onarchie  In jener Steinzeit handelte es sich darum, einem Menschen zu dienen. Man kann das nicht verwechseln mit jener Übergangsepoche, wo eine Kommission an der Spitze des Staates es dem Bürger leichter machte, sich frei zu fühlen. Der Mann der Monarchie fühlte sich nicht weniger frei. Die Gesichtspunkte der Eiszeit ermangelten nicht einer gewissen Größe. Der Mensch wurde nicht so sehr nach seiner Leistung eingeschätzt als vielmehr dem Vertrauen nach, das auf ihn (in ihm) gehäuft lag. Das ist kein unfreier Standpunkt. Das Gefühl der Freiheit wird gemeinhin weniger geschätzt als das der Sicherheit und der Übereinstimmung. Das Lebensgefühl jener Menschen äußerte sich in dem Wissen um die organische Mitgliedschaft in einem Gesamtkörper, der in seinem Haupt, gut oder schlecht, frei war. - Bertolt Brecht, Notizen 1919

Monarchie (2)

Monarchie (3)

Monarchie (4)   »Am Schönen Stein also hielten diese neuen Sebastianisten ihre Versammlungen ab, und in den unterirdischen Höhlen seiner Felsen lag der Tempel dieser falschen Priester und der Thronsitz dieser karikaten Phantasie-Monarchie.«

Als ich meine Lesung mit diesen Worten des Pereira da Costa abschloß, lächelte der Richter: »Falsche Priester! Karikate Phantasie-Monarchie! Und Sie lesen das, wie es scheint, gar nicht bekümmert, sondern sogar noch stolzgeschwellt vor!«

»Eben das, Ew. Ehren. Pereira da Costa war ein offizieller und anerkannter Schriftsteller, Mitglied des Archäologischen Instituts von Pernambuco<, so daß sein Wort einem Fürstenwort gleichkommt; er würde es niemals zurücknehmen, selbst wenn er es später bereut hätte. Wenn er meine Vorfahren zu Königen von Brasilien geweiht hat, so sind wir, auch wenn er unsere Monarchie als karikat betrachtet, damit anerkannt, und das genügt uns; selbst Gott kann nichts mehr daran ändern. Wenn er eine so ruhmreiche und ritterliche Monarchie wie die vom Stein des Reiches als Karikatur und Phantasiegebilde ansieht, so ist das seine Sache. Ich kann nichts dafür, daß Pereira da Costa, obwohl er ein Genie ist, solche Eseleien von sich gegeben hat. Außerdem sind schließlich alle Monarchien Karikaturen und Phantasiegebilde!«

»Und Sie sind Monarchist, obwohl Sie so eingestellt sind?« »Das bin ich. Ich gehöre zur königlichen Linken, oder wenn Ihnen das lieber ist, ich bin ein linker Monarchist.«

»Warum dieser Widerspruch?«

»Weil ich die Monarchie hübsch finde mit ihren Kronen, Thronen, Zeptern, Wappen, Paraden zu Pferde, Bannern, Dolchen, Rittern und Prinzessinnen, genau wie in der Flugschrift von ›Karl dem Großen und den zwölf Paladinen von Frankreich.‹ Deshalb war mein Vorfahr Dom Silvestre José dos Santos im Rodeador-Gebirge in Pernambuco unter dem Namen Dom Silvester L, der Entsandte, König von Brasilien. Am Stein des Reiches herrschten beide Linien der Familie gemeinsam, flie Vieira-dos-Santos und die Ferreira-Quadernas. Die Vieira-dos-Santos waren die vier Kinder des alten Fürsten Dom Gonçalo José dos Santos: João António, Pedro António, Isabela und Josefa, oder besser: Dom Johann L, der Vorläufer, Dom Peter L, der Verschmitzte, die Prinzessin Isabela und die Königin Josefa. Vom Zweig der Quadernas waren dort der alte Fürst Dom José Maria Ferreira-Quaderna, mein Ururgroßvater und Vater meines Urgroßvaters, Dom João Ferreira-Quaderna, der unter dem Namen Dom Johann II., der Abscheuliche, den Sertão-Thron von Brasilien bestieg. Doch beide Linien kamen schließlich wieder zusammen, weil mein Urgroßvater die beiden Schwestern, seine Basen, die Königin Josefa und die Prinzessin Isabela, heiratete.«

»Hat er beide Schwestern auf einmal geheiratet?« »Herr Richter, Sie werden schon bemerkt haben, daß der Sertäo-Katholizismus seine eigenen Gesetze und Gebote besitzt. Zu den festen Bestandteilen unseres Kredos am Stein des Reiches gehörten: Vielweiberei, monarchistisch-sozialistisches Sertão-Denken, und daß die Besitzenden von enthaupteten Hunden, die als Drachen wiederauferstehen, aufgefressen werden.«  - (stein)

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