Marktbeschickung  Die großen, sehr ausführlichen, ganz und gar gefüllten Zeichnungen in Bleistift und Buntstift stelle ich für den allgemeinen Markt her. Den artistischen Aufwand in diesen Zeichnungen betreibe ich einerseits, um mir den Geruch des Fleißes anzuhängen, andererseits ist dies ein sehr befriedigendes Verfahren, dieweil am Anfang etwas Konzentration und am Ende noch einmal etwas Konzentration nötig ist, in den Tagen dazwischen ich mich aber gemütlich strichelnd und dösend oder die nächste Zeichnung in Gedanken konzipierend, auf der Fläche zwischen den Umrissen ausbreiten kann. Das Sujet dieser Zeichnungen ist marktkonform. Es ist ausgewählt nach den Bedürfnissen jener Leute,  die glauben, Bilder besitzen zu müssen, und diese auch bezahlen können. Und diese Leute lieben im Falle Janssen die etwas angekrüppelten Gnomen, die geilen Sybillchen und die aufgesperrten Katzengesichter und ähnliches. Nicht, daß dies Publikum von Beginn an eine Vorliebe gehabt hätte für solcherlei Darstellungen: ich selbst habe einmal vor Jahren aus Lustvergnügen in einer motivarmen Zeit solche Krüppelchen und Nymphen gezeichnet, und da es gefiel, identifizierte man mich mit diesen Zeichnungen gemäß dem allgemeinen Bedürfnis nach Markenartikel. Die Kunstfertigkeit, mit der diese Sachen hergestellt sind, liefert dann das Alibi für die an sich profane Neigung. Bei Zeichnungen mit weniger attraktivem Motiv strichele ich die Sache so nebulös zum Ende, daß es aus diesem Grunde gefällt.

Die Komposition ist immer sehr simpel: zum Beispiel ein grau in grau gestrichelter Mädchenkopf in grauer Umrahmung. Die von den Seiten ins Gesicht fallenden Haare bilden den Vorhang für das kleine Theater, das sich in Gestalt von zwei Augen und einem Mund zwischen diesen Vorhängen anbietet. Das anspruchsvolle Publikum wird überlistet,  indem ich  einen  der  Akteure, vielleicht das linke Auge, in  seiner Rolle unterdrücke, wegstrichele oder zu neun Zehntel hinter den Vorhang schiebe, den Mund dafür aber aufgeputzt an die Rampe ziehe. Das gibt der Sache einen lasziven Ausdruck, und man freut sich. Oder: ein zu sanftester Plastizität gestrichelter Oberkörper einer Ingrid. Der Spalt zwischen Brust und Oberarmmuskel suggeriert das Bild einer Vagina, in die der Blick des Betrachters durch ein schnallenverziertes Gürtelchen, das den Arm umspannt, hineingelenkt wird. Beleuchtet ist diese kleine Szenerie durch eine Brustwarze — ein Diener in glitzernder Montur.   - (jan)

 

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