Missbrauch 

 

- Bosc

Missbrauch (2) Wieviel Eingeweihte lassen in der Dichtung noch zu unseren Tagen auf einer Rennbahn, die im üppigen Sommer liegt, zwischen edlen hochgezüchteten Tieren ein Stierkämpferpferd laufen, dessen Gedärme, frisch zusammengenäht, zucken von widrigem Staub! Bis schließlich die dialektische Embolie, die jedes betrügerisch gemachte Gedicht heimsucht, in der Person des Verfassers diesen unzulässigen Mißbrauch bestraft.  - Aus: René Char, Partage formel - Unanfechtbarer Anteil, in: R. C., Zorn und Geheimnis. Frankfurt am Main 1991 (zuerst 1948)

Missbrauch (3) Der große englische Zahlentheoretiker G.H.Hardy, dem niemand nachsagen kann, er sei ein Vertreter der »weichen« Wissenschaften, erzählt in seinem Buch A Matbematician's Apology (1967) von einem Besuch bei einem befreundeten Genetiker namens Steve Jones, der offenbar literarisch bewandert war; denn er zitierte Samuel Taylor Coleridge, einen Dichter der englischen Romantik, der die Chemie-Vorlesungen in der Royal Institution zu besuchen pflegte. Als man ihn fragre, warum er sich diese Mühe mache, soll Coleridge geantwortet haben: »Um meinen Vorrat an Metaphern anzureichern.« Und Hardy bemerkt dazu: »Jones schien diesen Gebrauch wissenschaftlicher Erkenntnis zu mißbilligen; er hätte ein stringenteres Verfahren bevorzugt. Andererseits: Was wäre die Wissenschaft ohne ihre Metaphern?«  - Hans Magnus Enzensberger, Die Elixiere der Wissenschaft. Frankfurt am Main 2002
 
 

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