztere kinderlos bleiben; denn das Geschlechtsglied gleicht den Kindern, der Mund aber einem Grab; denn was der Mund aufnimmt, das verschlingt er und bewahrt es nicht. Ferner hat man nach diesem Traumgesicht den Verlust der Gattin oder Geliebten zu beklagen; denn wer sich selbst die Liebesfreuden verschaffen kann, bedarf nicht einer Frau. Allen anderen prophezeit es drückende Not oder Krankheit; entweder werden sie aus Nahrungssorgen an das Notwendige herangehen, das heißt, das verkaufen, was sie gar nicht hergeben wollen, oder infolge der Krankheit körperlich so schrumpfen, daß sie den Mund an das Glied heranführen können, weil sie so mager geworden sind. - (art)

Onanie (4)  Da Proust selbst äußerst verschlossen war, was seine sexuellen Vorlieben betrifft, und sein Publikum sich immer noch nicht einig ist, ob es in ihm den geschlechtslosen Schöngeist und dezenten Knabenanbeter in antiker Tradition sehen oder Berichten Glauben schenken soll, nach denen Proust zur sexuellen Erregung im Bordell Ratten peitschte, wollen wir uns lieber dem garantiert nicht minder komplizierten Geschlechtsleben seines Romanerzählers zuwenden, das weniger spekulative Deutungen erfordert. Aus freudianischer Sicht stellt Marcel sich als die Verkörperung des Fetischisten schlechthin dar, da er den Sex nie unmittelbar mit einem Geschlechtspartner erlebt, sondern seine Lust immer vermittelt erregt wird durch einen dritten Gegenstand, in dem seine Phantasien sich obsessiv verkörpern. Diese Form des imaginären, immer an eine bestimmte Metapher, ein bestimmtes, indirektes Bild gebundenen Sex kündigt sich bereits in Swanns und Odettes »Cattleya machen« an und setzt sich fort in den Masturbationsszenen, bei denen die empfundene Lust sich für Marcel unlöslich mit dem Irisduft der Dachkammer, seinen einsamen Lektürenachmittagen und den dazu phantasierten Frauen verbindet. Eine solche, aus einsamen Phantasien geborene Sexualität kennt den gemeinsamen Genuß nicht, ja sogar im Geschlechtsakt mit dem Partner betreibt er immer eine Art von einsamer Selbst-Befriedigung.  - Ulrike Sprenger, Proust-ABC. Leipzig 1997

Onanie (5)

Onanie (6)

Vergehen Masturbation Selbst Sex
Oberbegriffe
zurück 

.. im Thesaurus ...

weiter im Text 
Unterbegriffe
Verwandte Begriffe
Synonyme