ann, kleiner    Mit dem Anfang des Jahrs 1755 träumte seinem Sohn alle Nacht, es käme ein kleiner Mann mit einem blauen Rock, und braunen Brusttuch bekleidet, auch eine Peitsche um seinen Leib hangend, nach vorherigem Anklopfen zur Stubenthür herein getretten, der ihm einen guten Morgen biete, und spreche: »ich habe dir etwas zu sagen: gehe hinunter in den . . . berg, unter dem Baum bey der . . . Wiesen wirst du auf und neben einem Stein 15 Kreuzer finden, die nimm und steck sie ein, dann grabe ein wenig, so wirst du viel Geld finden.« — Dann sahe auch . . . im Traum allemal den Plaz und den Baum, wo das Geld liegen sollte, auch das Geld selbst, wie es sich zum Theil oben auf der Erden präsentirte.  - (still)

Mann, kleiner  (2)

- Pierre Klossowski

Mann, kleiner  (3) Durch ›kleine Männchen‹, die man Schreber in die Füße setzte, versuchte man sein Rückenmark auszupumpen, so daß es ihm bei den Spaziergängen im Garten in Form von Wölkchen aus dem Munde entdampfte. Häufig hatte er die Empfindung, daß seine ganze Schädeldecke dünner geworden war. Wenn er Klavier spielte oder schrieb, versuchte man seine Finger zu lähmen. Manche Seelen nahmen die Formen winziger Menschengestalten an, nicht größer als einige Millimeter, und trieben an den verschiedensten Körperteilen, teils im Innern, teils an seiner Außenfläche, ihr Wesen. Einige von ihnen waren mit Öffnung und Schließung seiner Augen beschäftigt: sie standen über den Augen in den Augenbrauen und zogen von dort aus die Augenlider an feinen, spinnwebartigen Fäden nach ihrem Geschmack herauf und hinunter. Kleine Männer waren damals fast immer in großer Zahl auf seinem Kopf versammelt.  - (cane)

Mann, kleiner  (4)  Sie war sich jäh bewußt geworden, daß sie im Innern des Steins nicht mehr allein war.

Es war ein Mann bei ihr, dessen Körper - er war nackt wie der ihrige - von ungemeiner Schönheit war, dessen Kopf jedoch dem eines Löwen ähnelte. Seine sehr glatte Haut war von glühendem Rot; seine große Mähne leuchtet in einem goldenen Glanz, den das Auge kaum ertrug; auch seine Behaarung leuchtete, wenngleich spärlich. Mitten in dem Stein stand er dem jungen Mädchen gegenüber und spreizte Arme und Beine, so daß die äußersten Enden seiner Hände und Füße die vier Eckpunkte einer in das Polyeder eingezeichneten, nur gedachten Fläche bildeten, die dieses geteilt hätte, und daß sein Nabel im Schnittpunkt der Diagonalen, die man hätte ziehen können, genau dem Mittelpunkt jenes imaginären Quadrats entsprach. Sein Glied war erigiert, steil. Es reichte bis zu zwei Dritteln zur Höhe des Nabels hinauf. Sarah, die so etwas zum erstenmal im Leben erblickte, musterte neugierig diese Art von kleinem Mann, der an den großen angeschraubt war (jedoch umgekehrt, wenn der Hodensack dem Kopf mit der mächtigen Mähne entsprach), und sie meinte, es müsse zwischen dem großen und dem kleinen eine ebenso vollkommene wie unberechenbare Proportionsbeziehung bestehen, die wahrscheinlich von der Zahl Pi beherrscht wurde. Sie meinte, der kleine Mann enthalte das Irrationale, und jener zylindrische Körper berge Pi. - André Pieyre de Mandiargues, Der Diamant. In: A.P.M., Schwelende Glut. Frankfurt am Main 1995 (st 2466, Phantastische Bibliothek 323, zuerst 1959)

Mann, kleiner  (5)

 

Mann

 

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