ann, starker  «Mit wieviel Leuten zugleich könnt Ihr es denn aufnehmen?», fragten die Jünglinge.

«Wenn zehntausend kommen, dann mit zehntausend, wenn tausend, dann mit tausend. Soviel auch immer nur kommen mögen, ich würde sie alle bezwingen.»

Die jungen Leute wurden daraufhin noch unsicherer und verwirrter. Als der Starke ausgetrunken hatte, packte er sein Bündel und ritt davon. Kaum war er einige Meilen weit, da kam hinter ihm ein Reiter herangaloppiert. «Das ist sicher einer von den gewalttätigen Gesellen, von denen der Wirt sprach», sagte er sich. Als der Reiter aber näher kam, war es einer der Jünglinge, und der Starke maß dem weiter keine Wichtigkeit bei. «Wo reitet ihr hin?» fragte ihn der Jüngling. «Ich kehre heim nach Si.»

«Ich Unwürdiger bin auch von dort und habe mich auf dem Weg verirrt. Nun suche ich jemand Erwachsenen, der mir den Weg zeigt.»

So ritten denn beide zusammen, der Starke vorneweg, und unter Plaudern und Lachen begann er Gefallen an dem Jungen zu finden. Er fragte ihn:

«Ihr tragt Pfeil und Bogen mit Euch. Sicher seid Ihr ein trefflicher Schütze?» «Ich habe unermüdlich geübt.»

Der Starke ergriff den Bogen, um sich daran zu versuchen, doch konnte er mit aller seiner Kraft den Bogen nicht spannen. Er warf ihn fort und sagte: «Das Ding da taugt nichts. Warum tragt Ihr ihn mit Euch herum?»

«Das Ding taugt schon etwas, wenn der etwas taugt, der es benutzt», entgegnete der Jüngling und wollte selbst eine Probe zeigen. In diesem Augenblick flog gerade eine Wildente schreiend durch die Lüfte; mit einem einzigen Schuß durchbohrte sie der Pfeil des Jünglings, und die Ente fiel vor seinem Pferd zu Boden Der Starke aber fand dies höchst seltsam.

«Ihr tragt einen Dolch am Gürtel - da seid Ihr doch sicher auch gut im Zustechen?» fragte nun der Jüngling. «Sicher», antwortete der Starke, «das ist gerade meine Stärke,  nicht das andere.» Damit reichte er dem anderen seinen Dolch hin. Der Jüngling jedoch warf nur einen Blick darauf und meinte geringschätzig :

«Das Ding da ist gerade gut genug, um Hühner zu schlachten oder den Hundemetzger zu spielen. Was soll man denn mit so etwas anfangen?» Mit diesen Worten ergriff er den Dolch und bog ihn mit seinen bloßen Händen so krumm wie einen Fischerhaken. Dann streckte er ihn wieder gerade wie zuvor. Der Starke erbleichte und sagte sich, daß er seine Habe wohl nicht länger werde behalten können. Obgleich er mit dem jungen Mann zusammen reiste, bekam er es doch mit der Angst, zitterte am ganzen Leibe und verlor all sein Selbstvertrauen. Der Jüngling aber besänftigte ihn mit freundlichen Worten, bis sie nach einigen Meilen Weges an eine Stelle kamen, wo weit und breit kein Mensch zu sehen war. Dort schrie der Jüngling seinen Begleiter so laut an, daß der vom Pferde stürzte. Der Jüngling schlug dem Pferd den Kopf ab und sagte: «Was heute geschah, soll dir eine Warnung sein. Dir geht es wie deinem Pferd, wenn du mir nicht folgst.»

Der Starke warf sich nieder und fragte, was er denn wolle. «Du Nichtsnutz, warum gibst du mir nicht das Geld, das du im Gürtel trägst?»   - Aus: Die Goldene Truhe. Chinesische Novellen aus zwei Jahrtausenden. München 1961 

Mann, starker (2)  Schwitters hatte einen sehr unabhängigen Charakter, doch war er trotzdem stets im Bann dessen, was man Avantgarde nennt: er fürchtete sich bis zu einem gewissen Grade, wenn nicht in seinen Collagen, so doch in seinen Plastiken, den Konstruktivisten, also Theo van Doesburg und Laszlo Moholy-Nagy, zu mißfallen. Diese seltsame Furcht, nicht äußerst modern nach dem damaligen Kunstbegriff zu erscheinen, begrenzte ihn besonders in seinem MERZbau, der 1923 sehr viel ungebundener, sehr viel mehr DADA war, wie noch Fotos der ersten MERZsäule erkennen lassen. Die Ungebundenheit verließ Schwitters vor dem, was man nur die Diktatur des Rechteckstils nennen kann, und die Schwitters nicht zu überschreiten wagte, er, der sonst vor nichts besondere Achtung aufbrachte. Schwitters sagt es in seinem Gedicht Ballade:

Da bebberte der arme Mann,
wie nur ein S-tarker bebbern kann.

- Raoul Hausmann, Am Anfang war DADA. Giessen 1980

Mann, starker (3)  

Grettir will die vom Vater übertragenen Aufgaben schon mit 10 Jahren nicht ausführen, bringt die Gänse um, statt sie zu hüten, und zieht dem wetterfühligen Pferd halb die Haut ab. Der Vater betrachtet ihn deshalb als Nichtsnutz.

Als 16-Jähriger tötet er einen Mann und wird zum ersten Mal für 3 Jahre zum Gesetzlosen erklärt

Er legt sich mit dem Wiedergänger Glámur an und besiegt ihn. Seit diesem Kampf jedoch fürchtet er sich vor der Dunkelheit.

Wegen eines angeblichen Mordes wird er zu 20 Jahren Verbannung in die isländischen Einöden verurteilt. Es folgt eine lange Zeit des Umherziehens im ganzen Lande. Freunde und Verwandte wollen Grettir rehabilitieren, aber der Feind ist mächtiger und erreicht noch im 19. Jahr der Gesetzlosigkeit, dass diese weiter bestehen bleibt und Grettir weiter als vogelfrei gilt.
Grettir führt ein Räuberleben.  Er holt dort mit zwei anderen starken Männern einen Ochsen von einer Insel im Breiðafjörður. Das Wetter ist stürmisch, der Ochse völlig erschöpft bei der Ankunft. Da nimmt ihn Grettir auf die Schultern und trägt ihn zum Hof.
Schließlich zieht sich Grettir im 19. Jahr der Verbannung mit seinem jüngeren Bruder Illugi auf die Insel Drangey im Skagafjörður zurück. Auch von dort schwimmt er einmal die 6 km bis auf das Festland, um Feuer zu holen (heute jährlich nachgeahmt von zahlreichen Leuten). Ein Feind, den der Vater der toten Brüder geschickt hat, versucht mehrfach, ihn zu töten. Schließlich greift dessen Ziehmutter mit einem Zaubertrick ein und schickt ihm einen verzauberten Baumstamm über das Wasser. Der dumme Knecht bringt diesen als vermeintliches Brennholz in die Zufluchtsstätte. Prompt fährt Grettir die Axt in sein Bein, als er den Stamm kleinhacken will. Das Bein fängt an zu eitern und schwächt Grettir beträchtlich. In diesem Zustand wird er schließlich von den Feinden getötet. - Nach Wikipedia

Mann, starker (4) Der Mann ging hin und sprach zu den Pferden: »Vorwärts!« Aber keines von ihnen wollte sich rühren. Da spannte er das Leitpferd aus, band ihm die vier Füße zusammen und warf es in den Wagen. »Nun vorwärts, ihr«, sprach er zu den beiden anderen. Aber keines von ihnen tat auch nur einen Schritt. Da spannte er auch diese beiden aus, band ihnen die vier Beine zusammen und warf sie in den Wagen hinein. Dann spannte er sich selber vor den Wagen und zog alles — den Wagen und die Baumstämme und die drei Pferde — hinauf zum Gutshof.

Der Edelmann kam heraus und erstaunte nicht wenig beim Anblick dieses Aufzuges. Der starke Mann ließ nun den Wa­gen vor der Tür stehen und holte sich sein Essen, die Butter­milch und das Gerstenbrot. Der alte Gutsherr fragte ihn: »Woher hast du nur deine Kraft?« Er aber verriet nichts.

Nun sprach der Edelmann zu ihm: »In den Feldern da drüben liegt ein großer See. Ich wünsche, daß du mir den trockenlegst.«

Der große Mann ging hin und fällte einen großen Baum­stamm. Dann ging er zum See und durchstieß mit dem Baum­stamm den Grund des Sees, so daß alles Wasser ablief.

Am Morgen ging der Herr hin, um sich den See anzu­schauen. Und siehe da, das Wasser war verschwunden. Wie­der fragte er ihn: »Wo hast du nur deine Kraft her?« Aber er sagte es nicht, sondern sprach:

»Ich werde dir zeigen, was wirklich Kraft ist.« Und er nahm eine große Eisenkette. Diese legte er rings um das Guts­haus und hob es mitsamt seinen Bewohnern auf und setzte es neben seine eigene elende Hütte.

Am Morgen sprach der Schloßherr zu ihm: »Wenn du mir sagst, woher du deine Kraft hast, dann werde ich dir alle meine Schafe und alle meine Kühe und alle meine Pferde schenken.«

Aber der große Mann verriet nichts, er griff nur mit der Hand in seine Tasche, brachte einen kleinen weißen Knopf zum Vorschein und sagte: »Da nimm!«

Der Schloßherr glaubte wirklich, daß darinnen die Kraft säße, und steckte den Knopf in seine Tasche. Er gab seine ganze Habe dem starken Mann und zog weit weg.

Als aber nach drei Tagen von der Kraft noch nichts zu spüren war, sprach er zu sich selbst: >Der Kerl hat mich be­trogen, der hält es mit dem Teufel. Ich will gleich wieder zu ihm gehen!< Er ging also wieder zurück und klopfte leise an die Tür. Der starke Mann kam heraus, und der Edelmann rief ihm zu: »Du bist der Teufel!« — »Ja«, sprach der starke Mann, »der Teufel in eigener Person«, und damit stieß er ihn die Treppe hinunter.

Und der Teufel lebt jetzt noch dort.

Doch nun muß ich eine große Wurst dafür bekommen, daß ich dir diese Lüge erzählt habe.  - (zig)

 

Mann

 

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