Mensch, glücklicher  Er war die Ruhe selbst. Er hatte seit dem Tod seines Vaters, Mr. Constantine Wollop, nie mehr vor irgendeiner Menschenseele die Fassung verloren. Seinem Vater gegenüber, der nun in seinem Grab auf dem Friedhof an der Wells Road ruhte, war Mr. Wollop bei einigen Gelegenheiten gereizt gewesen. Doch das Benehmen des alten Constantine war gegen Ende zu ganz unerträglich geworden. Ein Heiliger hätte den alten Lump verflucht. Ein Philosoph hätte sich noch schlimmer verhalten. Ein einfacher Mann hätte ihn ermordet. Aber Timothy war lediglich spürbar verärgert gewesen! Mr. Wollop hatte weder Frau noch Kind. Seine Diener wurden derart auf Respektabstand gehalten, daß sie quasi als gar nicht vorhanden gelten konnten. Sie waren die Handlanger, die sein Haus sauber und warm hielten und ihm zu vernünftigen Zeiten seine bescheidenen Mahlzeiten brachten. Wären sie die Raben gewesen, die Elisha nährten, oder die unsichtbaren Bediensteten, die dem Märchenprinzen aufwarteten, sie hätten nicht weniger menschlich sein können. Mr. Tirnothy Wollop lebte ganz für sich. Die Behauptung, er wäre aus Einsamkeit unglücklich, käme der Verkündung des genauen Gegenteils der Wahrheit gleich. Mr. Wollop war einer der glücklichsten Menschen der Grafschaft Somerset. Weder rauchte noch trank noch hurte er. Er gab nie, auch nicht in den einsamen Nachtwachen, dem fiebrigen Stachel sinnlichen Begehrens nach. Sobald sein Kopf das Kissen berührte, schlief er ein. Wovon träumte Bürgermeister Wollop? Er träumte nie oder, wenn er es tat, dann vergaß er seinen Traum beim Aufwachen so vollständig, daß jemandes Aussage, »Ich habe wie Bürgermeister Wollop geträumt«, gleichbedeutend wäre mit »Mein Schlaf war traumlos«.   - John Cowper Powys, Glastonbury Romance. München 1993 (zuerst 1933)
 
 

Menschen, wirkliche

 

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