Mühle  Auf einmal wurde es hell, und als ich mich heftig erschrocken umwandte, sah ich, daß die Mühle brannte. Die Fenster waren erfüllt von blendendem Feuerschein. Das morsche Gebälk knisterte und knackte. Aus dem spitzen Schindeldach drang Rauch, eine große Stichflamme schlug gegen den Himmel, und mit einem Krach stürzte die vordere Wand ein. — Das von innen beleuchtete Mühlwerk war in Bewegung, man sah wie in den geöffneten Leib eines Menschen. Noch schnurrten die Räder, es drehten sich die Mahlsteine, es erzitterten die Trichter, der Mehlstaub verbreitete einen leichten Nebel durch die Glut. Die Flammen ergriffen gierig die morschen Stiegen und Leitern, und langsam, gleichsam widerstrebend, wurde ein Teil nach dem ändern bewegungslos — wie die Organe eines Sterbenden.

Der große Mehlkasten stürzte zuletzt in die Flammen. Wo er gestanden, sah ich ein Paar altmodische Stulpstiefel, in denen halbvermoderte Beine steckten — brennende Balken verbargen den Rest. Hinter mir hörte ich eine hohle Stimme: »Ich hob' es getan/ Schon zum vierten Male hob' ich es getan, und ich werde es immer wieder tun!«

Es war der Müller. - Er nahm eine Prise, zog ein Rasiermesser heraus, probierte die Klinge und schnitt sich die Gurgel durch.  - Alfred Kubin, Die Andere Seite. München 1975 (zuerst 1909)

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