utter, Große  Die GROSSE MUTTER ist für gewöhnlich seßhaft und von riesigem Hintern, halb tier-, halb pflanzenhaft, greiffähig mit Pfahlwurzeln und Scheinfüßen; daher liebt sie's, sich im ›Ich‹ andrer zu zersetzen; genießt hemmungslos den eignen abgestandenen Aufguß, Feinschmeckerin und Kannibalin ihrer selbst; sie bläht uns und verstopft uns mit ihrem nahrhaften Seim; und, ohne eigne Stimme zu haben, behauptet sie, sich in unseren inneren Fürzen auszudrücken.

Seht sie, wie sie ihre ewigen anklägerischen Krampfadem nachschleppt, den Wust der Eierstöcke, die Fasern ihrer streichelnden Finger, den gefräßigen Mund, den schleimigen Speichel; Muttergelee mit Zähnen. Mannschaften ohne Mutter, die luftfressenden Chamäleons entstammen, treiben sie zum Bahnhof, lösen sie ab vom Boden mit Scheren, mit Beschränktheit, Anzüglichkeit und Gebeten. Und dann, dann siehst du gebildete, melancholische, näselnde Männer jammern bei ihrer Abreise, über die verlorene Kindheit, über den Verlust ihres halben Lebens; eilig saugen sie, noch immer, die letzte geronnene Milch aus dem unförmigen Körper; aber die glaubenslosen, die unduldsamen Ackersleute äußern sich hämisch mit Lichterfesten, Ohrenflappen und Furzgeräuschen.    - Giorgio Manganelli, Niederauffahrt. Berlin 1987 (Wagenbach Quarthefte 20/21, zuerst 1964) 

 

Mutter Göttin

 

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