Mehlwurm   In tierischen und pflanzlichen Genomen gibt es, wie sich herausgestellt hat, Meutereien. In einigen weiblichen Mehlwürmern existiert ein Gen namens Medea, das dafür sorgt, daß nur Nachkommen überleben, in denen es vorhanden ist: Als lockte das Gen alle Nachkommen des Weibchens in eine Falle, aus der nur jene freikommen, die es in sich tragen. Es gibt komplett egoistische Chromosomen, sogenannte B-Chromosomen, die nichts anderes tun, als ihre eigene Weitergabe an die nächste Generation zu sichern. Sie dringen in jedes Ei eines Insekts ein. Ein anderes Insekt, eine Schildlaus, ist Sitz eines noch seltsameren genetischen Parasiten. Wenn die Eier der Schildlaus befruchtet werden, kann es vorkommen, daß mehr als ein Spermium ins Ei eindringt. Dann verschmilzt das eine Spermium auf ganz normale Weise mit dem Ei-Kern, während sich das andere Spermium in der Zelle herumlümmelt und bei jeder Teilung der Eizelle ebenfalls teilt. Wenn die Schildlaus heranreift, frißt das parasitische Spermium deren Keimzellen und ersetzt sie durch Kopien seiner selbst. Das Insekt produziert also Spermien und Eier, die mit ihm selbst überhaupt nicht mehr verwandt sind, ein verblüffendes Beispiel für genetischen Betrug.  - Matt Ridley, Eros und Evolution. Die Naturgeschichte der Sexualität. München 1995 (zuerst 1993)
 
 

Wurm

 

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