isogyn   Frauen mochte Léautaud nicht. Sie ernst nehmen oder gar für gleichberechtigt erachten zu sollen, empfand er als Zumutung - auch und besonders dann, wenn er intime Beziehungen zu ihnen unterhielt. Für ihn gab es nur das gegenseitige Gewähren von Befriedigung, und wenn der Gedanke an eheliche Bindung ihm nicht so völlig fremd gewesen wäre, dann hätte er sich zweifellos Kants von traurigem Ruhm umwobene Definition der Ehe zu eigen gemacht. Freilich hat Léautaud  seine strikt physiologischen Anschauungen, von denen auch seine inventarisierenden Intimtagebücher Zeugnis geben, mit verdächtiger Lautstärke verkündet - als wäre ihm Widersprach oder praktische Widerlegung nur willkommen gewesen. Denn er fühlte sich, wenngleich nicht ausgesprochenermaßen, ungeliebt. - Vorwort zu (leau)

Misogyn (2)   What's wrong with shooting your wife in the head cos of misogyny? Sure many guys can relate! - Certex, von youtube als Spam markiert

Misogyn (3)  Er hatte sich den Frauen gewidmet... wieso nicht? ... und zwar zu Anfang mit großem Vergnügen. Als er bei der Signora Gallerati »mit seinen Absichten erfolgreich war«, stieß er einen Schrei aus, der im ganzen Häuserblock zu hören war. Doch wenn das Vergnügen ihm auch sehr gefiel, so irritierten ihn schließlich sämtliche Frauen. Die Mädchen spiegelten, mehr als jedes andere Geschöpf auf der Welt, die düsteren Lichter der Zeit wider. Gelassene oder alberne Sätze, abscheuliche oder gleichgültige Sitten hatten sich ihrer zarten Körper bemächtigt. Vannantò geriet aus der Fassung: Es gelang ihm nicht, einen männlichen oder dummen Blick aus zwei Augen fast göttlicher Prägung oder den kameradschaftlichen Handschlag einer perfekten Hand zu ertragen. Die so mit Dummheit befrachtete Schönheit wurde ihm verhaßt: er schlug einen schlechten Weg ein, als er begann, es als sinnlich wohltuend zu empfinden, einem seltsamen Gefühl der Rache und der Gemeinheit freien Lauf zu lassen; während er so weit wie möglich vor der Jugend und der Schönheit floh, versteckte er seinen kleinen flehentlichen Schrei an der Brust einiger Frauen, deren Erscheinung zu beschreiben und jedenfalls deren Alter zu enthüllen wir uns hier ersparen. Aber diese Periode währte nur drei Jahre: die frostigste Keuschheit bedeckte ihn von Kopf bis Fuß wie ein Schweißtuch. Die Frauen übrigens würdigten ihn keiner Aufmerksamkeit: seine hohe und magere Gestalt, sein träger und verschlossener Blick, die im 19. Jahrhundert allein bei seinem Auftauchen in einem Saal einem Mädchen, das ein Lied vortrug, einen falschen Ton entlockt hätten, fanden 1937 keinen Anklang. Es brauchte sich bloß ein junger Mann mit kurzgeschorenem Haar und viereckigen Schultern neben ihn zu setzen, der zwischen seinen von den verächtlich geschürzten Lippen bloßgelegten Zähnen einen Happen zermalmte, damit ein Mädchen seine vielen Grüße nicht mehr beantwortete, dermaßen unsichtbar war er geworden.   - Vitaliano Brancati, Die Langeweile von 1937. In: V.B., Der Alte mit den Stiefeln. Zürich 1991 (zuerst 1946)

Misogyn (4) Doktor Ferral, ehemaliger Arzt Kaiser Franz Josephs, nach dem Tod des Kaisers und dem Zusammenbruch Österreichs nach Paris geflüchtet, lebte kärglich von den Erzeugnissen eines Kosmetikinstituts, das er mitten im Faubourg Saint-Germain in einem prachtvollen Palais eröffnet hatte, das die schönen Damen von Welt und die geizigen Gnädigen aus der Nachbarschaft um keinen Preis aufsuchen wollten. Allerdings war der Doktor ein verteufelt verführerischer Schalk, ein beißender Spötter, Frauen gegenüber ein klein wenig grob, wie viele Hofleute unter dem Deckmantel einer Höflichkeit, die um so mehr an Ungezogenheit grenzt, als die Manieren sehr fein sind, jedoch eine tiefe Verachtung durchblicken lassen. Der Doktor war ein Weiberfeind, aber sein Geist war hinreißend und seine Konversation, gespickt mit Anekdoten und gestützt auf scharfe Beobachtung und eine persönliche Erfahrung, die er in allen Kreisen und in den exklusivsten Gesellschaftsschichten erworben hatte, in die ein Arzt, ohne sich Illusionen zu machen, eindringt, war blendend und beständig von den Glanzlichtern seiner ungeheuren Belesenheit auf allen Gebieten erhellt. Ferral wußte einfach alles, und man ahnte von seinem Wissen noch viel mehr, als er sagte oder merken ließ. Er war wunderbar! Wenn dieser Eigenbrötler mich in meinem Landhaus in Tremblay-sur-Mauldre besuchte, brachte er mir aus Paris frische Eier mit, weil er der Ansicht war, die Landhennen hätten, wie die Bäurinnen aus dem Dorf, keine Ahnung von Hygiene, trügen zweifelhafte Unterwäsche, ernährten sich schlecht und vor allem von Abfällen, brüteten die Keime aller Krankheiten aus, könnten nicht richtig legen und keine Eier liefern, die nicht stanken. Seine Paradoxe und sein Zynismus waren mir eine helle Freude. Wir saßen stundenlang bei Tisch. Ich schenkte meinem Freund einen alten Calva ein, den er zu schätzen wußte, er bot mir seine Zigarren an.

Und obendrein hatte der Mann auch noch Herz.  - (mora)

 

Mann

 

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